Gelbe Wiesenraute, Blume des Jahres 2027

Gelbe Wiesenraute wird Blume des Jahres 2027

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Loki Schmidt Stiftung verbindet die Auszeichnung mit einem Appell für natürliche Flussläufe und den Schutz feuchter Auen. Die selten gewordene Wildpflanze steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands.

Die Auszeichnung lenkt den Blick auf Auen

  • Die Loki Schmidt Stiftung kürt die Gelbe Wiesenraute für das Jahr 2027 zur 48. Blume des Jahres.
  • Thalictrum flavum kann bis zu 150 Zentimeter hoch werden und blüht von Juni bis August.
  • Die Stiftung besitzt und entwickelt Auengebiete in Brandenburg, Niedersachsen und Hamburg.
  • Sie gedeiht in Auenlandschaften, doch die werden weniger. Nun ist sie «Blume des Jahres» geworden: die Gelbe Wiesenraute. - Bild: Cyrille Claudel/Loki Schmidt Stiftung/dpa
  • Die Loki Schmidt Stiftung wählt jedes Jahr eine Blume aus, die auf den Schutz der Natur aufmerksam machen soll. - Bild: Christian Charisius/dpa
Sie gedeiht in Auenlandschaften, doch die werden weniger. Nun ist sie «Blume des Jahres» geworden: die Gelbe Wiesenraute. - Bild: Cyrille Claudel/Loki Schmidt Stiftung/dpa Die Loki Schmidt Stiftung wählt jedes Jahr eine Blume aus, die auf den Schutz der Natur aufmerksam machen soll.  - Bild: Christian Charisius/dpa

Gelbe Wiesenraute wird Blume des Jahres 2027

Die Gelbe Wiesenraute ist die „Blume des Jahres 2027“. Die Loki Schmidt Stiftung in Hamburg will mit der Wahl auf den Verlust natürlicher Flussläufe und feuchter Auen aufmerksam machen.

Lebensraum durch Eingriffe geschrumpft

Die Pflanze mit den gelben Rispen wächst an natürlichen Flüssen und in Auenlandschaften. Flussbegradigungen und Trockenlegungen haben ihren Lebensraum verkleinert; die Gelbe Wiesenraute steht deshalb auf der Vorwarnliste der Roten Liste Deutschlands.

Die Auszeichnung ist die 48. Wahl der Stiftung. Sie versteht die Pflanze als Botschafterin für lebendige Flussauen, in denen zahlreiche Arten auf engem Raum vorkommen.

Auen helfen beim Hochwasserschutz

„In den Flussauen leben auf engstem Raum etwa ein Drittel aller mitteleuropäischen Arten“, sagte Projektleiter André Palm laut Mitteilung. Natürliche Flussläufe böten nicht nur seltenen Pflanzen, Federlibellen, Schilfrohrsängern und Bibern Lebensraum, sondern wirkten auch als natürlicher Wasserfilter und als Schutz vor Hochwasser.

Die Gelbe Wiesenraute gehört zu den Hahnenfußgewächsen. Sie kann bis zu 150 Zentimeter hoch werden und bildet von Juni bis August eine dichte Rispe mit hunderten Einzelblüten.

Stiftung renaturiert eigene Flächen

Die Loki Schmidt Stiftung besitzt und entwickelt nach eigenen Angaben Auengebiete in Brandenburg, Niedersachsen und Hamburg. In den vergangenen Jahren pflanzte sie dort Auwald, verschloss Entwässerungsgräben und etablierte eine schonende Bewirtschaftung von Auenwiesen.

Die Aktion „Blume des Jahres“ geht auf die Biologin Loki Schmidt zurück. Die Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt rief sie 1980 ins Leben, um den Schutz von Wildpflanzen zu fördern; 2026 war der Feldrittersporn ausgezeichnet worden.

Die Wahl der Gelben Wiesenraute lenkt den Blick auf einen Lebensraum, der zugleich für den Artenschutz und den Umgang mit Hochwasser bedeutsam ist. Naturnahe Flussauen verbinden feuchte Wiesen, Gewässer und Auwälder auf engem Raum. Dadurch entstehen vielfältige Lebensbedingungen für Pflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere.

Flussbegradigungen, Entwässerung und Bebauung verändern diese Landschaften grundlegend. Wenn Auen regelmäßig überflutet werden können, halten sie Wasser länger in der Fläche zurück. Das kann bei Hochwasser und Starkregen die Belastung flussabwärts mindern; zugleich trägt das gespeicherte Wasser zur Grundwasserbildung bei.

Symbol für natürliche Flussläufe

Die Gelbe Wiesenraute steht damit nicht nur für den Rückgang einer einzelnen Wildpflanze. Ihr Vorkommen verweist auf die Qualität eines gesamten Ökosystems. Die von der Stiftung genannten Maßnahmen – etwa das Verschließen von Entwässerungsgräben, das Pflanzen von Auwald und eine schonende Bewirtschaftung – setzen an den Ursachen des Lebensraumverlusts an.

Für Kommunen und Anwohner hat das Thema praktische Bedeutung: Mehr Raum für Flüsse kann Naturschutz und Hochwasservorsorge verbinden, erfordert aber Abwägungen bei Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung und Infrastruktur. Die Auszeichnung macht diese Zielkonflikte sichtbar und wirbt dafür, natürliche Flussläufe stärker in regionale Planungen einzubeziehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Die Gelbe Wiesenraute ist Blume des Jahres 2027“ (22.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die Wahl und stellt die Gelbe Wiesenraute als an Überschwemmungen angepasste Pflanze vor. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Funktionen naturnaher Auen für Wasserspeicherung, Grundwasserbildung und die Abmilderung von Hochwasser.

NDR: „Blume des Jahres 2027 ist die Gelbe Wiesenraute“ (22.10.2026)

Der NDR hebt neben der Auszeichnung die botanischen Merkmale und die Bedeutung der Pflanze für bestäubende Insekten hervor. Anders als der tagesschau-Beitrag nennt er außerdem ein konkretes Renaturierungsbeispiel an der Elbe bei Lenzen und beschreibt die dortigen Effekte für Hochwasserschutz und Lebensräume.

Beide Beiträge stimmen bei der Wahl, der Gefährdung naturnaher Flussauen und dem Appell für mehr Raum für Flüsse überein. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen entweder die ökologischen Funktionen der Auen oder die Pflanzenkunde und konkrete Renaturierungspraxis.

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