Frankreich sperrt Social Media: Verbot für Kinder unter 15 ab September
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 00:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Paris – Frankreich macht ernst: Das Land hat als erstes EU-Mitglied ein weitreichendes Social-Media-Verbot für Minderjährige beschlossen. Ab September dürfen Kinder unter 15 Jahren keine neuen Konten mehr auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat anlegen. Der Senat stimmte am Dienstag mit überwältigender Mehrheit von 243 zu 2 Stimmen für das Gesetz, das Präsident Emmanuel Macron zu einem seiner zentralen Projekte erklärt hatte.
Zweistufige Einführung und Schulverbote
Die Umsetzung erfolgt in zwei Phasen. Ab dem 1. September 2026 müssen Plattformen die Neuanmeldung von Kindern unter 15 Jahren blockieren. Für bereits bestehende Accounts dieser Altersgruppe gilt eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2027 – dann müssen die Unternehmen die Profile identifizieren und löschen.
Das Gesetz geht noch weiter: Auch in den Klassenzimmern wird künftig strenger durchgegriffen. Die Abgeordneten beschlossen ein Handyverbot an weiterführenden Schulen und Gymnasien. Damit werden die bereits bestehenden Einschränkungen an Grundschulen ausgeweitet. Ausnahmen gelten nur für Plattformen, die explizit für Bildungszwecke entwickelt wurden.
Altersverifikation unter Datenschutz-Vorbehalt
Doch wie sollen die Plattformen das Alter ihrer Nutzer überprüfen? Die französische Regierung prüft mehrere Methoden: den Einsatz von Ausweisdokumenten, Selfie-basierte Altersschätzung durch Dienste wie Yoti, Verhaltensanalysen sowie die kommende EU-Digital-Wallet-App. Gesichtserkennung bleibt dabei aufgrund der strengen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nur eingeschränkt nutzbar.
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Verfassungsrechtliche Hürden
Trotz des klaren Votums im Parlament ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Eine Verfassungsprüfung könnte die offizielle Umsetzung verzögern. Die Europäische Kommission hatte bereits bei einem früheren Entwurf Bedenken geäußert und auf Unvereinbarkeiten mit EU-Recht hingewiesen. Erst am Montag hatte ein gemeinsamer Vermittlungsausschuss Nachbesserungen vorgenommen, um die Bedenken aus Brüssel auszuräumen.
Europäischer Trend und deutscher Blick
Frankreich reiht sich damit in eine wachsende Bewegung ein. Australien hatte bereits ähnliche Beschränkungen für Kinder unter 16 Jahren erlassen. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen fordert eine schrittweise Beschränkung des Social-Media-Zugangs für Minderjährige.
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Für die großen Tech-Konzerne bedeutet das Gesetz erheblichen Druck. Sie müssen nun wirksame Alterskontrollen entwickeln – oder ab Januar 2027 mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn sie die Accounts ihrer jüngsten Nutzer nicht löschen.
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