Friedhöfe als Ruheräume: 40% der Deutschen wollen neue Nutzungen
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Stadtplanung und Friedhofskultur gewinnen inklusive Naturerlebnisse zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Gestaltung eines neuen Naturerlebnispfades auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.
Das Projekt verdeutlicht, wie urbane Grünflächen durch gezielte barrierearme Maßnahmen sowohl ökologische als auch soziale Funktionen übernehmen können. Berichten vom September 2026 zufolge kombiniert der Pfad die Vermittlung biologischer Vielfalt mit einem umfassenden Inklusionskonzept.
Interaktive Stationen und barrierefreie Infrastruktur
Der Pfad auf dem Frankfurter Hauptfriedhof umfasst insgesamt fünf interaktive Stationen. Diese widmen sich spezifischen ökologischen Themen wie Vögeln, Fledermäusen, Amphibien, Wildwiesen und Totholz. Ziel der Anlage ist es, Wissen über die lokale Flora und Fauna in einem geschützten Raum zu vermitteln.
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die barrierearme Gestaltung. Die Wegeverbindungen sind so konzipiert, dass sie für Rollstuhlnutzer zugänglich sind. Zudem wurden taktile Elemente wie Reliefs und Brailleschrift integriert, um auch Menschen mit Sehbeeinträchtigungen die Teilhabe an den Informationen zu ermöglichen.
Ähnliche Ansätze finden sich auch in internationalen Projekten, etwa im Parco della Maremma, wo ein barrierefreier Sinnespfad unter der Planung des Architekten Fabrizio Rabai und der Ausführung der Firma Favilli Rinaldo realisiert wurde. Auch dort kommen 3D-Paneele für sehbehinderte Besucher zum Einsatz.
Biodiversität und Friedhofskultur im Wandel
Die Umsetzung des Frankfurter Pfades ist das Ergebnis einer mehrjährigen Entwicklung. Die ursprüngliche Idee entstand bereits im Rahmen eines Biodiversitätswettbewerbs im Jahr 2022; die anschließende Realisierung nahm vier Jahre in Anspruch. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben durch die KfW Stiftung.
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Dieses Engagement reflektiert einen generellen Wandel in der Wahrnehmung von Friedhöfen. Laut einer Umfrage zeigen sich mittlerweile 40 Prozent der Befragten offen für alternative Nutzungsformen von Friedhofsflächen. Experten des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) wiesen in Berichten vom September 2026 darauf hin, dass Friedhöfe wichtige Rückzugsräume für Wildtiere darstellen.
So rasten beispielsweise Waldohreulen im Spätherbst und Winter in Gruppen von bis zu 20 bis 30 Tieren in solchen Arealen. Fachleute empfehlen daher den Erhalt alter Bäume, Hecken und Totholz sowie den Verzicht auf Pestizide und Flächenversiegelungen, um diese Lebensräume zu sichern.
Regionale Förderprojekte und inklusive Gestaltungsansätze
Der Trend zu inklusiven Naturräumen zeigt sich auch in anderen Regionen durch signifikante Investitionen und Fördermaßnahmen. In Kevelaer-Wetten wird mit dem Dorfgarten „Knoasehoff“ ein Projekt realisiert, das ein Gesamtvolumen von rund 310.000 Euro umfasst.
Davon entfallen etwa 217.000 Euro auf eine LEADER-Förderung. Unter der Leitung der Vereinspräsidentin Orla Feeny entsteht dort ein rund 3.500 Quadratmeter großer Bereich mit barrierefreiem Rundweg.
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Vergleichbare inklusive Ansätze verfolgen auch andere Kommunen:
- In Freisen wurde ein Mehrgenerationenspielplatz auf einer Fläche von circa 1.980 Quadratmetern geplant, dessen Kosten sich auf etwa 460.000 Euro belaufen.
- Die Diözese Graz-Seckau realisierte unter der Projektleitung von Martina Laubreiter einen sogenannten Weidendom in Eisbach-Rein. Das rund sieben Meter breite Bauwerk aus lebenden Weidenruten dient künftig als Lernort für Biodiversität.
- In Nümbrecht erfolgt seit Mai 2026 der Umbau des Kurparks, wobei verschiedene Wegesysteme von gepflasterten Promenaden bis hin zu Entdeckerwegen aus Holzhackschnitzeln kombiniert werden.
Diese Projekte verdeutlichen, dass die Verknüpfung von Naturschutz und Barrierefreiheit zunehmend als integraler Bestandteil der öffentlichen Infrastrukturentwicklung betrachtet wird. Die Finanzierung erfolgt dabei häufig über spezialisierte Stiftungen oder staatliche Förderprogramme für grüne Infrastruktur.
