Friendly Fraud kostet Händler Milliarden: 74,4% sehen Bedrohung
02.07.2026 - 21:54:04 | boerse-global.de
Gleichzeitig rückt ein wachsendes Problem in den Fokus: sogenannter „Friendly Fraud" belastet Händler und Verbraucher zunehmend.
Neue Karten und eine wichtige Partnerschaft
Seit dem 1. Juli 2026 sind die neuen Rewards-Debit- und Kreditkarten von PayPal erhältlich. Sie erweitern das Portfolio des Zahlungsdienstleisters sowohl für physische als auch digitale Geldbörsen. Zeitgleich ging Shopware Payments an den Start – eine native Zahlungslösung für die gleichnamige E-Commerce-Plattform, die auf der PayPal-Infrastruktur basiert.
Die Integration ermöglicht Händlern, verschiedene Zahlungsmethoden direkt über ihr bestehendes Verwaltungsinterface abzuwickeln. Dazu gehören PayPal, Venmo, Apple Pay, Google Pay und PayPal Pay Later. Der Start erfolgte in Deutschland und Österreich, eine schrittweise Ausweitung auf die EU und die USA ist geplant. Jeff Pomeroy von PayPal und Sebastian Hamann von Shopware betonen, dass die offene Architektur die Einrichtung für Unternehmen mit PayPal-Geschäftskonten deutlich vereinfachen soll.
Regulatorische Änderungen in Großbritannien und Malaysia
Für den britischen Markt hat PayPal mehrere Policy-Updates für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Nach der Einführung eines Duty-Clear-Service für US-Zollgebühren Ende Juni folgt am 7. September eine Klarstellung der Käuferschutzrichtlinien. Konkret geht es um die Unmöglichkeit, mehrere Ansprüche gleichzeitig geltend zu machen.
Ab dem 1. Oktober 2026 führt PayPal UK zudem eine gestaffelte Händlergebührenstruktur ein. Die Sätze liegen dann zwischen 2,10 und 2,90 Prozent plus Fixgebühren. Auch die Gebühren für Pay Later und Virtual Terminal werden angepasst.
In Malaysia greifen neue Verbraucherschutzregeln: E-Wallet-Anbieter müssen Betrugsopfer innerhalb von sieben Werktagen entschädigen – sofern sie keine ausreichenden Schutzmaßnahmen nachweisen können. Diese Regelung gilt selbst dann, wenn der Nutzer teilweise fahrlässig gehandelt hat. Premierminister Anwar Ibrahim setzt damit ein klares Zeichen gegen Betrug im digitalen Zahlungsverkehr.
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WeChat Pay wird für PayPal-Nutzer zugänglich
Eine strategische Partnerschaft mit Tencent erweitert die Reichweite von PayPal in China. Seit 2026 können PayPal-Nutzer an WeChat-Pay-Terminals im ganzen Land bezahlen. Der Schritt kommt zu einem günstigen Zeitpunkt: Die Zahl der ausländischen Besucher in China hat wieder das Vorkrisenniveau erreicht und übersteigt es teilweise bereits.
Friendly Fraud: Ein Milliardengrab für den Handel
Ein aktueller Report von Chargebacks911 zeigt das Ausmaß des Problems: 74,4 Prozent der großen Händler sehen in „Friendly Fraud" – also der fälschlichen Anfechtung berechtigter Transaktionen durch Kunden – eine ernsthafte Bedrohung. Bei 83,4 Prozent der befragten Unternehmen ist die Zahl solcher Streitfälle in den letzten drei Jahren gestiegen.
Die Kosten sind enorm: Rund 75 Prozent aller Rückbuchungen gehen auf Friendly Fraud zurück. Jeder Dollar Betrug kostet E-Commerce-Händler laut einer LexisNexis-Studie bis zu 4,61 Dollar. Die Folgen spüren auch die Verbraucher: 38 Prozent der Händler geben die Kosten inzwischen über höhere Preise an ihre Kunden weiter – ein Anstieg von zuvor 32,5 Prozent.
Die Erfolgsaussichten für Händler sind düster: Nur bei jeder fünften Anfechtung können sie die Einnahmen zurückgewinnen. Trotzdem verfügt nur etwa ein Drittel der Händler über ein spezialisiertes Team für Rückbuchungen. Immerhin zeichnet sich ein Trend zu KI-basierten Betrugserkennungstools ab.
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Kreditkarten legen zu – und die Sicherheitslage bleibt angespannt
Die Federal-Reserve-Zahlungsstudie 2025 zeigt einen bemerkenswerten Trend: Erstmals seit dem Jahr 2000 wuchsen Kreditkartenzahlungen schneller als Debitkartenzahlungen. Karten machen inzwischen 79 Prozent des bargeldlosen Zahlungsvolumens aus. Zwar gewinnen digitale Geldbörsen und Peer-to-Peer-Apps wie Venmo und Cash App an Boden, doch ACH-Überweisungen dominieren weiterhin den Wert des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit über 104 Billionen Dollar.
Sicherheitsexperten raten Verbrauchern zu multifaktorieller Authentifizierung und regelmäßiger Kontoprüfung. Der Grund: KI-generierte Betrugsmaschen nehmen zu, die oft mit Dringlichkeit oder Identitätstäuschung arbeiten. Die Botschaft ist klar: Je digitaler die Zahlung, desto wichtiger der Schutz.
