Friedwald Gierstädt: 40 Hektar für naturnahe Baumbestattungen eröffnet
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Bestattungskultur vollzieht sich ein deutlicher Wandel: Medienberichten zufolge steigt die Nachfrage nach innovativen Bestattungskonzepten stetig an. Immer mehr Menschen interessieren sich für Alternativen zum traditionellen Einzel- oder Familiengrab. Im Fokus stehen dabei insbesondere naturnahe Modelle wie Baumerbe-Grabanlagen sowie gemeinschaftliche Grabstätten, die für Angehörige, Freunde oder spezifische Gemeinschaften konzipiert sind.
Naturnahe Baumbestattungen gewinnen an Bedeutung
Ein zentraler Pfeiler dieser Entwicklung sind Grabanlagen im Umfeld von Bäumen. Friedhofsgärtner André Burmester zog anlässlich des Tags des Friedhofs eine positive Bilanz für die bundesweit erste Baumerbe-Grabanlage mit dem Titel „Urnengrab am Zukunftsbaum“ auf dem Burg-/Ostfriedhof. Das Angebot verzeichne ein hohes Interesse.
Parallel zu innerstädtischen Friedhofsangeboten wächst auch die Zahl von Bestattungswäldern im ländlichen Raum. So wurde bei Gierstädt auf der Fahner Höhe im Kreis Gotha ein Friedwald auf einer Fläche von 40 Hektar in einem Waldstück eröffnet. Interessierte Bürger können sich vor Ort über die waldbezogene Bestattungsform informieren, bei der die Beisetzung der Asche im Wurzelbereich von Bäumen erfolgt.
Gemeinschaftsgräber und neue Ruhestätten für Gemeinschaften
Neben naturnahen Einzelplätzen rücken gemeinschaftliche Grabformen in den Vordergrund. Dabei geht es zunehmend darum, auch über den Tod hinaus im Kreis vertrauter Personen zu ruhen. Ein prominentes Beispiel für die Vorsorge in einer Gemeinschaftsanlage ist der ehemalige WDR-Journalist Jean Pütz.
Der 89-Jährige, der am 21. September 90 Jahre alt wird, hat auf dem Melatenfriedhof in Köln eine Gruft reserviert. In dieser Anlage finden neben ihm noch 18 weitere Personen Platz. Pütz, der kürzlich eine neue Herzklappe erhielt, kann zwar weder lesen noch schreiben, plant jedoch nach eigenen Angaben, 100 Jahre alt zu werden.
Immer mehr Menschen wünschen sich einen Abschied in der Natur — bei Gierstädt auf der Fahner Höhe steht dafür jetzt ein Waldstück von 40 Hektar bereit, in dem die Asche im Wurzelbereich der Bäume beigesetzt wird. Wer rechtzeitig vorsorgt, entlastet seine Angehörigen und behält die Kosten im Blick. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern
Neue Wege geht auch die kommunale und religiöse Friedhofsplanung in Nordrhein-Westfalen: In Wuppertal erfolgte an der Krummacher Straße/Varresbeck der erste Spatenstich für den ersten muslimischen Friedhof unter muslimischer Leitung.
Das Areal grenzt an christliche und jüdische Friedhöfe an. Auf der Fläche von 19.000 m² sollen rund 1.000 Gräber entstehen, wobei die Beisetzung traditionell ohne Sarg und ausschließlich im Tuch vorgesehen ist. Die Eröffnung des Friedhofs ist vor dem Sommer 2027 geplant.
Friedhöfe als ökologische und gesellschaftliche Räume
Der Bedeutungswandel der Ruhestätten spiegelt sich auch in ihrer veränderten Rolle als Stadt- und Naturraum wider. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) wies anlässlich der Tage des Friedhofs am 19. und 20. September darauf hin, dass Friedhöfe wertvolle Rückzugsorte für Flora und Fauna darstellen.
Insbesondere alte Baumbestände dienen Spechten, Meisen, Amseln, Igeln sowie Fledermäusen als Nist- und Lebensstätte. Waldohreulen versammeln sich laut LBV auf solchen Arealen in Gruppen von bis zu 20 oder 30 Tieren.
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In vielen Kommunen wird dieser Charakter aktiv gefördert. In Dresden beteiligten sich 14 Friedhöfe an den Aktionstagen unter dem Motto „Oasen der Natur und Pflege der Seele“, bei denen Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen eine Ausstellung eröffnete; mehr als 300 Grabpatenschaften unterstützen dort den Erhalt historischer Anlagen.
Auch eine sensible gestalterische Aufwertung prägt den Wandel: Auf dem Friedhof in Paderborn-Elsen gestaltete die Künstlerin Claudia Cremer-Robelski im Rahmen des Secret-City-Fassadenfestivals im städtischen Auftrag die Begrenzungsmauer eines Kindergrabfelds mit Motiven wie einem Fuchs, einem Elefanten und einem Schutzengel.
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