Geflüchtete-Versorgung, Wartezeit

Geflüchtete-Versorgung: 8 Monate Wartezeit, nur 4% erhalten Therapie

18.06.2026 - 20:21:48 | boerse-global.de

Ein Bericht zeigt: Nur vier Prozent der Geflüchteten mit Hilfebedarf erhalten eine Therapie. Wartezeiten von acht Monaten sind die Regel.

Psychotherapie für Geflüchtete: Unterfinanzierung und lange Wartezeiten
Geflüchtete-Versorgung - Eine einzelne Person sitzt in einem spärlich beleuchteten Raum, den Kopf gesenkt, was Isolation und Verzweiflung darstellt. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt ein aktueller Bericht der psychosozialen Zentren (PSZ) aus dem Jahr 2025.

Nur rund 30.000 Geflüchtete erhielten demnach in den 50 spezialisierten Einrichtungen eine Therapie. Das sind weniger als vier Prozent der Menschen mit vermutetem Hilfebedarf. Die Wartezeit beträgt im Durchschnitt fast acht Monate.

Jeder Dritte leidet unter PTBS

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Die medizinische Relevanz ist enorm: Schätzungen zufolge leidet jeder dritte Geflüchtete unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Besonders in ländlichen Regionen fehlen Behandlungsangebote.

In Sachsen-Anhalt etwa gibt es nur drei Standorte des PSZ – in Halle, Magdeburg und Stendal. Staatssekretärin Susi Möbbeck überreichte im Juni 2026 Förderbescheide über 510.000 Euro, verwies aber gleichzeitig auf den Fachkräftemangel.

Finanzielle Hürden erschweren den Zugang

Die Finanzierung der Hilfsangebote steht auf wackligen Beinen. Neben Landesmitteln fließen Gelder aus dem EU-Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds über das BAMF. Kritiker bemängeln das Fehlen einer dauerhaften gesetzlichen Basis.

Hinzu kommen rechtliche Barrieren: Geflüchtete sind in den ersten drei Jahren weitgehend von regulären Leistungen ausgeschlossen. Ausnahme: Geflüchtete aus der Ukraine haben seit Juni 2022 unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine elektronische Gesundheitskarte.

Auch lokale Notfallmechanismen stoßen an Grenzen. In Hamburg war Mitte Juni 2026 ein Notfallfonds für nicht versicherte Geflüchtete und Obdachlose vollständig aufgebraucht – trotz Nachbewilligung reichten die 500.000 Euro nicht.

Kinder und Jugendliche besonders betroffen

Minderjährige Geflüchtete sind besonders vulnerabel. Daten der SOS-Kinderdörfer zeigen: Rund ein Drittel der weltweit geflüchteten Kinder leidet unter Depressionen oder PTBS.

In Deutschland beträgt die Wartezeit auf eine Akutbehandlung für Kinder und Jugendliche im Mittel 41 Tage. Mehr als die Hälfte wartet länger als zwei Wochen. Die Unterbringung in überfüllten Unterkünften stellt laut Hilfsorganisationen ein zusätzliches Risiko dar. Zudem besucht weniger als die Hälfte der geflüchteten Kinder im Schulalter tatsächlich eine Schule.

Honorarkürzungen und geplante Budgetierung

Die Branche blickt mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung. Seit April 2026 sind die Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent gesenkt. Ab Januar 2027 droht eine weitere Budgetierung.

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Therapeuten warnen: Das könnte dazu führen, dass ein erheblicher Teil der wöchentlichen Therapiesitzungen wegfällt – bei ohnehin langen Wartezeiten.

Parallel steht die staatliche Förderung der unabhängigen Asylverfahrensberatung zur Disposition. Der Sächsische Flüchtlingsrat startete im Juni 2026 eine Spendenkampagne, da das Bundesinnenministerium ein mögliches Ende der Finanzierung ab Anfang 2027 prüft.

Fachleute und Hilfsorganisationen fordern eine langfristige gesetzliche Absicherung der Finanzierung, einen uneingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem für alle Geflüchteten sowie einen Rechtsanspruch auf qualifizierte Sprachmittlung.

de | wissenschaft | 69575667 |