Frauengesundheit: Fünf bis sechs Millionen leiden an Inkontinenz
28.05.2026 - 18:39:38 | boerse-global.deDie medizinische Versorgung von Frauen wird spezifischer – vor allem in Fachbereichen, die lange als Männerdomäne galten. In der Urologie setzen Ärzte zunehmend auf geschlechtergerechte Ansätze.
„Nicht nur Gynäkologie“
Blasenentleerungsstörungen oder Harninkontinenz: Diese Symptome brauchen eine urologische Perspektive, erklärt Dr. Samer Schakaki von der Paracelsus Klinik Golzheim. Die Versorgung dürfe sich nicht auf die Gynäkologie beschränken.
Das Ausmaß ist enorm. Schätzungen des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums der Uniklinik RWTH Aachen zufolge sind in Deutschland fünf bis sechs Millionen Menschen von Harn- und Stuhlinkontinenz oder Beckenbodenschwäche betroffen. Kliniken wie das Maria-Josef-Hospital Greven bieten daher spezialisierte urogynäkologische Sprechstunden an. Für September 2026 sind dort Informationsveranstaltungen geplant – mit Blasendruckmessungen, Beckenbodenultraschall und Therapien von Elektrostimulation bis OP.
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Große Lücken in der Ausbildung
Trotz der Relevanz geschlechterspezifischer Unterschiede hapert es an der Basis. Eine forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbands zeigt: Fast ein Drittel der befragten Mediziner bekam im Studium keine Inhalte zu Geschlechterunterschieden vermittelt. Zwei Drittel besuchten bisher keine entsprechenden Fortbildungen.
Die Forderung ist klar: 87 Prozent der Ärzte sprechen sich für geschlechtsspezifische Erweiterungen der Behandlungsleitlinien aus. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Forschungsministerin Dorothee Bär betonten im Mai 2026 die Notwendigkeit, diese Unterschiede in Forschung und Medikamentenerprobung stärker zu berücksichtigen. Bisher seien Studien überwiegend an männlichen Probanden orientiert. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisiert in diesem Zusammenhang das Phänomen des „Medical Gaslighting“: Frauen würden mit ihren Beschwerden oft nicht ernst genommen – wegen fehlender Datenlagen.
Endometriose und psychische Belastung
Auch bei Krankheiten wie Endometriose zeigt sich der Handlungsbedarf. Laut Robert Koch-Institut erkranken jährlich über 40.000 Frauen neu, insgesamt sind mehr als zwei Millionen betroffen. Der Verband der Osteopathen Deutschland warnt: Diagnosen werden oft verzögert gestellt, weil Symptome wie starke Regelschmerzen fälschlicherweise als normal gelten.
Neben körperlichen Erkrankungen rücken psychosoziale Faktoren in den Fokus. Eine Umfrage des Austrian Health Forum unter 1.000 Teilnehmern zeigt: 66 Prozent der Frauen unter 35 Jahren fühlen sich psychisch belastet, 53 Prozent berichten von Einsamkeit.
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Und im Arbeitsalltag bleibt vieles tabu. Eine Untersuchung von Bilendi für Voiio unter mehr als 1.000 erwerbstätigen Frauen ergab: 45 Prozent empfinden das Thema Menstruation am Arbeitsplatz als Tabu. Obwohl 78 Prozent eine Beeinträchtigung ihrer Arbeitsfähigkeit durch zyklusbedingte Beschwerden bestätigten, meldeten sich nur fünf Prozent krank. Die Mehrheit vermeidet Gespräche über diese Belastungen – besonders mit männlichen Kollegen.
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