Frühe Menopause: Typ-2-Diabetes-Risiko steigt laut Studien um rund 30 Prozent
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 09:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie hormonelle Umstellung in den Wechseljahren hat weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen. Neben bekannten Symptomen gerät dabei zunehmend der Metabolismus in den Fokus der Medizin.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt Frauen in der Lebensmitte verstärkt gezielte Stoffwechsel-Checks, da hormonelle Veränderungen in dieser Lebensphase zentrale Faktoren wie die Insulinempfindlichkeit und den Blutdruck ungünstig beeinflussen können.
Hormonelle Veränderungen und steigendes Diabetes-Risiko
Während der Perimenopause führt das Absinken des Östrogenspiegels zu Veränderungen der körperlichen Konstitution. Nach Angaben von Prof. Julia Szendrödi, Präsidentin der DDG, begünstigt der Rückgang der Östrogene die Einlagerung von Bauchfett, das Entstehen einer Insulinresistenz sowie ungünstige Blutfettwerte.
Internationale Studien zeigen zudem, dass eine frühe Menopause vor dem 45. Lebensjahr mit einem um rund 30% höheren Risiko für Typ-2-Diabetes einhergeht.
Als wesentliche Risikofaktoren für eine Diabetes-Erkrankung in der Lebensmitte gelten laut Szendrödi neben Übergewicht auch eine familiäre Diabetesbelastung sowie ein vorangegangener Schwangerschaftsdiabetes.
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Fachbeiträge zu Gewichtsveränderungen verdeutlichen diesen Mechanismus: Mindestens 50% der Frauen verzeichnen in der Menopause eine Gewichtszunahme, die häufig bei 7–10% liegt und mit viszeralem Fett assoziiert ist.
Durch den Östrogenabfall verschiebt sich die Fettverteilung vom gluteofemoralen zum abdominal-viszeralen Bereich. Dieses Viszeralfett steigert das Risiko für Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie), metabolische Lebererkrankungen sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich.
Gefahren für das Herz-Kreislauf-System
Parallel zum Stoffwechsel steht auch das Gefäßsystem unter Druck. Prof. Vanadin Seifert-Klauss vom Universitätsklinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München hebt hervor, dass der Blutdruck ab der Menopause plötzlich kippen kann, weshalb eine regelmäßige Kontrolle unerlässlich ist.
Zudem weisen Untersuchungen von Seifert-Klauss darauf hin, dass etwa zwei Drittel der Frauen behandlungsbedürftige Wechseljahrsbeschwerden aufweisen und rund ein Drittel über ernste Probleme im Alltag und Beruf berichtet.
Die kardiovaskuläre Dimension belegt auch die Fachliteratur (Maas et al., Eur Heart J 2021): Bis zu 50% der Frauen entwickeln vor dem 60. Lebensjahr Bluthochdruck. Gleichzeitig wird Hypertonie bei Frauen im Vergleich zu Männern häufig schlechter erkannt und seltener adäquat therapiert.
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Diagnostik, Symptomüberschneidungen und Prävention
Um kardiovaskulären und diabetischen Spätfolgen frühzeitig zu begegnen, rät die DDG zu einem umfassenden Screening. Ein solcher Stoffwechsel-Check sollte die Nüchternglukose und den HbA1c-Wert, den Blutdruck, die Blutfette, das Körpergewicht, den Taillenumfang sowie die Leberwerte erfassen. Neben diagnostischen Kontrollen betont die DDG den Stellenwert von Kraft- und Ausdauertraining als präventive Maßnahmen.
Eine besondere Herausforderung stellt die Lebensphase für Frauen dar, die bereits an Diabetes erkrankt sind. Prof. Susanne Reger-Tan vom Herz- und Diabeteszentrum Bochum weist darauf hin, dass sich bei Typ-1-Diabetes die Glukoseregulation während der Wechseljahre merklich verändert. Dabei besteht im Alltag ein praktisches Problem: Typische Symptome von Hitzewallungen und Unterzuckerungen ähneln sich stark und sind von den Betroffenen nur schwer voneinander zu unterscheiden.
Die Zusammenhänge zwischen endokrinen Veränderungen und Stoffwechselerkrankungen stehen auch auf Fachtagungen im Mittelpunkt: Die DDG thematisiert derartige Schwerpunkte auf ihrer Herbsttagung, die vom 13. bis 14. November 2026 in Dresden stattfindet.
