Gehirntraining: 80 Prozent aller Schlaganfälle sind vermeidbar
06.06.2026 - 10:24:41 | boerse-global.de
Neue Nervenzellen wachsen – besonders im Hippocampus – ein Leben lang. Die entscheidende Frage ist: Wie beeinflussen wir diese Prozesse?
Prävention beginnt früher als gedacht
Eine Untersuchung der Universität Leipzig zeigt: Schon bei 20- bis 39-Jährigen lassen sich Risiken für spätere kognitive Einschränkungen messen. Die NAKO-Gesundheitsstudie mit 150.000 Teilnehmenden nutzte dafür den LIBRA-Score. Bei Jüngeren treiben vor allem Rauchen, Bewegungsmangel und Depressionen die Werte nach oben. Bei Älteren dominieren Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte.
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) liefert im Juni 2026 weitere Zahlen: Rund 80 Prozent aller Schlaganfälle gehen auf 23 veränderbare Risikofaktoren zurück. Durch konsequente Lebensstiländerungen ließen sich jährlich 90.000 von 270.000 Schlaganfällen vermeiden. Auch 45 Prozent der Demenzfälle wären durch die Kontrolle von 14 spezifischen Risikofaktoren verhinderbar.
Ein Thesenpapier der AHA-Kommission erweitert den Fokus: Psychische Gesundheit, Darmmikrobiom, Schlafqualität, Umweltbelastungen und sozioökonomische Bedingungen spielen ebenfalls eine Rolle.
Medikamente: Hoffnung mit Einschränkungen
GLP-1-Agonisten zeigen vielversprechende Ergebnisse in der Prävention. Semaglutid senkt das Demenzrisiko bei Diabetikern um bis zu 53 Prozent. Dulaglutid reduziert den kognitiven Abbau um 14 Prozent. Doch die Evoke-Studien vom März 2026 machen eine wichtige Einschränkung: Bei bestehender Alzheimer-Erkrankung helfen diese Präparate nicht.
Die Diagnostik macht Fortschritte: Erste Bluttests für Alzheimer sind in Europa zugelassen. Sie weisen fehlgefaltete Proteine Jahre vor Symptomen nach. In der Grundlagenforschung identifizierten Wissenschaftler Anfang Juni 2026 das STING-Protein als zentrale Schaltstelle für chronische Neuroinflammation. Eine Blockade könnte entzündliche Prozesse im Gehirn abschwächen.
Das Immunsystem als neuer Ansatzpunkt
Forscher der University of California, San Diego, entdeckten den DREAM-Genschalter. Eine niedrige Aktivität dieses Proteins korreliert mit längerer Lebensspanne und Schutz vor Alzheimer-typischen Veränderungen. In Tierversuchen reduzierte das Ausschalten des Gens DNA-Mutationen im Gehirn. Der Hemmstoff Harmin hat bereits klinische Phase-II-Studien im Diabetesbereich absolviert.
Weitere Studien vom Mai 2026 zeigen: Spezifische Killer-T-Zellen sammeln sich gezielt an Amyloid-Plaques und steuern dort Entzündungsprozesse. Körperliche Aktivität regt die Produktion des Leberproteins GPLD1 an, das die Blut-Hirn-Schranke stärkt. Insgesamt sind mittlerweile 91 genetische Risikoregionen für Alzheimer bekannt.
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Bewegung und Ernährung als Schlüssel
Körperliche Aktivität bleibt eine der wirksamsten Maßnahmen. Intensiver Sport senkt das Parkinson-Risiko um bis zu 60 Prozent. Schon 7.000 Schritte täglich steigern die Lebenserwartung. Besonders Schlägersportarten wie Tennis oder Padel fördern die kognitive Langlebigkeit.
Auch Kaffee könnte neuroprotektiv wirken. Studien der Texas A&M University zeigen: Bestimmte Verbindungen aktivieren den Rezeptor NR4A1, der für Stoffwechsel und Gewebereparatur zuständig ist. Dieser Mechanismus hemmt entzündliche Prozesse und unterstützt die zelluläre Autophagie – und zwar sowohl bei koffeinhaltigem als auch bei entkoffeiniertem Kaffee.
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