Folsäure-Präparate, Asien

Folsäure-Präparate: In Asien sank das Schlaganfallrisiko um 22 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschungsergebnisse zur Schlaganfallprävention durch Vitamine fallen unterschiedlich aus; Leitlinien empfehlen Präparate nur bei nachgewiesenem Mangel.
Frisches grünes Blattgemüse auf einer hölzernen Unterlage als Symbol für eine ausgewogene Nährstoffaufnahme. Illustration mit AI erstellt.

Ob Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure und anderen B-Vitaminen das Risiko für einen Schlaganfall senken können, wird in der medizinischen Forschung seit Jahren untersucht. Mehrere Berichte beleuchten die teils widersprüchlichen Studienergebnisse und weisen darauf hin, dass eine zusätzliche Einnahme keineswegs für jeden Menschen sinnvoll oder notwendig ist.

Hohe Fallzahlen und die Rolle des Homocysteins

Die Dimension der Erkrankung ist erheblich: Laut der Deutschen Schlaganfallbegleitung ereignen sich in Deutschland jährlich 200.000 erstmalige sowie 70.000 wiederholte Schlaganfälle. Treten Warnsignale wie plötzliche Verwirrung, ein hängender Mundwinkel, Sprachstörungen oder eine einseitige Schwäche auf, muss umgehend der Notruf gewählt werden.

Im Fokus der Präventionsforschung steht häufig die Aminosäure Homocystein. Erhöhte Homocysteinwerte im Blut gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall. Folsäure (Vitamin B9) trägt gemeinsam mit den Vitaminen B6 und B12 dazu bei, Homocystein abzubauen und in Methionin umzuwandeln, was die Blutgefäße schont.

Folat unterstützt zudem die Zellteilung, die Blutbildung und die DNA-Synthese. Ein Mangel an Vitamin B12 wiederum kann Konzentration, Gedächtnis und Nervenfunktion beeinträchtigen; typische Symptome sind Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Gangunsicherheiten.

Zu den bekannten Risikogruppen für eine Unterversorgung mit Vitamin B12 zählen unter anderem ältere Personen, Vegetarier, Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen sowie Menschen, die über längere Zeit das Diabetes-Medikament Metformin einnehmen.

Uneinheitliche Studienlage zu Nahrungsergänzungsmitteln

Trotz der biologischen Mechanismen liefert die wissenschaftliche Literatur zur Schlaganfallprävention durch Vitaminpräparate ein differenziertes Bild:

  • Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2018, die 18 hochwertige Studien mit mehr als 2 Millionen Teilnehmern aus den Jahren 1970 bis 2016 zusammenfasste, ergab, dass Multivitamin- und Mineralstoffpräparate das Sterberisiko durch Schlaganfall oder Herzerkrankungen nicht senkten. Dieser Befund zeigte sich unabhängig von Alter, Geschlecht, Lebensstil oder der Dauer der Einnahme.
  • Ein sogenannter Umbrella Review aus dem Jahr 2019, der 13 Studien auswertete, fand lediglich für Folsäure eine schwache Assoziation mit einem verringerten Schlaganfallrisiko, während die Kombination aus Calcium und Vitamin D möglicherweise mit einem leicht erhöhten Risiko einherging.
  • Eine Meta-Analyse von 2012 ermittelte bei Menschen mit vorbestehenden Gefäßerkrankungen unter Gabe von B-Vitaminen (Folsäure, B6 und B12) eine Senkung des Schlaganfallrisikos um 12 Prozent.
  • Dagegen zeigte eine Netzwerk-Meta-Analyse im Jahr 2015, dass zwar die Kombination aus Folsäure und Vitamin B6 am effektivsten abschnitt, eine gleichzeitige Einnahme von Folsäure und Vitamin B12 jedoch schlechter abschnitt als ein Placebo.
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  • Eine weitere Meta-Analyse aus dem Jahr 2017 mit 22 randomisierten Studien und über 82.000 Teilnehmern zeigte eine Reduktion des Schlaganfallrisikos um insgesamt 11 Prozent. Regional gab es jedoch deutliche Unterschiede: In Asien lag die Verringerung bei 22 Prozent, während in Amerika kein signifikanter Nutzen nachweisbar war. Der deutlichste Effekt trat bei einer niedrigen Dosierung von maximal 0,8 Milligramm pro Tag in Ländern auf, in denen Grundnahrungsmittel nicht routinemäßig mit Folsäure angereichert werden.

Auch bei Personen mit Hyperhomocysteinämie bleibt die Evidenz komplex. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 über 36 randomisierte Studien zeigte zwar die stärkste Senkung der Homocysteinwerte bei Dosen von 5 bis 15 Milligramm pro Tag, aufgrund hoher Heterogenität und des Verzerrungspotenzials ließ sich daraus jedoch keine allgemeine Dosisempfehlung ableiten.

Leitlinien setzen auf Diagnostik und Basisprävention

Medizinische Fachgesellschaften warnen vor unkritischem Griff zu Vitaminpräparaten. Gemäß den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) gibt es keine Empfehlung für eine routinemäßige Nahrungsergänzung. Eine gezielte Gabe sei nur dann angezeigt, wenn im Rahmen einer Diagnostik ein tatsächlicher Mangel an Folat oder Vitamin B12 nachgewiesen wurde.

Zudem können Nahrungsergänzungsmittel die etablierten Säulen der Prävention nicht ersetzen. Die wirksamste Maßnahme gegen Schlaganfälle bleibt die konsequente Kontrolle und Behandlung der zentralen Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes mellitus und erhöhte Cholesterinwerte.

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Wer den Körper mit Folat versorgen möchte, kann dies auch über die Ernährung tun; als natürliche Quellen dienen unter anderem Spinat, Brokkoli, Kichererbsen, Nüsse und Vollkornprodukte.

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