Gender-Gap, Vorsorge

Gender-Gap bei Vorsorge: Männer meiden Programme zu 75 Prozent

06.06.2026 - 09:50:18 | boerse-global.de

Viele Menschen in schwierigen Lebenslagen verzichten auf Präventionsangebote. Hauptgründe sind Geldnot und fehlendes Wissen.

AOK-Studie: Finanzsorgen verhindern Gesundheitsvorsorge
Gender-Gap - Eine diverse Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds in einem Gemeinschaftszentrum, die nachdenklich oder besorgt wirken. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der AOK Niedersachsen. Finanzielle Sorgen, mangelnde Informationen und geschlechtsspezifische Barrieren sind die Hauptgründe.

Finanzielle Ängste lähmen die Vorsorge

Die Umfrage der AOK Niedersachsen aus dem Spätsommer 2025 offenbart eine prekäre Lage. Von 1.067 befragten Personen aus vulnerablen Gruppen bewerteten 67 Prozent ihren Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht. Die häufigsten Leiden: Depressionen (38 Prozent), Rückenerkrankungen (36 Prozent) und Bluthochdruck (33 Prozent).

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81 Prozent der Teilnehmer machen sich Sorgen um ihre Gesundheit. Doch die Hürden sind enorm: 80 Prozent fürchten Geldmangel. Kosten und fehlende Informationen wurden als größte Barrieren genannt. Nur 34 Prozent fühlten sich ausreichend über bestehende Angebote informiert.

Psychische Gesundheit rückt in den Fokus

Besonders bei Kindern und Jugendlichen wächst der Druck. Laut einer Studie vom März 2025 nutzen mehr als 25 Prozent der 10- bis 17-Jährigen soziale Medien riskant – bundesweit rund 1,3 Millionen Betroffene. Das Programm „MeKi“ in Bayern behandelt medienabhängige Jugendliche und wird bis Ende 2026 wissenschaftlich evaluiert.

Auch Kinder psychisch belasteter Eltern stehen im Fokus. Projekte wie „Ankerzeiten“ setzen auf ehrenamtliche Patenschaften zur präventiven Unterstützung. In der stationären Pflege eröffnete kürzlich ein Fitnesspark in Stollhamm – speziell zugeschnitten auf Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, finanziert durch öffentliche Mittel und Stiftungen.

Gender-Gap: Männer meiden Vorsorge

Die COVIMO-Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Fast 75 Prozent der Männer nutzen keine Präventionsprogramme, bei Frauen sind es über 50 Prozent. Forscher der Charité sehen unterschiedliche Gründe: Männer empfinden Angebote teils als unvereinbar mit traditionellen Rollenbildern und zeigen geringere Risikowahrnehmung. Frauen scheitern häufiger an familiären Verpflichtungen.

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Die Daten zur Kinderbetreuung untermauern das Bild: 2025 beantragten Frauen laut AOK Rheinland-Pfalz 76 Prozent aller Kinderkrankentage. Gleichzeitig nehmen Frauen Stressmanagement-Angebote (84 Prozent Teilnehmeranteil) und Bewegungsprogramme (77 Prozent) deutlich häufiger wahr als Männer.

Klimaschutz trifft auf Prävention

Für Mitte Juni 2026 ist ein bundesweiter Hitzeaktionstag geplant. Ziel: Schutz älterer und chronisch kranker Menschen vor Extremwetter. In Städten wie Dietzenbach oder Berlin werden kühle Orte ausgewiesen und digitale Hitzeschutz-Angebote beworben.

Ärztliche Standesvertretungen fordern parallel stabile finanzielle Rahmenbedingungen für die Prävention. Die Kritik richtet sich gegen geplante Einsparungen im Gesundheitssystem. Die Ärztekammer Niedersachsen warnt vor einer Gefährdung der Versorgung in Praxen und Kliniken. Gesundheitsministerien mahnen Reformen in der Pflege an – sonst werden steigende Eigenanteile zur Armutsfalle und Prävention rückt weiter in den Hintergrund.

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