Frauen, Abnehmen

Frauen und Abnehmen: Warum 7% weniger Muskelmasse den Unterschied macht

11.06.2026 - 15:32:50 | boerse-global.de

Biologische Faktoren wie Muskelmasse und Hormone beeinflussen den Abnehmerfolg. Neue Wirkstoffe zeigen vielversprechende Ergebnisse, bergen aber Risiken.

Abnehmen: Geschlechtsspezifische Unterschiede und neue Medikamente
Frauen - Abstrakte Darstellung von zwei menschlichen Silhouetten, die Stoffwechselwege und Fettverteilung als Geschlechtsunterschiede beim Abnehmen symbolisieren. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Männer von einem höheren Grundumsatz profitieren, kämpfen Frauen mit Wassereinlagerungen und einer anderen Fettverteilung. Neue Medikamente versprechen nun Abhilfe, bringen aber eigene Risiken mit.

Muskelmasse: Der entscheidende Vorteil der Männer

Der wichtigste Grund für die unterschiedliche Abnehmgeschwindigkeit liegt in der Körperzusammensetzung. MRT-Studien zeigen: Männer haben im Schnitt 38 Prozent Muskelmasse, Frauen nur 31 Prozent. Muskelgewebe verbrennt auch im Ruhezustand mehr Energie als Fettgewebe – das verschafft Männern einen biologischen Vorteil beim Grundumsatz.

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Hinzu kommen die Hormone. Testosteron fördert den Muskelaufbau, Östrogen begünstigt die Einlagerung von Depotfett an Hüften und Gesäß. Männer neigen dagegen eher zu viszeralem Bauchfett. In der zweiten Zyklushälfte sorgt ein Progesteron-Anstieg zwar für einen leicht erhöhten Grundumsatz, führt aber oft zu Wassereinlagerungen von bis zu zwei Kilogramm. Das maskiert den tatsächlichen Abnehmerfolg auf der Waage.

Darmflora und Ernährung: Die unterschätzte Rolle des Mikrobioms

Auch die Darmbakterien beeinflussen den Abnehmerfolg. Eine NIH-Studie aus dem Jahr 2011 deutet darauf hin, dass eine Verschiebung des Verhältnisses bestimmter Bakterien die Kalorienaufnahme beeinflussen kann. Dominieren Firmicutes-Bakterien, nimmt der Körper demnach bis zu 150 Kilokalorien pro Tag zusätzlich aus der Nahrung auf.

Beim Ballaststoffkonsum besteht bei beiden Geschlechtern Nachholbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 30 Gramm täglich – Frauen erreichen im Schnitt nur 18 Gramm, Männer 19 Gramm. Ballaststoffe sind essenziell für die Sättigung und eine gesunde Darmfunktion. Hüttenkäse mit rund 12,3 Gramm Eiweiß pro 100 Gramm sättigt dank Casein besonders lange, während fettfreier griechischer Joghurt die Darmgesundheit unterstützt.

Neue Medikamente: Große Erfolge, aber auch Risiken

Inkretin-Mimetika wie Semaglutid und Tirzepatid haben die Adipositas-Therapie revolutioniert. Sie fördern die Sättigung und verzögern die Magenentleerung – mit signifikanten Gewichtsverlusten. Doch aktuelle Berichte aus Juni 2026 weisen auf ein Problem hin: Nutzer von Ozempic oder Wegovy berichten über Kraftverlust in Armen und Beinen durch Muskelabbau.

Eine Phase-2-Studie in Nature Medicine untersuchte den Myostatin-Inhibitor Apitegromab in Kombination mit Tirzepatid. Bei 102 Probanden – über 80 Prozent Frauen – ließ sich der Verlust an Magermasse signifikant reduzieren. Die Placebogruppe verlor 3,5 Kilogramm Magermasse, die Apitegromab-Gruppe nur 1,6 Kilogramm. Das entspricht einer Reduktion des Muskelverlusts um 55 Prozent.

Neue Wirkstoffe: Survodutid und Retatrutide

Auf der ADA-Jahrestagung 2026 zeigte Survodutid in der Phase-III-Studie Synchronize-1 beeindruckende Ergebnisse. Nach 76 Wochen erreichten Patienten einen Gewichtsverlust von bis zu 16,6 Prozent. Besonders deutlich fiel die Reduktion des viszeralen Fetts mit 34 Prozent und des Leberfetts mit 63,1 Prozent aus. Allerdings brachen 19 Prozent der Teilnehmer die Behandlung wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen ab.

Mit Retatrutide befindet sich ein Triple-Agonist in der Erprobung. Er aktiviert gleichzeitig GLP-1-, GIP- und Glucagon-Rezeptoren und verspricht eine Gewichtsreduktion, die mit chirurgischen Eingriffen vergleichbar ist.

Positive Nebeneffekte: Von Ozempic-Babys bis Krebsprävention

Über die Gewichtsreduktion hinaus zeigen GLP-1-Therapien weitere positive Effekte. Fachärzte beobachten vermehrt sogenannte Ozempic-Babys. Der Gewichtsverlust und die metabolische Verbesserung – besonders bei Patientinnen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS) – steigern die Fruchtbarkeit. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft weist darauf hin, dass bereits eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit erhöht. Empfohlen wird, die Medikamente mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.

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Auf der ASCO-Konferenz präsentierte Analysen deuten auf eine präventive Wirkung gegen Krebs hin. GLP-1-Medikamente senken demnach das Risiko für sechs von sieben untersuchten Krebsarten – darunter ein um 30 Prozent geringeres Brustkrebsrisiko bei Frauen zwischen 45 und 80 Jahren.

Genetische Unterschiede: Nicht jeder reagiert gleich

Trotz aller Erfolge bleibt die individuelle Reaktion auf die Medikamente unterschiedlich. Forscher der Stanford University identifizierten im Juni 2026 genetische Varianten des Enzyms PAM, die bei etwa jedem zehnten Menschen die Wirkung von GLP-1-Präparaten abschwächen. In einer Studie erreichten Patienten mit dieser Variante ihre Blutzuckerziele deutlich seltener als Probanden ohne diese genetische Besonderheit.

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