Gehirnschutz, Schach

Gehirnschutz: Schach und Rätsel reduzieren Demenzrisiko um 4%

26.05.2026 - 23:30:42 | boerse-global.de

Mehrere aktuelle Studien zeigen: Regelmäßige soziale Aktivitäten und Bewegung können das Demenzrisiko messbar reduzieren.

Gehirnschutz: Schach und Rätsel reduzieren Demenzrisiko um 4% - Foto: über boerse-global.de
Gehirnschutz: Schach und Rätsel reduzieren Demenzrisiko um 4% - Foto: über boerse-global.de

Das belegen gleich mehrere am heutigen Dienstag veröffentlichte Studien.

Forscher aus Australien und Großbritannien zeigen: Wer aktiv bleibt und sich regelmäßig mit anderen trifft, schützt sein Gehirn vor vorzeitigem Abbau. Dabei spielen bereits kleine Veränderungen im Alltag eine große Rolle.

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Vereinsmitgliedschaft senkt Risiko um drei Prozent

Eine Studie unter Leitung von Dr. Alexander Braun belegt: Ältere Menschen mit stabilen sozialen Netzwerken haben einen signifikanten Schutz vor geistigem Abbau. Regelmäßiger zwischenmenschlicher Kontakt wirkt direkt auf das Gehirn.

Die australische Monash University untersuchte dafür mehr als 12.800 Personen über 70 Jahre. Ergebnis: Wer in Vereinen oder Clubs Mitglied ist, senkt sein Risiko für Gebrechlichkeit um drei Prozent.

Noch deutlicher fielen die Effekte bei mentalen Herausforderungen aus. Schach oder Rätsel reduzierten das Risiko um vier Prozent. Schreib- und computerbasierte Tätigkeiten brachten immerhin zwei Prozent. Besonders Frauen profitierten mit einer Risikoreduktion von drei bis sechs Prozent.

Kreativität verlangsamt die biologische Uhr

Das University College London (UCL) untersuchte den Einfluss kultureller Aktivitäten auf die Zellalterung. Die Daten von über 3.500 Erwachsenen zeigen: Bereits monatliches Singen, Tanzen oder Museumsbesuche bremsen die epigenetische Alterung.

Bei wöchentlicher Aktivität verlangsamte sich der Alterungsprozess um vier Prozent. Ein Wert, der mit den positiven Effekten von regelmäßigem Sport vergleichbar ist.

Die Penn State University lieferte dazu eine mechanische Erklärung: Bauchmuskelkontraktionen beim Sport setzen das Gehirn in Bewegung. Ähnlich wie ein Schwamm presst es dabei Abfallstoffe aus dem Gewebe. Das erklärt, warum körperliche Betätigung vor Alzheimer und Parkinson schützt.

Isolation macht krank – auf Zellebene

Eine internationale Studie der Universität Bern zeigt die Kehrseite. Eine zwölfköpfige Crew verbrachte zehn Monate in der Antarktis-Station Concordia. Ergebnis: Dauerhafte Isolation führte zu Misstrauen, Paranoia und Konflikten. Teamzusammenhalt und Leistungsfähigkeit sanken deutlich.

Auf mikroskopischer Ebene gelang Forschern der Universität Leipzig ein Durchbruch. Sie identifizierten bislang unbekannte Immunzellen im Hirngewebe von Alzheimer-Patienten. Diese Mikrogliazellen stehen in direktem Zusammenhang mit Eiweißablagerungen.

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Das FLI Jena entdeckte zudem: Der altersbedingte Verlust bestimmter Membranlipide begünstigt den Kollaps mitochondrialer Netzwerke. Durch die Gabe von Phosphatidylcholin ließ sich die jugendliche Funktion der Zellkraftwerke innerhalb weniger Tage wiederherstellen.

Jede zweite Demenz ist vermeidbar

Der Arzt und Buchautor Dietrich Grönemeyer betonte heute: Jede zweite Demenzerkrankung sei potenziell vermeidbar. Bei rund 1,8 Millionen Betroffenen in Deutschland und 450.000 Neuerkrankungen jährlich gewinnt das enorme Bedeutung.

Die Lancet-Kommission definierte 14 entscheidende Kriterien für die Prävention. Dazu gehören neben Bewegungsmangel, Übergewicht und Diabetes auch Hörverlust, Sehschwäche und Rauchen.

Meta-Analysen von über sieben Millionen Patienten zeigen: Statine senken das allgemeine Demenzrisiko um 14 Prozent, das Alzheimer-Risiko sogar um bis zu 28 Prozent. Bei mehr als drei Jahren Einnahme waren es bis zu 63 Prozent.

KI erkennt frühen Gedächtnisverlust

Die Zukunft der Demenzprävention kombiniert Lebensstiländerungen mit Technologie. Projekte wie die „Plauderbänke“ in Köln, Düsseldorf und Hamburg fördern soziale Kontakte. Der Mülheimer Sportbund startete ein spezielles Bewegungsprogramm für Demenzpatienten mit Musik und Rhythmus.

Ein neues KI-Modell der University of East Anglia erkennt frühen Gedächtnisverlust bereits mit einer Trefferquote von 79 Prozent.

Die medizinische Forschung verschiebt den Fokus weg von reiner Medikamentenbehandlung hin zu ganzheitlicher Prävention. Die Herausforderung: Diese Erkenntnisse flächendeckend in den Alltag der alternden Gesellschaft zu integrieren.

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