Gemini-Missbrauch, Google

Gemini-Missbrauch: Google und FBI zerschlagen Netzwerk mit zwei Millionen Geräten

03.07.2026 - 09:40:10 | boerse-global.de

Google reicht Zivilklage gegen eine chinesische Gruppe ein, die Gemini für massenhafte Phishing-Angriffe auf Krypto-Investoren nutzte.

Google verklagt chinesische Bande wegen Gemini-Phishing-Missbrauch
Gemini-Missbrauch - Person in Kapuzenjacke tippt auf Laptop, mit leuchtenden KI-Neuronalen Netzen und Kryptowährungssymbolen überlagert. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der US-Konzern geht juristisch gegen eine kriminelle Organisation vor, die Gemini für massenhafte Betrugsversuche missbraucht haben soll.

Google hat Zivilklage gegen eine chinesische kriminelle Organisation namens „Outsider Enterprise" eingereicht. Die im Juli 2026 vorgelegte Klage wirft der Gruppe vor, die KI-Plattform Gemini für groß angelegte Phishing-Kampagnen genutzt zu haben. Ziel der Angriffe: Millionen von Kreditkartendaten stehlen und gezielt Krypto-Investoren schädigen.

KI als Werkzeug für Betrug

Die Gruppe soll Googles proprietäre KI-Tools eingesetzt haben, um täuschend echte Phishing-Seiten im großen Stil zu erstellen. Die Betrugsmasche lief automatisiert ab – eine neue Dimension des Cyberbetrugs. Besonders betroffen: Anleger im Kryptowährungssektor.

Die Entwicklung reiht sich ein in besorgniserregende Berichte aus Südostasien. Dort nutzen kriminelle Syndikate nahe der Grenze zwischen Myanmar und Thailand eine Kombination aus ChatGPT, Gemini und Starlink für sogenannte „Pig Butchering"-Scams. Die KI generiert Nachrichten und übersetzt sie in über 100 Sprachen. Die Opfer werden oft innerhalb von nur vier Tagen zur Überweisung von Kryptowährungen gedrängt.

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Groß angelegte Netzwerk-Störung

Parallel zur Klage hat Google mit dem FBI und dem Netzwerkdienstleister Lumen zusammengearbeitet. Ziel war die Zerschlagung des NetNut-Residential-Proxy-Netzwerks, auch bekannt als Popa. Die Aktion Anfang Juli 2026 traf ein Netzwerk aus mindestens zwei Millionen Geräten – darunter Smart-TVs und Streaming-Boxen.

NetNut wird von Alarum Technologies betrieben, einem israelischen Unternehmen, das an der Nasdaq notiert ist. Google berichtet, dass allein in einer Woche im Juni 2026 316 verschiedene Bedrohungscluster NetNut-Knoten nutzten, um ihre kriminellen Aktivitäten zu verschleiern. Das FBI beschlagnahmte die dazugehörigen Domains, Google deaktivierte verknüpfte Konten. Zudem wurde Play Protect aktualisiert, um Nutzer vor Apps und SDKs zu warnen, die mit dem Netzwerk in Verbindung stehen.

Staatsnahe Akteure im Visier

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) hat einen besorgniserregenden Trend identifiziert: Staatsnahe Gruppen aus China, Iran, Nordkorea und Russland nutzen Gemini für Cyberoperationen. Sie setzen die KI für Zielprofilierung, Phishing und die Entwicklung von Schadsoftware ein – darunter Varianten namens HonestCue und CoinBait.

Sicherheitsforscher beobachten zudem Versuche dieser Akteure, durch „Knowledge Distillation" und Modellextraktion ihre eigenen Werkzeuge zu verfeern. Google hat als Reaktion Konten von identifizierten staatlichen Bedrohungsakteuren deaktiviert.

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Erfolge bei Strafverfolgung

Der juristische und technische Schlag gegen Cyberkriminalität kommt nicht von ungefähr. FBI-Direktor Kash Patel hob die Zerschlagung großer Netzwerke in Kambodscha und Dubai hervor. Die Aktionen stoppten demnach betrügerische Aktivitäten im Wert von über acht Milliarden Euro und führten zu rund 300 Festnahmen.

In einem weiteren Fall wurde Peter Stokes, ein 19-jähriger Doppelstaatsbürger der USA und Estlands, Anfang Juli 2026 aus Finnland an die USA ausgeliefert. Er wird beschuldigt, Teil der Cyberkriminalitätsgruppe „Scattered Spider" gewesen zu sein. Die Gruppe soll ein Juweliergeschäft gehackt und ein Lösegeld von acht Millionen Euro in Kryptowährung gefordert haben. Das Unternehmen zahlte nicht, der Schaden belief sich jedoch auf rund zwei Millionen Euro.

Während die Bedrohungslage wächst, zeigt sich ein Paradox: Die Nutzung von KI am Arbeitsplatz hat 73 Prozent erreicht. Regierungen reagieren mit neuen Gesetzen. In Kanada etwa diskutiert man über Bill C-22, der den rechtlichen Zugriff auf Daten, die Speicherung von Metadaten und die Einrichtung einer neuen Digital Safety Commission regeln soll.

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