Gefäßschutz: Forscher programmieren Fettgewebe gegen Diabetes um
19.06.2026 - 23:27:47 | boerse-global.de
Stattdessen programmiert sie Gewebe auf Zellebene um – und eröffnet damit völlig neue Wege gegen Gefäßschäden bei Diabetes und Adipositas.
Fettgewebe neu programmiert
Ein Team der Universität Zürich um Francesco Paneni hat einen Mechanismus gefunden, der die schädigenden Einflüsse von Übergewicht und Diabetes auf Blutgefäße begrenzen könnte. Die Studie, veröffentlicht Anfang Juni in Cell Reports, konzentriert sich auf das perivaskuläre Fettgewebe (PVAT), das die Gefäße umgibt.
Bei Gesunden unterstützt dieses Gewebe die Gefäßfunktion. Bei Patienten mit Adipositas oder Diabetes hingegen fördert es Entzündungen und beeinträchtigt die Gefäßentspannung. Die Forscher zeigten: Bestimmte BET-Protein-Inhibitoren – insbesondere der Wirkstoff RVX-208 – können die Genaktivität in diesem Fettgewebe umprogrammieren.
Während die Forschung an neuen Wirkstoffen arbeitet, können Typ-2-Diabetiker ihren Blutzucker bereits heute durch gezielte Bewegung positiv beeinflussen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 7 einfache 3-Minuten-Übungen, die Ihre Werte auf natürlichem Weg verbessern können. 7 Diabetes-Übungen mit Sofortwirkung kostenlos herunterladen
Tests an Mäusen und menschlichem Gewebe von 27 adipösen Patienten mit Bluthochdruck identifizierten das Enzym Hexokinase 2 (HK2) als entscheidenden Faktor. Eine Hemmung der BET-Proteine reduzierte Entzündungsreaktionen und verbesserte die Gefäßentspannung. Der Ansatz stabilisiert frühzeitig die Kommunikation zwischen Fettgewebe und Gefäßwand – statt erst die Folgeschäden zu behandeln.
Gegen die Verkalkung
Auch direkte Mechanismen der Gefäßveränderung rücken in den Fokus. Eine am 18. Juni in Scientific Reports veröffentlichte Studie befasst sich mit der Calcifizierung von Blutgefäßen. Forscher beobachteten an Mausmodellen, dass der Wirkstoff Upacicalcet die Verkalkung von Elastin in der Aorta unterdrücken kann.
Durch die Senkung von Serum-Kalzium, Phosphat und Parathormon bleibt die strukturelle Integrität der elastischen Gefäßwände erhalten. Das könnte einen Schutz vor fortschreitender Atherosklerose bieten.
Gefäßveränderungen und Bluthochdruck sind eng miteinander verknüpft und erfordern oft lebensbegleitende Maßnahmen. Wie Sie Ihre Blutwerte durch 8 gezielte natürliche Methoden auch ohne zusätzliche Medikamente stabilisieren können, erfahren Sie in diesem Gratis-Report. 8 Maßnahmen gegen Bluthochdruck jetzt gratis sichern
Parallel dazu liefert die RNA-basierte Forschung neue Erkenntnisse. Eine 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Phase-2-Studie untersuchte CDR132L – ein Antisense-Oligonukleotid. Ziel: das krankhafte ventrikuläre Remodeling nach einem Herzinfarkt verhindern. Die Ergebnisse bei Patienten mit systolischer Dysfunktion zeigten nur eine tendenzielle Abschwächung des linksventrikulären Volumens gegenüber Placebo. Dennoch dienen die Daten als Basis für laufende Anschlussstudien.
60 Millionen Euro für die Forschung
Die Dringlichkeit neuer Therapien verdeutlichte die ESC Cardio-Oncology-Konferenz Mitte Juni in Wien. Am Beispiel Österreichs wurde klar: Jährlich treten rund 32.000 Herzinfarkte auf. Die Überlebenschancen bei rechtzeitiger Intervention mittels PCI-Methode sind hoch – doch die Langzeitfolgen metabolischer Vorschädigungen bleiben eine Herausforderung.
Um die Entwicklung neuer Therapien für kardiometabolische Erkrankungen zu beschleunigen, startete die Novo Nordisk Foundation am 19. Juni die Initiative „CardioMetabolic Bridge“. Das Budget: 60,2 Millionen Euro über sechs Jahre. Gefördert werden paneuropäische Forschungsprojekte.
Das BioInnovation Institute in Kopenhagen koordiniert den Aufbau von Laboren in London sowie weiteren Standorten in Italien und Deutschland. Ziel ist der Transfer von der Grundlagenforschung – etwa zu epigenetischen Signaturen – in die klinische Anwendung.
Umwelt hinterlässt Spuren im Erbgut
Ergänzt werden diese Ansätze durch Erkenntnisse zum langfristigen Einfluss von Umweltfaktoren auf das Epigenom. Eine im Fachmagazin Science veröffentlichte Studie an Primaten zeigte: Gravierende Stresserfahrungen hinterlassen koordinierte epigenetische Markierungen in verschiedenen Geweben.
Diese grundlegenden Erkenntnisse über DNA-Methylierungsprozesse stützen die These: Vaskuläre Gesundheit wird maßgeblich durch die dauerhafte Programmierung von Genaktivitäten bestimmt.
