Gealtertes Gehirn: Alzheimer-Risiko laut Studie mehr als dreifach erhöht
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas kalendarische Alter eines Menschen stimmt nicht zwingend mit dem Zustand seiner inneren Organe überein. Eine in der Fachzeitschrift Nature Medicine erschienene Untersuchung zeigt, dass Profile von Proteinen im Blut Aufschluss über das biologische Alter spezifischer Organsysteme geben können.
Die Forschenden analysierten dafür Blutproben von knapp 45.000 Teilnehmenden im Alter zwischen 40 und 70 Jahren aus der britischen Datenbank UK Biobank.
Bei rund einem Drittel der untersuchten Personen erwies sich mindestens ein Organ als biologisch deutlich älter oder jünger als statistisch erwartet. Diese Abweichung stellte sich als stärkerer Prädiktor für künftige Krankheiten heraus als das reine Lebensalter.
Deutliche Zusammenhänge mit Erkrankungsrisiken
Die Auswertung der Daten offenbarte erhebliche Unterschiede je nach betroffener Körperregion. Zeigte die Analyse ein extrem gealtertes Gehirn, ging dies mit einem über dreifach erhöhten Risiko für Alzheimer sowie einer um 182 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für einen Tod jeglicher Ursache über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren einher.
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Ähnliche Korrelationen zeigten sich für andere Organsysteme. Ein biologisch gealtertes Herz beziehungsweise eine gealterte Lunge standen in Verbindung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Herzinsuffizienz oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD. Wiesen die Muskelzellen ein beschleunigtes Alterungsprofil auf, war die Inzidenz für die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) um fast das 13-Fache erhöht.
Bestimmte Proteine korrelieren mit Sterblichkeit
Ergänzende Erkenntnisse zu molekularen Biomarkern lieferte eine weitere wissenschaftliche Arbeit unter Beteiligung des Albert Einstein College of Medicine, die im Fachjournal Geromedicine erschien.
Ein Forschungsteam untersuchte 4.265 Plasmaproteine bei 1.025 älteren Erwachsenen aus der LonGenity-Studie, die im Schnitt über einen Zeitraum von 8,05 Jahren begleitet wurden. Die Ergebnisse wurden an einer unabhängigen Gruppe von 1.124 Teilnehmenden der Baltimore Longitudinal Study of Aging überprüft.
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Die Forschenden identifizierten 17 Plasmaproteine, die signifikant mit der Gesamtsterblichkeit verknüpft waren. Höhere Konzentrationen der Proteine ERBB1 und ANTXR2 gingen mit einem verringerten Sterberisiko und einem biologisch jüngeren Zustand mehrerer Organsysteme einher; ERBB1 zeigte diesen Effekt besonders deutlich bei der Leber.
Im Gegensatz dazu standen erhöhte Werte der Proteine MIC-1/GDF15, HE4 und IGFBP-2 in Verbindung mit einem gesteigerten Sterberisiko sowie einem höheren biologischen Alter verschiedener Organe. Hohe Spiegel von MIC-1/GDF15 korrelierten zudem mit einem gealterten Zustand des Gesamtorganismus.
Noch kein Diagnosewerkzeug für die Praxis
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die beteiligten Arbeitsgruppen methodische Einschränkungen. Das Verfahren, das im Rahmen einer sogenannten Proteom-Uhr Proteine des Blutplasmas zur Altersabschätzung von elf Organsystemen und Geweben heranzieht, liefert weder eine medizinische Diagnose noch eine verlässliche Festlegung der Lebenserwartung.
Zudem belegen die beobachteten Korrelationen keine Kausalität: Ob die Proteine den Alterungsprozess aktiv vorantreiben oder lediglich dessen Begleiterscheinung sind, bleibt unklar. So ließ sich beispielsweise eine Vorhersage einer Parkinson-Erkrankung oder deren Verlauf anhand der Proteom-Uhr nicht bestätigen.
Auch bezog sich die Nature-Medicine-Studie ausschließlich auf eine Alterskohorte von 40 bis 70 Jahren innerhalb des Vereinigten Königreichs. Vor einem möglichen Einsatz im klinischen Alltag müssen Messgenauigkeit und praktischer Nutzen in weiteren Untersuchungen überprüft werden.
