Früherkennung: Algorithmus erkennt Hypertonie in 5-Sekunden-Video mit 90% Genauigkeit
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Uniklinikum Freiburg hat mit der Initiative KONSENS ein Programm zur verbesserten Nachsorge von Patienten nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall etabliert. Die bereits im April 2026 gestartete Maßnahme setzt auf eine sektorübergreifende Betreuung und nutzt digitale Hilfsmittel, um die Sicherheit im Anschluss an die stationäre Behandlung zu erhöhen.
Wie das Klinikum im Rahmen des bevorstehenden Welttags der Patientinnensicherheit am 17. September 2026 mitteilte, haben sich bereits über 100 Patientinnen für das Programm angemeldet.
Digitale Überwachung der Vitalparameter
Im Zentrum der Initiative steht die digitale Plattform myoncare. Über diese Anwendung können die Teilnehmenden wichtige Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Puls und Gewicht eigenständig erfassen und an das medizinische Fachpersonal übermitteln.
Die Teilnahme an diesem digitalen Monitoring ist für die Patient*innen kostenlos. Ziel ist es, durch die kontinuierliche Übermittlung von Vitalwerten potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und die Kommunikation zwischen Klinik, niedergelassenen Ärzten und Betroffenen zu verbessern.
Ähnliche Ansätze zur technologischen Unterstützung finden sich auch in der internationalen Forschung. Auf der Tagung der European Society of Cardiology (ESC) in München präsentierten japanische Forscher einen Algorithmus, der Hypertonie und Diabetes mittels einer nur fünfsekündigen Videoaufnahme von Gesicht und Handflächen erkennen kann. Die Treffgenauigkeit liege laut den Experten für Bluthochdruck bei 90 Prozent und für Diabetes bei 80 Prozent.
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Effizienzsteigerung in der klinischen Dokumentation
Die Notwendigkeit digitaler Unterstützung wird auch durch aktuelle Daten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) unterstrichen. Demnach binde die Dokumentation rund ein Drittel der täglichen Arbeitszeit, was etwa drei Stunden pro Tag entspreche.
Bis zum Jahr 2030 gelte zudem fast jede zweite Klinik in Deutschland als insolvenzgefährdet. KI-gestützte Systeme könnten hier Abhilfe schaffen: Prognosen zufolge lasse sich die Primärdokumentation deutlich beschleunigen, während Arztbriefe zu über 80 Prozent automatisch vorausgefüllt werden könnten.
Im Bereich der Sepsis-Vorsorge werden ebenfalls verstärkt digitale Frühwarnsysteme eingesetzt. Während die Sepsis-Stiftung Deutschland für die Zeit vor der Pandemie jährlich etwa 140.000 sepsisbedingte Todesfälle verzeichnete, beziffert die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) die aktuelle Zahl auf jährlich etwa 85.000 Menschen, die an oder mit einer Sepsis sterben.
Am Uniklinikum Leipzig wird bereits ein System erprobt, bei dem eine Künstliche Intelligenz das Sepsis-Risiko auf Basis eines kleinen Blutbildes berechnet.
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Technologische Fortschritte in Diagnostik und Rehabilitation
Auch in spezialisierten Fachbereichen wie der Pathologie halten neue digitale Werkzeuge Einzug. Das Unternehmen Aignostics bietet mit PathoSearch eine visuelle Suchmaschine für pathologische Fälle an.
Die für Forschungszwecke konzipierte Datenbank umfasst über 310.000 Ganzobjektträgerbilder aus mehr als 35.000 Fällen. Dies ist besonders relevant, da seltene und komplexe Fälle bis zu 20 Prozent des Arbeitsaufkommens von Pathologen ausmachen können.
Im Bereich der Kardiotechnik meldete Intuitive Surgical für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 2,892 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Unternehmen Medtronic konnte zudem berichten, dass durch den Einsatz spezieller KI-gestützter Systeme die Erkennungsrate von Adenomen um 14,4 Prozent gesteigert und die Übersehungsrate halbiert wurde.
In China zeigt das Beispiel des Unternehmens Yide Health aus Nanjing, wie digitale Plattformen die Kapazitäten in der Rehabilitation erweitern können. Die Plattform Herz-Wächter werde dort bereits in 321 Krankenhäusern zur Betreuung von 150.000 Patienten genutzt.
Laut Unternehmensangaben könne ein Reha-Arzt durch die Plattformunterstützung statt acht nun 30 Patienten pro Tag betreuen, während die Rückfallrate kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 30 Prozent sinke.
