Gedächtnis-App, Smartphone-Tests

Gedächtnis-App: Smartphone-Tests erkennen Demenz-Vorboten schneller

12.06.2026 - 01:39:20 | boerse-global.de

Eine DZNE-Studie belegt: Regelmäßige App-Tests entdecken kognitive Verschlechterungen deutlich schneller als jährliche Untersuchungen.

Smartphone-App erkennt Gedächtnisverfall früher als Kliniktests
Gedächtnis-App - Hände einer älteren Person halten ein Smartphone mit einer Gehirn-App, die digitale Demenz-Früherkennung symbolisiert. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt: Regelmäßige Gedächtnistests per Smartphone-App erkennen kognitive Verschlechterungen deutlich schneller als herkömmliche jährliche Untersuchungen in der Klinik.

App erkennt subtile Veränderungen

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Die im Juni in npj Digital Medicine veröffentlichte Studie untersuchte 202 Teilnehmer zwischen 52 und 85 Jahren. 50 von ihnen hatten bereits die Diagnose „leichte kognitive Beeinträchtigung" (MCI) – oft eine Vorstufe der Demenz.

Über sieben bis zwölf Monate absolvierten die Probanden alle zwei Wochen Tests über die App neotivTrials. Das Ergebnis: Die hohe Testfrequenz erfasst subtile Verschlechterungen der Gedächtnisleistung, die bei jährlichen Klinikbesuchen schlichtweg untergehen.

Besonders bemerkenswert: Nach 30 Wochen lag die Durchhaltequote bei 73 Prozent. Die Stichprobe bestand zwar aus technikaffinen und motivierten Personen – doch die Bereitschaft zur Langzeitnutzung ist vielversprechend.

Digitale Biomarker halten Klinikvergleich stand

Die per App gewonnenen Daten stimmen mit klinischen Langzeitdaten aus acht Jahren überein. Das validiert die Kurzzeitergebnisse und unterstreicht das Potenzial für die Forschung.

Experten erwarten, dass solche engmaschigen Messreihen klinische Studien zu Alzheimer-Medikamenten massiv beschleunigen könnten. Statt jahrelang auf Veränderungen zu warten, ließen sich Wirksamkeit oder Verschlechterung in Wochen messen.

Die Forscher planen bereits den nächsten Schritt: die App in noch früheren Krankheitsphasen einzusetzen – bevor überhaupt eine leichte kognitive Beeinträchtigung diagnostiziert wird. Gefördert wurde die Arbeit unter anderem von der Alzheimer Forschung Initiative.

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Vor-Ort-Diagnostik bleibt wichtig

Parallel zur digitalen Entwicklung setzen regionale Initiativen weiter auf niederschwellige Tests. In Bayern sind für diesen Sommer mehrere Aktionen geplant:

Das Gesundheitsamt Landshut bietet am 2. Juli 2026 in Kooperation mit digiDEM Bayern einen Screeningtag für Menschen ab 65 Jahren an. Das Fachkrankenhaus Pfarrkirchner veranstaltet am 19. Juni 2026 einen Informationstag mit Gedächtnistests und Fachvorträgen.

Experimentelle Ansätze im Blick

Neben digitaler Früherkennung forscht die Wissenschaft auch an ungewöhnlichen Therapieansätzen. Ein Fallbericht in Frontiers in Neuroscience beschreibt eine 80-jährige Alzheimer-Patientin, bei der nach Einnahme psilocybinhaltiger Substanzen vorübergehend kognitive und motorische Verbesserungen auftraten.

Die Autoren betonen: Es handelt sich um einen Einzelfall ohne Aussagekraft einer kontrollierten Studie. Dennoch verweisen sie auf die mögliche Rolle von Serotoninrezeptoren bei der Förderung der Gehirnplastizität. Ein weiterer Puzzlestein in der intensivierten Forschung – die sowohl auf innovative Früherkennung als auch auf neue therapeutische Impulse setzt.

de | wissenschaft | 69523563 |