Frühverrentung, Millionen

Frühverrentung: 1,1 Millionen Babyboomer verlassen Arbeitsmarkt

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 18:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

1,1 Millionen Babyboomer gingen 2024 vorzeitig in Rente. Eine Kommission empfiehlt nun schärfere Regeln und die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente.

Frühverrentung 2024: Babyboomer-Rekord und Reformpläne
Eine Hand legt eine Münze in ein Glasgefäß mit der Aufschrift „Rente“, umgeben von Finanzdokumenten und einem Taschenrechner. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rund 1,1 Millionen Babyboomer bezogen 2024 vorzeitig eine Altersrente – ein Plus von 200.000 im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Politik diskutiert über schärfere Regeln. Gleichzeitig suchen viele Arbeitnehmer nach privaten Lösungen für den frühen Ausstieg.

Der große Run auf die Rente

Die gesetzliche Altersgrenze steigt, die Praxis sieht anders aus. Seit 2012 hat sich das Regelrentenalter um zwölf Monate auf 66 Jahre erhöht. Das tatsächliche Zugangsalter stieg im selben Zeitraum nur um acht Monate.

Besonders krass ist die Lage bei den Jahrgängen 1957 und 1958: Mehr als jeder Zweite entschied sich für den vorzeitigen Renteneintritt. Insgesamt sind rund 6 von 19,3 Millionen Babyboomern bereits in Altersrente.

Ein Grund für den Boom: Seit 2023 fallen die Hinzuverdienstgrenzen weg. Die Folge: Immer mehr Frührentner arbeiten weiter. Bei Personen mit 45 Versicherungsjahren stieg der Anteil der Jobber von 18 auf 25 Prozent – binnen eines Jahres.

Kommission fordert radikale Reformen

Ende Juni 2026 übergab eine Rentenkommission ein Paket mit 33 Empfehlungen an die Politik. Der Knackpunkt: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren.

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Das Ziel der Experten ist klar: Die Frühverrentung soll auf maximal drei Jahre vor der Regelaltersgrenze begrenzt werden. Zudem schlagen sie vor, das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Das könnte die Altersgrenze bis 2041 auf 67,5 Jahre treiben.

Die Regierung signalisiert Zustimmung. Die Gewerkschaften kündigen bereits Widerstand an. Laut DIW könnte die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente den Staatshaushalt um jährlich zehn Milliarden Euro entlasten.

Frugalismus: Leben mit 1.400 Euro

Während die Politik streitet, suchen viele ihren eigenen Weg. Ein Beispiel aus München: Durch einen minimalen Lebensstil mit 1.400 Euro monatlichen Kosten will der Sparer schon mit 58 finanziell unabhängig sein.

Das Modell heißt Frugalismus – hohe Sparquote durch Verzicht. Ein Rentenberater nennt weitere Strategien: Sonderzahlungen in die Rentenversicherung ab 50, Nutzung von Wertguthaben oder die Kombination von Abfindung und Arbeitslosengeld in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn. Hier gelten allerdings rechtliche Sperrfristen.

Aktivrente: Steuerfrei weiterarbeiten

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Seit Anfang 2026 gibt es einen neuen Anreiz fürs Weiterarbeiten im Rentenalter. Die sogenannte Aktivrente macht Arbeitslohn bis 2.000 Euro steuerfrei. Die Idee: Wer trotz Rentenbezug arbeitet, soll entlastet werden.

Ob das den Trend zur Frührente bremst, ist fraglich. Derzeit spricht vieles dafür, dass die Babyboomer ihren eigenen Weg gehen – mit oder ohne Politik.

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