Gehirnalter, Demenzrisiko

Gehirnalter: KI erkennt Demenzrisiko Jahre vor Ausbruch

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine KI-Analyse von MRT-Bildern verknüpft das biologische Hirnalter mit dem Demenzrisiko und eröffnet neue Ansätze für Früherkennung und Therapie.

KI-MRT zeigt Hirnalter und Demenzrisiko präziser
Ein steriler, moderner Forschungsraum mit minimalistischer Architektur und hellem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die präzise Bestimmung des biologischen Alters von Organen gewinnt in der medizinischen Diagnostik zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Forschungsergebnisse, unter anderem des Amsterdam UMC, verdeutlichen, dass insbesondere die KI-gestützte Analyse von MRT-Aufnahmen des Gehirns wertvolle Informationen über künftige Erkrankungsrisiken liefern kann.

Durch den Vergleich des chronologischen Alters mit dem biologischen Hirnzustand lassen sich individuelle Wahrscheinlichkeiten für die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen genauer bestimmen.

Die Rolle des Brain-PAD bei der Risikoeinschätzung

Wissenschaftler des Amsterdam UMC untersuchten in einer groß angelegten Analyse den Zusammenhang zwischen der sogenannten „Brain Predicted Age Difference“ (Brain-PAD) und dem Demenzrisiko. Das Brain-PAD beschreibt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Lebensalter einer Person und dem Alter, das eine Künstliche Intelligenz basierend auf MRT-Strukturdaten schätzt.

Die Auswertungen, die auf Daten von insgesamt 412 sowie 387 Patienten aus dem Zeitraum von 2002 bis 2024 basieren, zeigen eine deutliche Korrelation: Mit jedem Jahr, das das Gehirn im Vergleich zum chronologischen Alter älter wirkt, steigt das Risiko für eine Demenzerkrankung um 6 %.

Ein bemerkenswerter Befund ergab sich bei Personen, die über einen subjektiven kognitiven Abbau klagten, ohne dass klinische Tests bereits Defizite zeigten. In diesen Fällen wirkte das Gehirn in den Analysen durchschnittlich 2,6 Jahre jünger als das tatsächliche Alter der Probanden.

Für diese Patientengruppe ergab sich daraus eine 99%ige Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Zeitraums von zwei bis zehn Jahren keine Demenz zu entwickeln. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial digitaler Biomarker, frühzeitig Entwarnung geben oder Risikopatienten identifizieren zu können.

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Technologische Fortschritte in der Bildgebung und Gewebeanalytik

Parallel zu den Fortschritten in der Softwareentwicklung schreitet die Hardware-Infrastruktur voran. In Magdeburg wurde Anfang September 2026 mit dem Bau des weltweit stärksten MRT-Geräts für die Humanmedizin begonnen.

Die Anlage arbeitet mit einer Feldstärke von 14 Tesla und nutzt Hochtemperatur-Supraleiterdrähte. Das System soll künftig vor allem in der Forschung zu Demenz und Epilepsie eingesetzt werden, um Gehirnstrukturen in bisher unerreichter Detailtiefe abzubilden.

Ergänzt werden diese bildgebenden Verfahren durch neue Modelle der Gewebeanalytik. Forscher des CeMM und der Universität Wien entwickelten KI-gestützte Gewebeuhren, die auf der Analyse von mehr als 25.000 Proben von 983 Menschen basieren.

Das Modell kann das Alter in 40 verschiedenen Gewebetypen und 29 Organen mit einer durchschnittlichen Abweichung von etwa fünf Jahren schätzen. Dabei zeigte sich, dass ein beschleunigtes Organalter oft mit spezifischen Krankheiten assoziiert ist; so altert bei Typ-2-Diabetes beispielsweise die Bauchspeicheldrüse schneller.

In Zukunft könnten einfache Blutproben ausreichen, um ein solches beschleunigtes Organalter zu detektieren, wie auch Studien in Nature Medicine nahelegen.

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Präventionspotenziale und neue Therapieformen

Die Relevanz dieser Früherkennungsmethoden spiegelt sich in den aktuellen Patientenzahlen wider. In Deutschland leben derzeit etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, wobei ein Anstieg auf 2,7 Millionen bis zum Jahr 2030 prognostiziert wird.

Für Österreich werden bis zum Jahr 2050 zwischen 230.000 und 290.000 Betroffene erwartet, ausgehend von aktuell etwa 170.000 Erkrankten. Eine Aufklärungskampagne des Pharmaunternehmens Lilly betonte im September 2026, dass laut der Lancet-Kommission bis zu 45 % der Demenzfälle durch die Beeinflussung von 14 Risikofaktoren potenziell vermeidbar wären.

In der medikamentösen Therapie kommen seit Oktober 2025 beziehungsweise Januar 2026 in Österreich vermehrt Antikörper-Therapien wie Lecanemab und Donanemab zum Einsatz. Rund 150 Patienten wurden dort bereits behandelt, wobei laut klinischen Berichten weniger Nebenwirkungen auftraten als in den vorangegangenen Zulassungsstudien. Die bisher längsten Behandlungszyklen belaufen sich auf zehn Monate.

Zusätzlich liefert die Forschung Hinweise auf den Nutzen bereits etablierter Medikamente. Eine Registerstudie des Karolinska-Instituts mit über 7.300 Patienten untersuchte die Wirkung von modernen Blutverdünnern (DOAKs) bei Patienten mit Vorhofflimmern und Alzheimer. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Wirkstoffe den kognitiven Verfall messbar verlangsamen können, was den Betroffenen mehr Monate in einem stabilen Zustand ermöglicht.

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de | wissenschaft | 70054007 |