Fünf Bürgerdienste digital: Thüringen startet Verwaltungs-Großprojekt
09.06.2026 - 08:30:12 | boerse-global.de
Am 8. Juni 2026 unterzeichneten Vertreter beider Regierungsebenen in Berlin einen Vertrag, der vorsieht, fünf zentrale Bürgerdienste bis März 2027 vollständig digital anzubieten.
Fünf Kernleistungen für die Bürger
Im Fokus der Vereinbarung stehen die Digitalisierung von Wohngeldanträgen, der An- und Ummeldung des Wohnsitzes, der Eheschließung, der Ausstellung von Schwerbehindertenausweisen sowie der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Unterzeichnet wurde der Vertrag von Thüringens Ministerpräsident Voigt, Digitalminister Schütz und Bundesdigitalminister Wildberger.
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Der Bund übernimmt dabei die strategische Steuerung der Projekte. Die in Thüringen gesammelten Erfahrungen und technischen Lösungen sollen als Blaupause für andere Bundesländer dienen. Das Ziel: einmal entwickeln, mehrfach nutzen.
Mehr als 200 Maßnahmen gegen Bürokratie
Die Thüringer Initiative ist Teil einer umfassenden Modernisierungsagenda von Bund und Ländern mit über 200 Einzelmaßnahmen. Bereits am 7. Juni 2026 traf sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst mit dem Bundeskabinett, um über einen Mentalitätswandel in der Verwaltung zu sprechen. Die Botschaft: Schluss mit der „Antragsmentalität", hin zu einem schnelleren, moderneren Staat.
Erste Erfolge gibt es schon: Bürger müssen ihren Wohnsitzwechsel nicht mehr im Pass eintragen lassen. Ein kleiner Schritt mit großer Signalwirkung, wie Wildberger betont.
Milliarden für Glasfaser und Mobilfunk
Ohne leistungsfähige Infrastruktur bleibt die Digitalisierung Stückwerk. Am 8. Juni 2026 unterzeichneten Bund, Länder, Kommunen und die Telekommunikationsbranche eine Absichtserklärung mit dem Titel „Bestes Netz für Deutschland". Die Industrie hat für 2026 Investitionen von 8,5 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau und 2,4 Milliarden Euro in den Mobilfunk zugesagt.
Parallel dazu treibt der Bund die DeutschlandID voran. Das System befindet sich 2026 in der Umbauphase und soll 2027 in die EUDI-Wallet integriert werden. Ab 2028 wird die digitale ID verpflichtend – und das „Once-Only-Prinzip" zum Rechtsanspruch. Bürger müssten dann Daten nur noch einmal einreichen, statt sie für jeden Antrag neu zu erfassen.
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Deutschland-App und digitale Souveränität
Der Bund entwickelt zudem eine „Deutschland-App" – ein mobiles Bürgeramt fürs Smartphone. Der Auftrag für den Prototypen ging an T-Systems und SAP, der Start ist für 2027 geplant.
Doch nicht alle setzen auf große Konzerne. Das Bayerische Digitalministerium plant einen eigenen, souveränen Arbeitsplatz für die Verwaltung – unabhängig von proprietärer Software. Die Modernisierungsagenda sieht vor, dass bis zum 31. März 2027 flächendeckend souveräne Alternativen zur Verfügung stehen.
Auch die soziale Dimension der Digitalisierung wird nicht vernachlässigt: Eine Expertenrunde zur Digitalisierung der Sozialstaatsreform hat am 20. Mai 2026 ihre Arbeit aufgenommen. Das Gremium tagt bis Ende 2027 monatlich, um Strategien für die Modernisierung des Sozialwesens zu erarbeiten.
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