„Frau Winkler verlässt das Haus“: Pflegeroboter ab 1. Oktober im Kino
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Frage, ob künstliche Intelligenz die Einsamkeit alter und kranker Menschen lindern kann, beschäftigt derzeit die Regisseurin Doris Dörrie. Die 71-jährige Filmemacherin aus München erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, KI könne die Last von Alter und Krankheit mindern und Einsamkeit erleichtern.
Anlass für ihre Überlegungen ist ihr neuer Film "Frau Winkler verlässt das Haus", der am 1. Oktober in die Kinos kommt und einen Pflegeroboter in einer Hauptrolle zeigt.
Ein Roboter als Gesprächspartner
In der Tragikomödie, die im Jahr 2030 spielt, erhält die Ex-Schauspielerin Frau Winkler, gespielt von Angela Winkler (82), von ihrer Tochter Emi, verkörpert von Laura Tonke, einen Pflegeroboter. Das Gerät deklamiert Theaterstücke und misst nach einem Sturz, der Frau Winkler zum Pflegefall macht, täglich ihre Vitalwerte. Verschlechtert sich ihr Zustand, soll der Roboter sie laut der Handlung sogar töten.
Dörrie selbst hat konkrete Vorstellungen davon, wie ein Wunschroboter für sie aussehen müsste: Er sollte über Politik diskutieren können, russische und französische Klassiker vorlesen – etwa sämtliche Bände von Émile Zola – und dazu noch Go spielen. Diese Wünsche verdeutlichen, dass es der Regisseurin weniger um reine Funktionalität geht als um einen Gesprächspartner, der intellektuelle Anregung bietet.
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Persönlicher Hintergrund der Filmidee
Die Idee zu "Frau Winkler verlässt das Haus" entstand, als Dörries eigene Eltern zu Pflegefällen wurden. Diese Erfahrung prägt offenbar ihren Blick auf das Thema: Sie kann sich den Einsatz von Pflegerobotern durchaus vorstellen, sofern sie helfen, Einsamkeit im Alter zu lindern und die Belastung durch Krankheit erträglicher zu machen.
Kritik an der Pflegeinfrastruktur
Trotz ihrer Offenheit gegenüber technologischen Lösungen richtet Dörrie deutliche Kritik an die bestehende Pflegeinfrastruktur. Sie bemängelt zu wenige Palliativplätze und Hospize sowie fehlende finanzielle Mittel für die Pflege – insbesondere für jene, die Angehörige zu Hause pflegen.
Diese Aufgabe übernehmen nach ihrer Einschätzung überwiegend Frauen, die dabei häufig strukturell benachteiligt werden. Ihre Haltung lässt sich also nicht auf eine technikoptimistische Position reduzieren: KI-Lösungen wie Pflegeroboter erscheinen bei ihr eher als Ergänzung zu einem System, das an anderer Stelle grundlegende Defizite aufweist.
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Warnung vor Jugendwahn
Neben der Pflegefrage äußert sich Dörrie auch kritisch zu gesellschaftlichen Vorstellungen rund um ein möglichst langes Leben. Sie warnt vor einem Jugendwahn und vor Longevity-Vorstellungen, die ihrer Ansicht nach die Angst vor Alter, Krankheit und Tod eher verstärken als lindern.
Diese Beobachtung fügt sich in ihre Filmarbeit ein, die das Altern nicht verklärt, sondern als komplexe Lebensphase mit technischen, sozialen und emotionalen Facetten darstellt.
Mit "Frau Winkler verlässt das Haus" liefert Dörrie damit einen fiktionalen Beitrag zu einer Debatte, die weit über den Kinosaal hinausreicht: Wie viel Verantwortung kann und soll Technik in der Pflege übernehmen, und welche strukturellen Probleme lassen sich damit nicht lösen?
Ihre eigenen Antworten bleiben dabei ambivalent – zwischen der Hoffnung auf technologische Erleichterung und der klaren Forderung nach mehr menschlicher und finanzieller Unterstützung für Pflegende.
