Gartentherapie: Wie Lavendel und Kräuter Demenzkranken helfen
04.06.2026 - 03:51:45 | boerse-global.deImmer mehr Institutionen in Deutschland und Österreich investieren in sogenannte „Grüne Klassenzimmer" und therapeutische Gartenanlagen. Die Projekte verbinden Umweltbildung mit Gesundheitsförderung – und das auf höchst unterschiedliche Weise.
„Blaue Klassenzimmer" erobern das Ruhrgebiet
Ein besonders ambitioniertes Vorhaben läuft in der Emscher-Lippe-Region. Die Emschergenossenschaft und der Lippeverband (EGLV) haben gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen ein Exkursionsprogramm mit 13 „Blauen Klassenzimmern" aufgebaut. Die Lernorte liegen an renaturierten Gewässern in Städten wie Gladbeck, Essen, Dortmund und Gelsenkirchen. Zehn speziell entwickelte Lernmodule richten sich an Grundschulen, weiterführende Schulen und Berufskollegs. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer Standort am Dattelner Mühlenbach eröffnet werden.
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Auch auf kommunaler Ebene tut sich etwas. In Heusenstamm verwandelt die Kita „Jona" ihr Außengelände in einen „Forschergarten" – mit Sinnesstationen und Kletterbereichen. Die Gesamtinvestition liegt bei über 300.000 Euro, das Hessische Umweltministerium fördert das Projekt mit 143.600 Euro. Fertigstellung: Ende August 2026.
Damit die neuen Freiluft-Klassenzimmer auch genutzt werden können, liefern Verlage passende Unterrichtsmaterialien. Der Auer Verlag hat eine Reihe für Ganztagsgrundschulen aufgelegt: „Auf dem Schulhof und Co." bietet strukturierte Stundenentwürfe für Mathe, Deutsch und Sachkunde – speziell für den Unterricht im Freien.
Gärten als Therapie: Von Lavendel bis Räucherkräuter
Doch die grüne Welle schwappt längst über den Schulhof hinaus. In Reichling zeigten Fachleute kürzlich, wie Gartentherapie bei Demenzkranken wirken kann. Die Therapeutinnen Ruth Wetzel und Angelika Ulrich erklärten, wie Lavendel die Gesundheit fördert und bestimmte Kräuter Erinnerungen wecken können. Rainer Engler von der Blumenschule Schongau ergänzte, wie Salbei, Beifuß und Wacholder in traditionellen Räucherritualen zum Einsatz kommen.
Barrierefreiheit steht im Mittelpunkt eines neuen Gartens im Vogtland. Am 31. Mai 2026 eröffnete das Freilichtmuseum Eubabrunn einen inklusiven „Bauerngarten". Die Anlage folgt der historischen „Klannet"-Gartentradition und bietet Hochbeete mit Beschreibungen in leichter Sprache – entstanden in Zusammenarbeit mit Schülern und Medienpädagogen.
Selbst die Hochschulen ziehen mit: Die TU Berlin verteilte am 3. Juni 2026 rund 1.800 Rucola- und Erbsenpflanzen im Rahmen ihres „Wissensgartens". Bereits im April erreichte eine ähnliche Aktion rund 2.000 Menschen. Für den Spätsommer sind Rosmarin-Pflanzen geplant.
Biodiversität zum Anfassen: Schüler werden zu Imkern und Forschern
Wie wichtig der direkte Kontakt mit der Natur ist, zeigt ein Projekt in Neu-Anspach. Anfang Juni 2026 nahmen 185 Schüler der Adolf-Reichwein-Schule an einem Waldtag teil – unterstützt vom BUND und örtlichen Jägern. Sie untersuchten Böden, Tiere und den Wald als Ökosystem. Hintergrund: Pädagogen beobachten, dass Kinder immer seltener in den Wald kommen.
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Der Schutz von Bestäubern spielt in vielen Projekten eine zentrale Rolle:
- Geretsried: Schüler der Isardammschule betreuen zwei Bienenvölker unter professioneller Anleitung. Die Honigernte wird noch im Mai 2026 erwartet.
- Perchtoldsdorf: Über 300 Schüler nahmen am Programm „Wiesenerlebnis" im Begrischpark teil. Sie identifizierten bis zu 38 verschiedene Pflanzenarten pro Quadratmeter. Der Park ist seit 2020 Teil einer regionalen „Insektenautobahn".
- Altzella: Der Klosterpark bietet am 13. Juni 2026 spezielle Bienenführungen an. Höhepunkt der Saison: die große Blumen- und Gartenschau am 27. und 28. Juni 2026.
Im Wartburgkreis denken die Behörden sogar über ein Freizeitticket für Schüler nach. Für rund 16.500 Schüler soll ein Fünf-Euro-Monatsticket kommen – geplant für das Schuljahr 2026/27, sofern die letzten Genehmigungen erteilt werden.
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