Foodwatch-Recherche, Lebensmittelkontrolle

Foodwatch-Recherche: Jede dritte Lebensmittelkontrolle fällt aus

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 17:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Schleswig-Holstein wurden 2025 nur 65,7 Prozent der Pflichtprüfungen umgesetzt. Eine parlamentarische Anfrage untersucht Personalengpässe.

Lebensmittelkontrollen in Schleswig-Holstein fallen deutlich zurück
Leere, sterile Produktionshalle einer Lebensmittelverarbeitung mit Edelstahloberflächen bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Effektivität der Lebensmittelüberwachung in Deutschland steht vor dem Hintergrund sinkender Kontrollquoten im Fokus der öffentlichen Debatte. Eine detaillierte Analyse der Daten für das Jahr 2025 verdeutlicht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungsintervallen und der tatsächlichen Umsetzung durch die zuständigen Behörden. Besonders in Schleswig-Holstein zeigt sich eine rückläufige Tendenz, die nun auch die politische Agenda des Landes bestimmt.

Entwicklung der Kontrolldichte in Schleswig-Holstein

Im Jahr 2025 wurden in Schleswig-Holstein lediglich 65,7 % der vorgeschriebenen Lebensmittelkontrollen durchgeführt. Dieser Wert markiert eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr, als die Quote noch bei 80,5 % lag.

Den Ergebnissen einer Recherche der Organisation Foodwatch zufolge, die auf einer Befragung von rund 400 kommunalen Behörden basiert, fielen damit mehr als ein Drittel der planmäßigen Kontrollen im nördlichsten Bundesland aus.

Dieser Trend steht im Kontext einer bundesweiten Herausforderung. Über alle Bundesländer hinweg lag die Quote der durchgeführten Kontrollen im Jahr 2025 bei rund 71 %. Damit unterschreitet auch der Bundesdurchschnitt die gesetzlichen Vorgaben signifikant, wobei die Situation in Schleswig-Holstein im direkten Vergleich eine überdurchschnittliche Lücke aufweist.

Einordnung durch das Verbraucherschutzministerium

Die zuständige Verbraucherschutzministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) lieferte eine differenzierte Einordnung dieser Zahlen. Laut Berichten vom September 2026 betonte die Ministerin, dass die ermittelte Quote für Schleswig-Holstein lediglich auf den auswertbaren Angaben von 13 der insgesamt 15 zuständigen Behörden beruhe.

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Zudem wies Schmachtenberg darauf hin, dass in der Statistik ausschließlich die planmäßigen Kontrollen erfasst seien. Sogenannte anlassbezogene Überprüfungen, die aufgrund konkreter Verdachtsfälle oder Beschwerden durchgeführt werden, seien in diesen Prozentwerten nicht enthalten.

Dennoch verdeutlichen die Daten eine Belastungsgrenze der kommunalen Überwachungsstrukturen, die eine vollständige Erfüllung der Kontrollintervalle im Jahr 2025 verhinderte.

Parlamentarische Aufarbeitung der Personalstruktur

Die personelle Situation in den Kontrollbehörden ist Gegenstand einer umfassenden parlamentarischen Initiative. Der Fraktionschef des SSW, Christian Dirschauer, hat eine Große Anfrage an die Landesregierung gerichtet, um die Hintergründe der sinkenden Kontrollquoten zu klären. Das Dokument umfasst insgesamt 80 Einzelfragen, die sich detailliert mit der Arbeitsfähigkeit der Lebensmittelüberwachung befassen.

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Dirschauer forderte Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) dazu auf, die bestehenden Personalprobleme innerhalb der Behörden offenzulegen. Ziel der Anfrage sei es, Transparenz über die personelle Ausstattung und die daraus resultierenden Engpässe bei der Überwachung von Lebensmittelbetrieben zu schaffen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden Aufschluss darüber geben müssen, inwieweit strukturelle Defizite für den Ausfall von mehr als einem Drittel der Kontrollen verantwortlich sind und welche Maßnahmen zur Sicherstellung des Verbraucherschutzes eingeleitet werden können.

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