Gefälschte, Banknummern

Gefälschte Banknummern: Betrüger täuschten sogar mit 110 und 112

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 17:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden schalteten Server und Konten ab; zwei Verdächtige wurden in Serbien festgenommen, weitere Ermittlungen laufen.

Telefonbetrug: Ermittler zerschlagen VoIP-Netzwerk mit 18.000 Fällen
Dunkle, moderne Serverräume in einer industriellen Umgebung mit metallischen Servergestellen. Illustration mit AI erstellt.

Europäische Strafverfolgungsbehörden haben eine großangelegte Infrastruktur für Telefonbetrug zerschlagen, über die manipulierte Telefonnummern von Banken und Behörden vorgetäuscht wurden. An dem gemeinsamen Schlag waren die Staatsanwaltschaft Berlin, das Landeskriminalamt Berlin, serbische Behörden sowie das Hessische Landeskriminalamt beteiligt.

Im Zuge von Durchsuchungen in Serbien, Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden zwei Männer im Alter von 26 und 27 Jahren in Serbien festgenommen. Eine Überstellung der Beschuldigten nach Deutschland ist vorgesehen.

Gegen fünf Hauptbeschuldigte im Alter von 23 bis 41 Jahren richtet sich der Vorwurf der Beihilfe zum Computerbetrug in mehr als 18.000 Fällen. Sie stehen im dringenden Verdacht, Voice-over-IP-Dienste bereitgestellt zu haben, die Kriminellen gezielt für betrügerische Anrufe dienten.

Nach Angaben der Ermittler handelte es sich mutmaßlich um den größten Anbieter dieser Art im deutschsprachigen Raum. Mit den Diensten sollen Einnahmen von mehr als 1,6 Mio. Euro erzielt worden sein.

Notrufnummern auf Smartphone-Displays gefälscht

Die Täter nutzten die Technik des sogenannten Call-ID-Spoofings. Damit lässt sich auf den Displays der angerufenen Telefone eine frei gewählte Kennung anzeigen, um Vertrauen zu erwecken.

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Laut den Ermittlern wurden den Opfern unter anderem echte Banknummern und mitunter sogar die Notrufnummern 110 oder 112 angezeigt. Über die Infrastruktur seien insgesamt mindestens 600.000 Anwahlversuche erfolgt. In 70 Fällen konnten die Behörden bislang konkrete Schäden von zusammen rund 764.000 Euro nachweisen.

Im Rahmen des Einsatzes wurden zugehörige Domains, Server und Telegram-Accounts beschlagnahmt und abgeschaltet. Die Ermittlungen zu dem Netzwerk liefen bereits seit Anfang 2025, teils wird der Beginn auf Februar 2025 datiert.

Razzien in mehreren Bundesländern und Festnahmen in Serbien

Der Zugriff erfolgte länderübergreifend. In Serbien vollstreckten die dortigen Behörden gemeinsam mit der Berliner Polizei drei Durchsuchungsbeschlüsse gegen Personen im Alter von 25, 26 und 27 Jahren. Neben den Festnahmen der beiden Männer wurde eine 25-jährige Frau vernommen.

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Die Ermittler planen nun ein formelles Auslieferungsgesuch an Serbien. Parallel dazu durchsuchten Berliner Einsatzkräfte Wohnungen eines 23-Jährigen und eines 41-Jährigen in Berlin-Charlottenburg. Zeitgleich gerieten 14 weitere Beschuldigte in Nordrhein-Westfalen ins Visier der Fahnder.

Bereits am 13. Oktober 2026 vollstreckten das Hessische Landeskriminalamt sowie die Polizeipräsidien Nordhessen und Südosthessen drei Durchsuchungsbeschlüsse in vier Wohn- und Geschäftsräumen.

Diese Einsätze betrafen Objekte in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Rheingau-Taunus, dem Rhein-Lahn-Kreis sowie Offenbach. Dabei richteten sich die Maßnahmen gegen drei hessische Beschuldigte im Alter von 21 bis 23 Jahren, denen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Computerbetrug vorgeworfen wird. Die Beamten stellten Mobiltelefone, Computer und digitale Speichermedien sicher.

Auslöser dieses hessischen Verfahrensstrangs war ein Fall, bei dem sich eine Betrügerin am Telefon als Bankmitarbeiterin ausgegeben und ein Opfer zur Herausgabe von Transaktionsnummern (TAN) für das Onlinebanking gebracht hatte. Das hessische LKA unterstützte damit das Verfahren aus Berlin, in dessen Rahmen insgesamt 35 Durchsuchungsbeschlüsse gegen Beschuldigte im Alter von 21 bis 41 Jahren vorlagen. Über den inkriminierten Dienst waren monatlich rund 100.000 Anrufversuche mit manipulierten Rufnummern möglich gewesen.

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