Gehirnentwicklung: KI-Chatbots kosten Schüler 30 Punkte Leistung
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 23:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die jüngsten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 verdeutlichen einen tiefgreifenden Wandel in der Bildungslandschaft der OECD-Staaten. Im Zentrum der aktuellen Analyse steht dabei der Einfluss der Künstlichen Intelligenz (KI) auf die kognitive Entwicklung von Schülern.
Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD, warnte in diesem Zusammenhang vor einem schleichenden Verlust kognitiver Kernkompetenzen, wenn technologische Hilfsmittel primär als bequeme Antwortquellen genutzt werden.
Risiken der KI-Nutzung für den Lernprozess
Nach Einschätzung von Andreas Schleicher birgt die Nutzung von KI-Chatbots die Gefahr, das Lernen grundlegend zu untergraben. In Berichten vom September 2026 wird Schleicher mit der Sorge zitiert, dass KI oft als ein zu einfacher Weg zur fertigen Lösung diene.
Der Bildungsexperte betonte, dass echtes Lernen stets geistige Anstrengung und Reibung erfordere. Die Technologie dürfe die Denkarbeit nicht ersetzen, sondern müsse darauf abzielen, schulische Anforderungen anspruchsvoller zu gestalten.
Die Daten der PISA-Studie 2025 stützen diese Warnung durch konkrete Leistungswerte. Schüler, die auf die Nutzung von KI-Chatbots für ihre Schularbeiten verzichteten, erreichten im Durchschnitt über 505 Punkte. Im Gegensatz dazu kamen tägliche Nutzer lediglich auf rund 475 Punkte.
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Ein differenziertes Bild ergab sich bei der Verwendung von KI als gezielte Lernhilfe: Schüler, die diese Technologie nie oder nur selten einsetzten, zeigten deutlich stabilere Leistungen als jene mit sehr hoher Nutzungsfrequenz.
In Österreich gaben zudem über 60 Prozent der Schüler an, ihr Bauchgefühl für wichtiger als wissenschaftliche Evidenz zu halten – ein Trend, den Forscher auch im Zusammenhang mit der digitalen Informationsverarbeitung beobachten.
Leistungsabfall in Deutschland und den OECD-Staaten
Die globale Auswertung der PISA-Studie 2025, an der rund 760.000 Jugendliche aus 91 Ländern teilnahmen, weist für die OECD-Staaten ein Rekordtief bei den Lese- und Mathematikleistungen aus. Besonders starke Rückgänge wurden in Frankreich, Deutschland und Spanien verzeichnet. Während Estland in Europa die Spitzenposition einnimmt, fallen die Ergebnisse in der Europäischen Union insgesamt unter den OECD-Durchschnitt.
In Deutschland erreichten die 15-Jährigen mit 486 Punkten in den Naturwissenschaften, 465 Punkten im Lesen und 464 Punkten in der Mathematik die niedrigsten Werte seit dem Jahr 2000. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lagen die Werte noch bei 492, 480 und 475 Punkten.
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Laut den Erhebungen verfügt rund ein Drittel der deutschen Schüler nicht über die erforderlichen Basiskompetenzen in Lesen und Mathematik. In den Naturwissenschaften zeigt sich zudem eine starke soziale Diskrepanz: Während 25 Prozent der privilegierten Jugendlichen die höchste Kompetenzstufe erreichten, gelang dies nur 2 Prozent der sozial benachteiligten Schüler.
Strukturprobleme und externe Einflussfaktoren
Andreas Schleicher sieht in der Art der KI-Nutzung zwar einen zentralen Faktor für die schwachen Ergebnisse, betonte jedoch, dass dies kein Argument gegen die Digitalisierung an sich sei.
Deutschland müsse bei der digitalen Ausstattung der Schulen ehrgeiziger werden, da derzeit nur rund 61 Prozent der Schüler von einer zuverlässigen Technik berichten. Zudem fühlt sich etwa ein Drittel der Jugendlichen im Unterricht durch digitale Geräte abgelenkt.
Neben der technologischen Komponente weist Schleicher auf einen langjährigen Reformstau hin. Die Leistungskurve in Deutschland falle bereits seit 2010 beständig; Migration könne diesen Abwärtstrend nur zu einem kleinen Teil erklären. Ein wesentlicher Faktor für den Bildungserfolg bleibe das familiäre Umfeld.
Die Studie belegt, dass Schüler, deren Eltern regelmäßig nach dem Schultag fragen, im Naturwissenschaftstest im Schnitt um 35 Punkte besser abschneiden – was einem Vorsprung von etwa zwei Schuljahren entspricht. Angesichts dieser Entwicklungen haben die EU-Bildungsminister bereits Maßnahmen angekündigt, um dem globalen Abwärtstrend entgegenzuwirken.
