Frühe, Menopause

Frühe Menopause: Demenzrisiko vor dem 45. Lebensjahr um 56 Prozent erhöht

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 18:36 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Frauen erkranken häufiger an Demenz; Studien untersuchen hormonelle Einflüsse, Blutmarker und Gehirnveränderungen, ohne einen eindeutigen Kausalzusammenhang zu belegen.
Laborumgebung mit Glasgefäßen auf einer weißen Oberfläche in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen weisen seit Längerem darauf hin, dass Frauen ein höheres Risiko tragen, im Alter an Demenz zu erkranken, als Männer. Aktuelle Forschungsprojekte widmen sich verstärkt der Frage, welche Rolle die hormonellen Umstellungen während der Menopause spielen und wie sich diese biologischen Veränderungen auf das Gehirnalter sowie neuronale Netzwerke auswirken.

Deutliche Unterschiede bei weltweiten Neuerkrankungen

Wie ausgeprägt das geschlechtsspezifische Gefälle ist, verdeutlichte eine am 12. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift JAMA Neurology veröffentlichte globale Analyse unter Leitung der University of New South Wales und unter Beteiligung der Universität Leipzig.

Auf Basis von 38.418 Erwachsenen aus 22 Langzeitstudien in 18 Ländern und Gebieten auf sechs Kontinenten erfassten die Forscher 3.001 Demenzfälle. Die altersstandardisierte Inzidenz lag bei Frauen bei 10,6 Fällen pro 1.000 Personenjahre, während sie bei Männern 8,6 betrug.

Eine alleinige Erklärung über die höhere Lebenserwartung von Frauen greift nach Ansicht der Studienautoren voraussichtlich zu kurz. Mögliche Einflussfaktoren sind veränderte Herz-Kreislauf-Risiken nach den Wechseljahren sowie historisch schlechtere Bildungschancen.

Prof. Steffi G. Riedel-Heller vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health verwies darauf, dass die altersspezifische Demenzinzidenz in Europa und Nordamerika teils rückläufig sei. Zudem seien rund 45 Prozent der Demenzfälle über die Beeinflussung von 14 bekannten Risikofaktoren potenziell verhinderbar oder verzögerbar.

Proteinveränderungen und biologische Marker im Blut

Einen biochemischen Ansatz verfolgte ein Forschungsteam um Madeline Wood Alexander, Kaitlin Casaletto und Rowan Saloner im September 2026. Die Wissenschaftler identifizierten 16 Blutproteine, deren Konzentrationen sich über die Menopause hinweg stärker entlang von Hormonschwankungen als entlang des Lebensalters veränderten.

Bei sinkendem Östrogenspiegel nahmen Entzündungsmarker zu, während Marker für Alzheimer mit einem steigenden Follikelstimulierenden Hormon korrelierten. Bestätigt wurden diese Zusammenhänge an 2.814 Frauen der britischen UK Biobank sowie an vier weiteren Gruppen älterer Frauen mit insgesamt 11.925 Teilnehmerinnen.

Ein höheres Proteinmuster ging dabei mit schwächeren kognitiven Leistungen und einem erhöhten Demenzrisiko einher, wenngleich es sich um korrelative Befunde ohne Kausalitätsnachweis handelt.

Dass die Menopause tiefgreifende systemische Spuren hinterlässt, zeigte auch eine Auswertung des Weizmann Institute um Uri Alon in Nature Medicine. Bei der Analyse von über 300 Millionen Labordaten von mehr als einer Million Frauen wiesen in US-Daten 52 von 90 Parametern sprunghafte Veränderungen rund um das durchschnittliche Menopausenalter von 51 Jahren auf – darunter Blutfette, Leberwerte und Sexualhormone.

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MRT-Befunde und die Rolle des Menopausenzeitpunkts

Welche direkten Folgen diese Umstellungen für das Gehirn haben, untersuchen bildgebende Studien. An der Yale University analysiert ein Projekt unter Leitung von Carolyn Fredericks bei 150 perimenopausalen Frauen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren mittels multimodaler MRT, wie Hormonschwankungen über Menstruationszyklen hinweg die funktionelle Hirnnetzwerk-Organisation beeinflussen. In den USA leben über sechs Millionen Menschen mit Alzheimer, wobei Frauen zwei Drittel der Krankheitslast tragen.

Frühere Bildgebungsdaten von Roberta Brinton an der University of Arizona deuteten bereits darauf hin, dass der Östrogenverlust zu einer vorübergehend verringerten Glukose-Effizienz und strukturellen Veränderungen im Gehirn führen kann, die sich nach der Menopause teilweise wieder stabilisieren.

Eine am 22. Oktober 2026 in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung unter Leitung von Sophie van 't Hof an über 200 Teilnehmern zeigte hingegen, dass die Menopause im Vergleich zu Pubertät und Schwangerschaft nicht mit einer beschleunigten Abnahme des Volumens der grauen Substanz einherging.

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Auch der Zeitpunkt der letzten Regelblutung spielt eine Rolle: Eine norwegische Untersuchung im Rahmen der HUNT-Studie aus dem Jahr 2024 mit 5.314 Frauen ab 70 Jahren zeigte, dass ein Eintritt der Menopause vor dem 45. Lebensjahr mit einem um 56 Prozent höheren relativen Demenzrisiko verbunden war als ein Menopausenalter von 50 Jahren.

Pauline M. Maki von der University of Illinois ordnete auf der Jahrestagung der Menopause Society ein, dass 40 bis 60 Prozent der Frauen während der Übergangsphase über kognitive Trübungen berichten, Demenzerkrankungen in der Lebensmitte jedoch äußerst selten seien. Rund 20 Prozent der Frauen entwickeln im hohen Alter eine Demenz, wobei vier große randomisierte Studien neutrale kognitive Effekte standardisierter Hormontherapien ergaben.

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