Geburtenrate, Tiefstand

Geburtenrate auf Tiefstand: Deutschland schrumpft um 25 Prozent

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Rostocker Studie erwartet ohne Zuzug binnen 50 Jahren 25 Prozent weniger Einwohner. Zugleich sinken Kinderwunsch und Geburtenrate.

Deutschland schrumpft trotz höherer Geburtenrate ohne Zuwanderung
Ein verlassener Spielplatz in einem deutschen Park im Spätherbst mit kahlen Bäumen und herbstlichem Laub. Illustration mit AI erstellt.

Deutschlands Bevölkerung würde selbst dann deutlich schrumpfen, wenn die Geburtenrate sofort auf ein bestandserhaltendes Niveau steigen würde. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Rostocker Zentrums zur demografischen Forschung: Ohne Zuwanderung würde die Einwohnerzahl in den kommenden 50 Jahren um rund 25 Prozent zurückgehen.

Verantwortlich dafür sei die sogenannte demografische Trägheit, wie der Rostocker Forscher Roland Rau erläuterte – ein Effekt, der entsteht, weil die heutige Bevölkerungsstruktur bereits über Jahrzehnte hinweg zu wenige potenzielle Elternteile hervorbringt, selbst wenn diese im Schnitt wieder mehr Kinder bekämen.

Kinderwunsch sinkt erstmals seit 2021

Parallel dazu zeigt eine aktuelle Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), dass sich auch der Kinderwunsch der Menschen in Deutschland verändert.

Die auf rund 30.000 Befragten basierende FReDA-Studie ergab, dass der gewünschte Kinderwunsch erstmals seit 2021 gesunken ist: Frauen geben im Schnitt 1,7 Kinder an, Männer 1,6. Als ideal betrachten die Befragten laut BiB allerdings weiterhin eine höhere Zahl von 2,2 Kindern.

Auffällig ist zudem, dass 92 Prozent der Frauen und 93 Prozent der Männer ein Leben mit Kindern grundsätzlich für erstrebenswert halten – der Wunsch nach Nachwuchs bleibt also hoch, wird aber offenbar zunehmend seltener in die Tat umgesetzt oder auf später verschoben.

Geburtenrate auf neuem Tiefstand

Die tatsächliche Geburtenrate in Deutschland lag laut BiB im Jahr 2025 bei 1,32 Kindern pro Frau, ein Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich ein länger andauernder Abwärtstrend fort: 2021 hatte der Wert noch bei 1,58 gelegen.

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Für 2024 nennen unterschiedliche Quellen abweichende Werte zwischen 1,32 und 1,35. Auch auf europäischer Ebene ist die Entwicklung rückläufig: Die Geburtenrate in der EU sank von 1,53 im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2024 – den niedrigsten Stand seit Gründung der Europäischen Union.

Krisen und Wohnungsnot als Bremsen

Als einen zentralen Grund für den gebremsten Kinderwunsch identifiziert das BiB die Verunsicherung durch globale Krisen. 85 Prozent der Befragten nannten militärische Konflikte als große Sorge, dazu kommen Ängste vor einer Schwächung der Demokratie und dem Klimawandel.

Laut BiB senken ausgeprägte Zukunftssorgen den Kinderwunsch um 10 Prozent. Martin Bujard vom BiB erklärte, die Verunsicherung durch Krisen führe dazu, dass Kinderwünsche aufgeschoben würden.

Auch die Wohnsituation spielt eine erhebliche Rolle: Mehr als 70 Prozent der Befragten zeigten sich mit dem verfügbaren Wohnungsangebot unzufrieden, nur zwischen 22 und 29 Prozent äußerten sich zufrieden. Umgekehrt erhöht Zufriedenheit mit Wohnung und Job die Absicht, Kinder zu bekommen, laut BiB um 5 Prozent. Regionale Unterschiede bestehen ebenfalls: Im Osten Deutschlands ist der Kinderwunsch dem BiB zufolge geringer ausgeprägt als im Westen.

Was die Zahlen für die Zukunft bedeuten

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Die Kombination aus sinkender Geburtenrate, wachsender Verunsicherung und angespanntem Wohnungsmarkt zeichnet ein Bild, das die Ergebnisse des Rostocker Zentrums untermauert: Selbst optimistische Szenarien einer steigenden Geburtenrate würden den demografischen Wandel in Deutschland kaum aufhalten.

Die strukturelle Trägheit der Bevölkerungsentwicklung bedeutet, dass heutige politische oder gesellschaftliche Maßnahmen erst mit erheblicher Verzögerung Wirkung zeigen würden – während der Rückgang der Bevölkerungszahl ohne Zuwanderung nach den Rostocker Berechnungen bereits mittelfristig programmiert scheint.

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