Gehirntraining, Demenzrisiko

Gehirntraining senkt Demenzrisiko um 38 Prozent

12.05.2026 - 22:18:05 | boerse-global.de

Studie belegt: Koordinierte Maßnahmen aus Bewegung, Ernährung und Training verbessern die kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen deutlich stärker als selbstgesteuerte Ansätze.

Gehirntraining senkt Demenzrisiko um 38 Prozent - Foto: über boerse-global.de
Gehirntraining senkt Demenzrisiko um 38 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Studie mit über 2.000 Teilnehmern.

Studie belegt: Koordinierte Maßnahmen wirken besser

Eine am 11. Mai in Nature veröffentlichte Studie untersuchte 2.111 Personen zwischen 60 und 79 Jahren. Das strukturierte Fünf-Punkte-Programm umfasste viermal wöchentlich Ausdauer- und Krafttraining, die MIND-Diät, kognitives Training sowie Gruppentreffen.

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Die kognitiven Fähigkeiten der Teilnehmer stiegen signifikant stärker als bei Personen mit selbstgesteuerten Maßnahmen. Besonders profitierten Probanden mit niedrigen Ausgangswerten und Träger des genetischen Risikofaktors APOE?4.

Bewusstsein hoch, Wissen gering

Die Alzheimer’s Association startete am 11. Mai die Initiative „(re)think your brain“. Hintergrund: Eine US-Umfrage zeigt, dass 90 Prozent der Befragten Gehirngesundheit für wichtig halten – aber nur 9 Prozent wissen, wie sie effektiv handeln können.

Die Initiative stützt sich auf die US-POINTER-Studie. Ihr Ziel: theoretisches Bewusstsein in konkrete Handlungen übersetzen.

Lebenslanges Lernen verzögert Alzheimer um Jahre

Eine Studie des Rush Alzheimer’s Disease Center in Neurology (11. Mai) begleitete 1.939 Teilnehmer (Durchschnittsalter: 80 Jahre) über 7,5 Jahre. Ergebnis: Lebenslange kognitive Anreicherung senkt das Alzheimer-Risiko um 38 Prozent, das Risiko für leichte kognitive Beeinträchtigungen um 36 Prozent.

Der Erkrankungsbeginn verzögerte sich um mehr als fünf Jahre – von durchschnittlich 88 auf 94 Jahre. Hirnautopsien an 948 Probanden zeigen: Die Schutzwirkung blieb selbst bei vorhandener Alzheimer-Pathologie bestehen. Besonders kritisch: die Stimulation im mittleren und späten Erwachsenenalter.

Neuropsychologe Jens Foell betonte am 11. Mai die lebenslange Plastizität des Gehirns. Lernen sei auch über 60 noch effektiv möglich. Neben geistiger Forderung durch Rätsel oder soziale Kontakte nannte er Ernährung, Bewegung und Schlaf als fundamentale Säulen.

Blutmarker verrät geistige Fitness im Alter

Eine japanische Studie in JAMA Network Open (Mai 2026) untersuchte fast 500 Hundertjährige. Das Protein Neurofilament-Leichtkette (NfL) im Blut erwies sich als maßgeblicher Prädiktor für geistige Fitness. Ein hoher NfL-Wert korrelierte mit einem um 36 Prozent erhöhten Sterberisiko pro Standardabweichung.

Klassische Alzheimer-Marker wie Amyloid oder Tau spielten bei dieser Gruppe eine untergeordnete Rolle. Niedrigere NfL-Werte waren mit guter Nierenfunktion, stabilem Body-Mass-Index und ausreichender Eiweißversorgung verbunden.

Vitamin D schützt vor Tau-Proteinen

Eine Langzeitstudie der Universität Galway und der Boston University in Neurology (Mai 2026) begleitete 793 Teilnehmer über 16 Jahre. Höhere Vitamin-D-Spiegel in der Lebensmitte korrelierten mit geringerer Tau-Ansammlung in Hirnregionen, die früh von Alzheimer betroffen sind.

Die Forscher führen dies auf entzündungshemmende Eigenschaften und den Schutz gegen oxidativen Stress zurück. Ein Zusammenhang mit Amyloid-Beta-Ablagerungen fand sich nicht.

30 Minuten Laufen verbessert Konzentration

Eine Studie der Nanjing University (2026) zeigt die kurzfristigen Effekte von Bewegung. Bei 40 Studierenden mit Prüfungsangst senkte bereits ein 30-minütiges moderates Lauftraining die subjektive Angst und verbesserte die kognitive Hemmkontrolle.

EEG-Messungen belegten eine effizientere Konfliktüberwachung und gesteigerte Aufmerksamkeit. Verantwortlich: die Ausschüttung von Dopamin, Norepinephrin und Serotonin.

Kochen senkt Demenzrisiko um 27 Prozent

Eine japanische Untersuchung mit über 10.000 Personen ab 65 Jahren zeigt: Regelmäßiges Kochen – mindestens einmal pro Woche – reduziert das Demenzrisiko bei Männern um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent. Der Effekt blieb auch nach Bereinigung um Einkommen, Bildung und Lebensstil signifikant.

14 Risikofaktoren sind beeinflussbar

Professor Frank Jessen vom Kölner Alzheimer Präventionszentrum weist darauf hin: 50 bis 60 Prozent des Demenzrisikos sind genetisch bedingt. Doch 14 modifizierbare Risikofaktoren wurden identifiziert – darunter mediterrane Ernährung und die Korrektur von Seh- und Hördefiziten.

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Die Früherkennung gewinnt an Bedeutung: Neue Immuntherapien zur Auflösung von Alzheimer-Plaques sind in den USA bereits zugelassen, die Zulassung in Europa wird erwartet.

Zweistufiges Screening geplant

Acatech und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlagen ein zweistufiges Screening-Verfahren vor. Stufe eins: digitale Anwendungen und Wearables zur Erfassung von Lebensstilfaktoren und kognitiven Basistests. Stufe zwei: vertiefte Diagnostik mittels Neuropsychologie, Bildgebung und Biomarkern.

Ziel: bis zu 38 Prozent der Demenzfälle frühzeitig adressieren.

Alkohol gefährdet neuronale Integrität

Experte Jens Foell warnt ausdrücklich vor Alkoholkonsum. Alkohol umgehe als Zellgift die Blut-Hirn-Schranke und gefährde die neuronale Integrität.

Die Forschung konzentriert sich künftig auf personalisierte Präventionsstrategien. Genetische Profile und individuelle Biomarker wie Chromogranin A oder NfL sollen helfen, kognitive Resilienz gezielt zu fördern.

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