Frühe, Menopause

Frühe Menopause: Diabetesrisiko steigt laut DDG um rund 30 Prozent

Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachgesellschaften und Projekte setzen auf frühere Stoffwechselkontrollen, während Screening-Angebote und Leitlinien weiterentwickelt werden.
Ein minimalistischer Behandlungsraum mit medizinischen Messgeräten in einer hellen, ruhigen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Gesundheitsangebote und fachliche Initiativen setzen verstärkt auf die frühe Diagnose von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Während Angebote wie Routineuntersuchungen traditionell häufig ältere Bevölkerungsgruppen im Blick hatten, rücken aktuelle Konzepte und fachärztliche Empfehlungen gezielt Frauen in hormonellen Umbruchphasen sowie jüngere Erwachsene in den Fokus, um Risiken wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen rechtzeitig entgegenzuwirken.

Hormonelle Umstellungen und Stoffwechselrisiken bei Frauen

Ein wesentlicher Schwerpunkt der aktuellen Aufklärung betrifft Frauen in den Wechseljahren. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) wies im Vorfeld des Weltmenopausentags am 18. Oktober 2026 darauf hin, dass sinkende Östrogenspiegel die Entstehung von Bauchfett, eine nachlassende Insulinempfindlichkeit und veränderte Blutfettwerte begünstigen.

Zwar verursachen die Wechseljahre Typ-2-Diabetes nicht direkt, sie erhöhen jedoch das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber und für Diabetes.

Besonders gefährdet sind laut DDG Frauen, die bereits von Schwangerschaftsdiabetes betroffen waren, familiäre Vorbelastungen aufweisen oder an Übergewicht leiden. Nach Angaben von DDG-Präsidentin Prof. Dr. Julia Szendrödi belegen internationale Studien, dass Frauen mit einer frühen Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes tragen.

Die Fachgesellschaft rät daher zu einem systematischen Stoffwechsel-Check in der Lebensmitte, der Nüchternglukose oder den HbA1c-Wert, Blutdruck, Blutfett- und Leberwerte sowie Gewicht und Taillenumfang umfasst.

Zudem verweist die DDG auf eine im Fachjournal Diabetologia veröffentlichte Untersuchung von Speksnijder et al. aus dem Jahr 2025 zur Glukoseregulation nach der Menopause bei Typ-1-Diabetes. Neben regelmäßigen Kontrollen empfiehlt die Fachgesellschaft zwei- bis dreimal wöchentliches Krafttraining kombiniert mit Ausdauersport, ballaststoffreiche Ernährung und Stressmanagement.

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Regionale Projekte greifen diesen Handlungsbedarf auf. Das Land Rheinland-Pfalz fördert mit rund 300.000 Euro ein Projekt zur Versorgung von Frauen mit früher Menopause sowie prämaturer Ovarialinsuffizienz (POI) vor dem 40. Lebensjahr.

Unter Leitung des Instituts für digitale Gesundheitsdaten und der Deutschen Menopause Gesellschaft soll in Kooperation mit den Universitätsmedizinen Mainz und Frankfurt sowie dem Endokrinologikum Frankfurt ein interdisziplinäres Versorgungsnetzwerk entstehen.

Im Land Tirol tourt zudem die Initiative „Frauengesundheitsstraße“ mit Stationen wie Telfs oder St. Johann, bei der kostenfreie Screenings von Blutdruck bis hin zu Lipoprotein(a)-Werten angeboten werden.

Fokus auf jüngere Erwachsene und veränderte Screening-Konzepte

Dass Stoffwechselauffälligkeiten auch jüngere Generationen betreffen, zeigen Auswertungen aus dem Ausland. Die taiwanesische Gesundheitsbehörde, die ihr Vorsorgeprogramm auf Personen ab 30 Jahren ausgeweitet hat, erfasste 2025 rund 355.000 Menschen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren.

Bei 30,8 Prozent dieser Gruppe lag mindestens ein auffälliger Wert vor: 48,5 Prozent wiesen Übergewicht oder Adipositas auf, 21,2 Prozent zeigten Blutfettanomalien, 19,3 Prozent ein metabolisches Syndrom und 15,1 Prozent auffällige Blutdruckwerte.

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Auch in Deutschland werden diagnostische Leitlinien und Kassenleistungen überprüft. Das vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderte Projekt Hyperlip-Kid aktualisierte die bisherige S2k-Leitlinie zur Hyperlipidämie bei Kindern und Jugendlichen zu einer S3-Leitlinie mit 26 Empfehlungen.

Da mehr als eines von 300 Kindern bereits ab Geburt von entsprechenden Fettstoffwechselstörungen betroffen ist, zielt die Neufassung auf eine frühere Diagnostik ab.

Parallel berät der G-BA über eine Weiterentwicklung der allgemeinen Check-up-Untersuchungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung bis Ende 2027, unter anderem mit Blick auf eine stärkere risikobasierte Ausrichtung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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