Gasteiner, Heilstollen

Gasteiner Heilstollen: Höhlentherapie lindert Schmerzen bis ein Jahr

04.06.2026 - 00:48:25 | boerse-global.de

Die Gasteiner Heilstollen locken mit Radon-Dampf und Überwärme. Gleichzeitig steckt die deutsche Schmerzmedizin in einer tiefen Krise.

Gasteiner Heilstollen: Höhlentherapie lindert Schmerzen bis ein Jahr - Bild: über boerse-global.de
Gasteiner Heilstollen: Höhlentherapie lindert Schmerzen bis ein Jahr - Bild: über boerse-global.de

Rund 2,5 Kilometer Stollen, Temperaturen bis 41,5 Grad und Radon-Dampf: Die Gasteiner Heilstollen gelten als eine der ungewöhnlichsten Therapieformen Europas. Das ehemalige Goldbergwerk im Salzburger Land lockt jedes Jahr Tausende Schmerzpatienten an – und das mit beachtlichem Erfolg.

Die Kombination aus Überwärme und Radon-Einwirkung soll bei chronischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew, Rheuma, Arthrose, Fibromyalgie, Asthma und Schuppenflechte helfen. Die Patienten verbringen dafür 50 Minuten im Stolleninneren, wo die Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 100 Prozent liegt.

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Therapie mit Langzeitwirkung

Die Wurzeln dieser Behandlung reichen bis in die 1940er Jahre zurück, als Bergleute auf radonhaltigen Dampf stießen. Heute belegen Studien: Die Therapie kann den Schmerzmittelbedarf für bis zu ein Jahr reduzieren. Für die Saison 2026 ist der Stollen vom 12. Januar bis 20. November geöffnet, mit Schließtagen am 4. Juni und 26. Oktober.

Doch die Nachfrage nach solchen Alternativmethoden kommt nicht von ungefähr. Das deutsche Schmerzversorgungssystem steht massiv unter Druck.

Krise in der Schmerzmedizin

Erst Anfang Juni 2026 schlug die Deutsche Schmerzgesellschaft Alarm: Rund 22 Prozent der spezialisierten Schmerzbehandlungszentren sind von der Schließung bedroht. „Die Kostendruck-Spirale dreht sich immer schneller", warnte Präsident Frank Petzke. Betroffen sind Einrichtungen, die für 44 Prozent aller chronischen Schmerzfälle zuständig sind.

Die Folge: Millionen Patienten warten oft Jahre auf eine adäquate Behandlung. Pflegenotstand und fehlende Versorgungsstrukturen in der Krankenhausreform verschärfen die Lage zusätzlich.

Höhlenklima als Medizin

Die Gasteiner Heilstollen sind kein Einzelfall. Weltweit gewinnt die Speläotherapie – Behandlung in Höhlen und Stollen – an Bedeutung. Forscher der Uni Aalen untersuchten den „Tiefen Stollen" und fanden: Das allergenfreie Klima mit über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit wirkt wie eine Sinnesentlastung und kann Stress reduzieren sowie die Schlafqualität verbessern.

Auch die Höhenluft der Alpen steht im Fokus der Wissenschaft. Die Paracelsus Universität belegt positive Effekte auf Immunsystem und Stressregulation – ein Grund, warum Österreichs 530 Schutzhütten nicht nur bei Wanderern beliebt sind.

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Neue Angebote für die Atemwege

Erst Anfang Juni 2026 eröffnete in Bad Nauheim die „Salzflora" – eine Einrichtung für Salzinhalation und Sole-Vernebelung. Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen und verspricht Linderung bei Atemwegserkrankungen.

Pharmaforschung: Neue Hoffnung aus den USA

Während natürliche Therapien auf Umweltfaktoren setzen, macht die Pharmaforschung einen überraschenden Schritt. Eine große US-Studie mit Daten von 2010 bis 2024 zeigt: GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid könnten das Risiko von Kniegelenkersatz bei Arthrose-Patienten senken. Die Forscher vermuten entzündungshemmende und knorpelschützende Effekte – unabhängig von der Gewichtsabnahme.

Multimodalität bleibt der Schlüssel

Professorin Sabine Sator von der MedUni Wien betont: „Auch bei komplexen Fällen müssen Patienten alle zugelassenen Optionen ausschöpfen." Dazu zählen spezielle Medikamente wie Sativex oder Baclofen-Pumpen. Die Botschaft der Expertin: Alternative Methoden wie die Gasteiner Heilstollen sind wertvoll – aber nur als Teil eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts.

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