Gemini, Millionen

Gemini: 950 Millionen Nutzer – Google attackiert OpenAI frontal

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Alphabet veröffentlicht erstmals konkrete Nutzerzahlen für Gemini. Das Cloud-Geschäft wächst rasant, während KI-Rückstände und EU-Strafen den Erfolg trüben.

Alphabet überrascht mit konkreten Gemini-Nutzerzahlen und starkem Cloud-Wachstum
Modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Serverracks, die Cloud-Infrastruktur und KI-Wachstum symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Google-Mutterkonzern Alphabet überrascht mit konkreten Nutzerzahlen seiner KI-Plattform Gemini – und liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Konkurrenz.

Alphabet-CEO Sundar Pichai nutzte die Vorlage der Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026, um ein für alle Mal klarzustellen: Gemini ist im Geschäft. 950 Millionen monatlich aktive Nutzer und rund 22 Milliarden Tokens pro Minute – das sind die Zahlen, mit denen der Konzern auf die öffentliche Kritik von Metas KI-Chef Alexandr Wang reagiert. Der hatte zuvor die Relevanz von Gemini infrage gestellt.

Fast 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen setzen inzwischen auf Gemini Enterprise. Auch die Integration in die Google-Suche zeigt Wirkung: Der KI-Modus knackte die Marke von einer Milliarde monatlicher Nutzer. Doch die Konkurrenz schläft nicht – einige Wettbewerber liegen in derselben Größenordnung.

Cloud-Geschäft als Wachstumsmotor

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Alphabets Umsatz stieg im zweiten Quartal auf umgerechnet rund 110 Milliarden Euro – ein Plus von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der eigentliche Star war jedoch Google Cloud. Die Sparte legte um 82 Prozent auf etwa 22,8 Milliarden Euro zu und erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 8,1 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand? Rund 473 Milliarden Euro.

Der Nettogewinn des Konzerns erreichte mit rund 103 Milliarden Euro eine beachtliche Höhe – hier schlagen allerdings nicht realisierte Gewinne aus der Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zu Buche. Ein Wermutstropfen bleibt der negative freie Cashflow von 5,4 Milliarden Euro. Kein Wunder also, dass Alphabet seine Investitionsprognose für das Jahr auf 180 bis 189 Milliarden Euro nach oben geschraubt hat. Die Infrastruktur muss schließlich finanziert werden.

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KI-Roadmap: Aufholjagd im Coding-Bereich

So beeindruckend die Nutzerzahlen auch sind – Pichai räumte ein, dass Google bei KI-gestützter Programmierung und agentischem Coding hinterherhinkt. Die Antwort darauf heißt Gemini 4. Das neue Modell befindet sich bereits im Training und gilt als hochambitioniertes Projekt mit deutlich größeren Basismodellen.

Der Entwicklungsprozess verlief allerdings holprig. Im Juni verließen mehrere erfahrene KI-Forscher das Unternehmen. Gemini 3.5 Pro steckt weiterhin im Partnertest fest. Als Überbrückung veröffentlichte Alphabet mehrere schlanke Modelle: Gemini 3.6 Flash, 3.5 Flash-Lite und 3.5 Flash Cyber. Immerhin: Der DeepSWE-Score – ein Maß für Programmierfähigkeiten – verbesserte sich von 37 auf 49 Prozent.

EU-Strafen und US-Rechtsstreit

Die Wachstumszahlen kommen zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Die Europäische Union verhängte kürzlich eine Rekordstrafe von 890 Millionen Euro gegen Alphabet – wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act. 460 Millionen Euro entfallen auf die Bevorzugung eigener Dienste in der Google-Suche, 430 Millionen Euro auf sogenannte Anti-Steering-Praktiken im Play Store. Alphabet hat 60 Tage Zeit, die Auflagen zu erfüllen – sonst drohen weitere Strafen von bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes.

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In den USA entschied ein Bezirksgericht gegen Google in einem DMCA-Verfahren gegen SerpApi. Das Scraping öffentlicher Suchergebnisse bleibt demnach erlaubt, solange keine urheberrechtlich geschützten Inhalte betroffen sind. Google hat 21 Tage Zeit, seine Klage auf geschützte Textausschnitte zu beschränken.

Und auch Meta steht unter Druck: Der Justizausschuss des Senats fordert bis zum 5. August eine Erklärung zur Entlassung von Forschern, die Kindesmissbrauch in virtuellen Umgebungen gemeldet hatten. Zudem sollen ungeschwärzte Gerichtsakten belegen, dass Meta interne Studien unterdrückt habe – Studien, die positive Effekte einer Social-Media-Auszeit auf die psychische Gesundheit zeigten.

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