Frustkäufe, Deutschen

Frustkäufe: 61 Prozent der Deutschen kaufen aus Frust ein

19.06.2026 - 15:12:46 | boerse-global.de

Neue Studien zeigen: Viele Deutsche kaufen emotional ein, obwohl sie gleichzeitig stärker auf ihre Ausgaben achten. Besonders Jüngere sind betroffen.

Frustkäufe trotz Sparzwang: Deutsche zwischen Konsum und Vernunft
Frustkäufe - Eine Hand hält eine Kreditkarte zögernd vor ein Bezahlterminal, im Hintergrund verschwommene Ladenregale. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt: Knapp zwei Drittel der Bundesbürger haben schon einmal aus Frust eingekauft. Gleichzeitig achten 81 Prozent verstärkt auf ihre Ausgaben. Ein Widerspruch? Eher die neue Normalität.

Frustkäufe: Junge Leute geben besonders viel aus

Die „Frustkauf-Studie 2026“ von CouponFollow und Appinio liefert überraschende Zahlen: 61,4 Prozent der Deutschen haben bereits Einkäufe getätigt, um negative Emotionen zu kompensieren. Besonders die junge Generation ist betroffen. Fast die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen (45,7 Prozent) kauft nach einem stressigen Tag aus Frust ein. Bei den über 55-Jährigen sind es nur 14,9 Prozent.

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Die finanziellen Folgen sind massiv: Jeder zehnte Befragte gab bei solchen Gelegenheiten mehr als 250 Euro aus. Millennials zwischen 25 und 34 Jahren liegen dabei an der Spitze. Eine Modellrechnung zeigt die Langzeitwirkung: Wer regelmäßig 40 Euro pro Woche für Impulskäufe ausgibt, kommt in 40 Jahren auf fast 77.000 Euro.

Sparen hat Priorität – vor allem bei Kleidung und Essen

Parallel zum emotionalen Konsum wächst die Sparsamkeit. Eine Umfrage von Kantar im Auftrag von Idealo unter mehr als 2.000 Befragten zeigt: 44 Prozent konsumieren insgesamt weniger als im Vorjahr. Die größten Sparbereiche sind Bekleidung und Accessoires sowie die Gastronomie – jeweils 52 Prozent der Befragten geben dort weniger aus.

Auch Freizeitaktivitäten leiden:
- 46 Prozent sparen bei Kinobesuchen
- 45 Prozent bei Konzerten und Clubs

Stattdessen setzen die Verbraucher auf clevere Strategien: 62 Prozent vergleichen Preise intensiver, 56 Prozent achten gezielt auf Sonderangebote, 48 Prozent nutzen Rabattcoupons und 44 Prozent greifen verstärkt zu Eigenmarken. Das gesparte Geld fließt vor allem in Rücklagen für den Urlaub und die Altersvorsorge.

Inflation und Online-Konkurrenz setzen den Handel unter Druck

Der Sparzwang hat handfeste Gründe. Die Nahrungsmittelpreise sind seit 2020 um 37 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt belegt. Eine BCG-Studie vom April 2026 zeigt: 64 Prozent der 1.800 Befragten bewerten die Wirtschaftslage als negativ. Für 74 Prozent sind Rabatte ein entscheidender Kaufgrund.

Die Folgen für den Einzelhandel sind dramatisch. Laut Ifo-Institut sieht sich jeder sechste Händler in seiner Existenz bedroht – ein Höchststand. Die Insolvenzzahlen in der Branche haben laut Allianz Trade ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Internationale Online-Plattformen wie Temu oder Shein entziehen dem deutschen Handel jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz, so Berechnungen von IW Consult.

Secondhand boomed – und Placebo-Shopping hilft beim Sparen

Eine Reaktion auf den Preisdruck ist der wachsende Gebrauchtwarenmarkt. 2025 erreichte der Secondhand-Umsatz in Deutschland 10,5 Milliarden Euro – ein Plus von 84 Prozent gegenüber 2019.

Noch ungewöhnlicher ist das Phänomen der Placebo-Webseiten. Plattformen wie „FoodNeverComes“ aus Südkorea simulieren den gesamten Shopping-Prozess – vom Auswählen der Produkte bis zum Warenkorb –, ohne dass eine Zahlung erfolgt. Ziel: den Kaufreiz befriedigen, ohne Geld auszugeben. Fachleute warnen jedoch vor möglichen Fake-Shops und Datenmissbrauch.

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Jugendliche: Social Media als Kauffalle

Besonders die junge Generation ist anfällig für Online-Konsum. Eine Studie von DAK und UKE zeigt: 47 Prozent der Jugendlichen werden durch Social-Media-Werbung auf Produkte aufmerksam, 40 Prozent durch Influencer. Ein Drittel der 10- bis 17-Jährigen gibt monatlich zwischen 10 und 20 Euro online aus, 12 Prozent sogar bis zu 100 Euro.

Die Studie identifizierte zudem erste Anzeichen von Kaufsucht: 1,3 Prozent der Mädchen und 1 Prozent der Jungen zeigen bereits problematisches Kaufverhalten. Die beliebtesten Kategorien: Kleidung und Elektronik.

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