Frauengesundheit, Psychische

Frauengesundheit: Psychische Belastung um 9,6% höher als bei Männern

30.05.2026 - 06:00:29 | boerse-global.de

Studien belegen höhere psychische Belastung von Frauen durch Care-Arbeit und zeigen Versorgungslücken im Gesundheitswesen auf.

Frauengesundheit: Psychische Belastung um 9,6% höher als bei Männern - Bild: über boerse-global.de
Frauengesundheit: Psychische Belastung um 9,6% höher als bei Männern - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Daten zeigen: Die psychische Belastung durch unbezahlte Sorgearbeit steigt, während die medizinische Versorgung Lücken aufweist.

Psychische Erkrankungen: Frauen deutlich stärker betroffen

Die Krankenstandstage bei Frauen liegen um 9,6 Prozent über denen von Männern. Das zeigt der WIFO-Fehlzeitenreport 2025. Besonders auffällig: Bei langandauernden Krankenständen von mehr als 40 Tagen sind psychische Erkrankungen bei Frauen in 22,3 Prozent der Fälle die Ursache. Bei Männern liegt der Wert bei 13,2 Prozent.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat weitere alarmierende Zahlen erhoben. 56 Prozent der Arbeitnehmerinnen fühlen sich durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mittel bis stark belastet. Rund 13 Prozent sind bereits von Burnout betroffen. Fast die Hälfte der Befragten gilt als mittel bis hoch gefährdet.

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Als zentraler Belastungsfaktor gilt der sogenannte Mental Load – die ständige Organisation von Haushalt, Kinderbetreuung und Beruf. Verbände fordern deshalb eine stärkere Berücksichtigung der unbezahlten Sorgearbeit. Deren Wert erreicht rechnerisch über eine Billion Euro jährlich. Gleichzeitig fließen nur minimale Anteile der Krankenversicherungsausgaben in die Prävention für pflegende Angehörige.

Gender Data Gap: Wenn die Medizin Frauen übersieht

Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem sinkt drastisch. Laut einer IFES-Befragung 2025 sind nur noch 34 Prozent der Arbeitnehmerinnen in Oberösterreich zufrieden – ein Rückgang von 14 Prozentpunkten gegenüber 2023.

Ein Grund: die schwierige Terminvergabe bei Kassenärzten. 32 Prozent der befragten Frauen erhielten keinen Termin bei einem Kassenarzt. In Oberösterreich waren zum 1. Januar 2026 zwölf Kassenstellen für Gynäkologie unbesetzt.

Die Forschung orientiert sich noch immer überwiegend an männlichen Patienten. Diese Gender Data Gap hat fatale Folgen. Herzinfarkte etwa werden bei Frauen oft zu spät erkannt, weil sie häufiger Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Rückenschmerzen zeigen statt des klassischen Brustschmerzes.

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Auch bei Medikamenten zeigen sich Unterschiede. Die Dosierung des Schlafmittels Zolpidem wurde für Frauen angepasst – sie bauen den Wirkstoff langsamer ab als Männer. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betont: Die Frauengesundheit muss stärker in den Fokus rücken.

Politische Reformen: Was sich ändern soll

Die Politik reagiert. Bundesarbeitsministerin Bas kündigte für Juni 2026 einen Gesetzentwurf zur Flexibilisierung der Arbeitszeit an. Die tägliche Höchstarbeitszeit steht dabei im Zentrum der Diskussion. Wirtschaftsvertreter wollen eine Ausweitung für Bürobeschäftigte, der DGB lehnt ab.

Der Wunsch nach Entlastung ist groß. Eine Umfrage des DGB-Index Gute Arbeit aus dem Frühjahr 2025 zeigt: 53 Prozent der Beschäftigten wünschen sich kürzere Arbeitszeiten. Bei Vätern liegt der Anteil sogar bei 63 Prozent.

Auch die Forschung soll vorankommen. Vom 5. bis 9. Oktober 2026 plant die Universität Duisburg-Essen eine Summer School zu geschlechtersensiblen Perspektiven auf psychische Erkrankungen. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt. Ministerin Dorothee Bär bezeichnet Frauengesundheit als Schwerpunkt der künftigen Forschungsförderung – die bestehenden Datenlücken sollen geschlossen werden.

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