Gehirntraining, Active

Gehirntraining: Active Brains senkt kognitive Beeinträchtigungen um bis zu 18 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen beleuchten digitale Übungen, Schachtraining und Bewegung; Fachleute warnen vor überzogenen Aussagen zu kognitiven Effekten.

Gehirntraining und Bildschirmzeit: Was Studien zur Wirkung zeigen
Ein minimalistisch gestalteter Arbeitsbereich mit einem Holztisch, Papier und einem Stiftehalter bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Digitale Anwendungen zur kognitiven Förderung und zur Steigerung der Konzentration gewinnen zunehmend an Bedeutung. Während einige Ansätze auf gezieltes Gehirnjogging und mentale Übungen setzen, verfolgen andere Konzepte eine Reduktion der Bildschirmzeit, um die geistige Leistungsfähigkeit im Alltag zu stabilisieren.

Fachleute mahnen jedoch zu einer differenzierten Einordnung der tatsächlichen Effekte. So warnt Dr. Honorine Lebraud von der Organisation Alzheimer's Research UK davor, dass es verfrüht sei zu behaupten, Lebensstiländerungen könnten kognitive Beeinträchtigungen rückgängig machen.

Anlass für die Diskussion sind unter anderem Untersuchungen der University of Southampton, die in der Fachzeitschrift The Lancet Primary Care veröffentlicht wurden.

Die Untersuchung begleitete 11.563 Personen im Alter von 60 bis 85 Jahren mit niedrigen kognitiven Werten. Dabei zeigte sich bei Gruppen mit Zugang zur Plattform Active Brains eine Reduktion leichter kognitiver Beeinträchtigungen um 8 Prozent und schwerer Beeinträchtigungen um 18 Prozent gegenüber jenen, die lediglich einfache Ratschläge erhielten.

Dr. Richard Oakley von der Alzheimer's Society wies ergänzend darauf hin, dass die Studie Personen mit frühen Gedächtnis- und Denkproblemen untersuchte und keine Teilnehmenden mit gesicherter Diagnose einer leichten kognitiven Störung oder Demenz.

Gehirntraining zwischen mobilen Apps und traditionellen Methoden

Im Segment des digitalen Trainings zielen mobile Applikationen darauf ab, Denkprozesse spielerisch anzuregen. Die Anwendung Braincup für Android stellt beispielsweise Übungen für Konzentration, Gedächtnis und mathematische Fähigkeiten bereit, darunter Sudoku, N-Back sowie Aufgaben wie Simon Says, Bulls & Cows und Trio. Die Software wird quelloffen unter der Apache-2.0-Lizenz betrieben und verzichtet auf Werbung, Tracker oder In-App-Käufe.

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Parallel dazu erforscht die klinische Wissenschaft nicht-digitale und bewegungsbasierte Ansätze. Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim untersucht seit mehreren Jahren schachbasiertes kognitives Training als Ergänzung zu therapeutischen Verfahren.

In aktuellen Studien zeigte sich bei Teilnehmenden in der Rehabilitation bei Alkoholabhängigkeit eine verbesserte Aufmerksamkeitsspanne und eine gesteigerte Lebensqualität. Bei Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren führte ein sechswöchiges zusätzliches Training zu besseren Arbeitsgedächtnisleistungen und höherem psychischen Wohlbefinden.

Eine Studie der University of Tsukuba im Fachjournal Imaging Neuroscience verdeutlichte zudem den Nutzen moderater Bewegung: Ein zehnminütiges sehr langsames Laufen auf dem Laufband verbesserte die Reaktionszeit im sogenannten Stroop-Test im Vergleich zu einer Phase ruhigen Sitzens signifikant.

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Reduktion der Bildschirmzeit als Schutz vor mentaler Überlastung

Neben dem aktiven Training rückt die Begrenzung digitaler Reize in den Mittelpunkt. An der Universität Marburg entstand im Rahmen der Infrastruktur für Jugendgesundheit am Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit die Anwendung LeafIt!.

Die Software soll helfen, die Bildschirmzeit zu senken, indem Schulklassen gemeinsame Nutzungsziele vereinbaren und individuelle Fortschritte dokumentieren können. Das Projekt, das im Juni 2026 bei einem Entwicklerwettbewerb in Berlin als spielbarer Prototyp prämiert wurde, zieht in das Computerspielemuseum Berlin ein und soll über eine geplante Ausgründung weitergeführt werden.

Auf Betriebssystemebene reagieren auch Technologiekonzerne auf den Bedarf nach digitaler Begrenzung. Apple legte in Zusammenarbeit mit der American Academy of Pediatrics einen Leitfaden für Familien vor.

Die Empfehlungen umfassen Schritte wie das Festlegen von Zeitbudgets, Sicherheitsfilter und standardmäßig aktivierte Kommunikationssicherheitsfunktionen für Minderjährige, flankiert von einer überarbeiteten Bildschirmzeit-Funktion in iOS 27. Hintergrund dieser Maßnahmen ist auch eine verstärkte regulatorische Aufmerksamkeit in Ländern wie den USA, Großbritannien und Australien.

Dass digitale Reizüberflutung Konzentration und Erholung beeinträchtigt, belegen psychologische Grundlagen. Bereits bekannte Phänomene wie der Zeigarnik-Effekt zeigen, dass unerledigte Aufgaben das Gedächtnis belasten.

Untersuchungen im Journal of Environmental Psychology verdeutlichen zudem, dass visuelles Chaos – ob in physischer Form oder auf digitalen Bildschirmen durch zahlreiche gleichzeitig geöffnete Webseiten – den Stresshormonspiegel erhöhen und die Konzentrationsfähigkeit spürbar mindern kann.

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