Gefäßrobotik: 2,7 Millionen Euro für magnetgesteuerte Katheter
02.07.2026 - 23:43:08 | boerse-global.de
Das Universitätsklinikum Münster (UKM) hat den Startschuss für ein deutsch-niederländisches Forschungsprojekt gegeben, das die Behandlung verstopfter Arterien revolutionieren könnte. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben namens ORION entwickelt ein robotisches System speziell für chronische Gefäßverschlüsse (CTOs) – eine der häufigsten Todesursachen weltweit.
Gefördert wird das Projekt mit 2,7 Millionen Euro aus dem Interreg-VI-A-Programm. Der Hintergrund ist alarmierend: Chronische Gefäßverschlüsse sind jährlich für mehr als 100.000 Todesfälle und rund sechs Millionen Komplikationen weltweit verantwortlich.
Magnetgesteuerte Katheter durch verstopfte Adern
Das Konsortium vereint namhafte Partner aus Wissenschaft und Industrie: die Universität Münster, beemo, Benchmark Electronics, die FH Münster, Flux Robotics und die niederländische Saxion Hochschule. Ihr gemeinsames Ziel ist ein magnetisch gesteuerter Mikrokatheter, der mithilfe von Computertomografie-Daten und künstlicher Intelligenz durch komplexe Gefäßblockaden navigiert.
Die Technologie verspricht einen entscheidenden Fortschritt. Bislang scheitern Ärzte bei chronischen Verschlüssen oft an der präzisen Führung der Katheter – das neue System soll Abhilfe schaffen.
Klinische Studien erweitern Behandlungsmöglichkeiten
Parallel zur Robotik-Entwicklung schreitet auch die klinische Forschung voran. Die Medizinische Universität Graz hat den ersten Patienten für die DEEPER-CHALLENGE-Studie rekrutiert. Diese untersucht das frühe Gefäßverhalten nach Eingriffen am Unterschenkel mit einem neuartigen Stent-System in Kombination mit medikamentenbeschichteten Ballons. Geplant sind bis zu 40 Patienten mit chronisch lebensbedrohlicher Extremitätenischämie, insbesondere Diabetiker und Dialysepatienten.
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Ermutigende Langzeitdaten gibt es ebenfalls: Die DREI-JAHRES-ERGEBNISSE der DETOUR2-Studie, veröffentlicht im Journal of the Society for Cardiovascular Angiography & Interventions, zeigen eine Offenheitsrate von 58,2 Prozent und eine Amputationsfreiheit von 97,9 Prozent bei der Behandlung langer Oberschenkelarterien-Verschlüsse. An der Studie nahmen 202 Patienten in 32 Zentren weltweit teil.
Kapitalfluss in die Gefäßrobotik
Das Interesse an der Technologie ist groß – auch bei Investoren. Das 2017 gegründete Unternehmen RaysightMed sicherte sich kürzlich umgerechnet rund 13,8 Millionen US-Dollar in einer strategischen Finanzierungsrunde. Das Geld fließt in die Skalierung kardiovaskulärer Diagnostik und die Weiterentwicklung KI-gestützter Gefäßroboter.
Krankenhäuser setzen zunehmend auf Robotik
Die Investitionen in robotische Systeme nehmen weltweit zu. Niederländische Kliniken wie ZorgSaam und Adrz haben für rund zwei Millionen Euro Operationsroboter für komplexe Nierenkrebs-Eingriffe angeschafft – mit dem Ziel, Krankenhausaufenthalte zu verkürzen. In Indien hob das Manipal Hospital Kolkata hervor, dass seine Chirurgen innerhalb von zwei Jahren 1.500 robotische Knieoperationen durchgeführt haben. Auch in Deutschland setzt das Helios Park-Klinikum in Leipzig auf modernste 3D-HD-Robotertechnik für Bypass-Operationen und Bauchengriffe.
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Die Entwicklung zeigt: Die robotergestützte Gefäßmedizin steht vor einem Durchbruch – und Münster spielt dabei eine zentrale Rolle.
