Folsäure, Bevölkerung

Folsäure: Bei 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung reicht die Versorgung nicht

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 06:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute empfehlen ausgewogene Ernährung und gezielte Diagnostik; hoch dosiertes Vitamin D kann gesundheitliche Beschwerden auslösen.
Frisches, gesundes Gemüse und Nüsse auf einem Holztisch als Symbol für eine nährstoffreiche Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Gesundheitsberichte und Ratgeber thematisieren vermehrt den Zusammenhang zwischen einer unzureichenden Mikronährstoffversorgung und körperlichen Beeinträchtigungen. Ein Defizit an essenziellen Vitaminen und Mineralstoffen kann maßgeblich zu Befindlichkeitsschwankungen, anhaltender Erschöpfung sowie zyklusbedingten Beschwerden beitragen.

Zyklusbeschwerden, Lebensstil und hormonelle Balance

Zyklusbedingte Befindlichkeitsschwankungen gelten aus medizinischer Sicht als normal. Nach Einschätzung der Gynäkologin Dr. med. Regina Gößwein können jedoch Faktoren wie anhaltender Stress, Schlafmangel und ein hoher Mental Load das Entstehen von Mikronährstoffmängeln begünstigen und die bestehenden Beschwerden verstärken.

Eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bildet die Basis zur Vorbeugung. Bei Bedarf kann eine gezielte Ergänzung von B-Vitaminen – insbesondere Vitamin B6 zur Regulierung der Hormontätigkeit – sowie der Vitamine A, C und D, Coenzym Q10, Zink, Selen und Magnesium infrage kommen. Magnesium ist dabei für die normale Funktion von Muskeln und Nerven von Bedeutung.

Zudem lassen sich zyklusbedingte Probleme durch Anpassungen der Lebensweise lindern. Regelmäßige Bewegung hilft dabei, Wassereinlagerungen abzubauen und Menstruationsschmerzen zu reduzieren. Als begleitende Maßnahmen werden Entspannung sowie eine ballaststoffreiche Kost empfohlen, während der Konsum von Salz, Süßigkeiten, Kaffee und Alkohol reduziert werden sollte.

Zur gezielten Nährstoffzufuhr existieren im Handel auch Kombinationspräparate wie Bonasanit plus, das über eine Kapsel und eine Magnesium-Brausetablette täglich acht Vitamine sowie fünf Mineralstoffe und Spurenelemente bereitstellt.

Verbreitung von Erschöpfung und Mangelerscheinungen

Erschöpfungssymptome sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Laut Daten des Statistikportals Statista fühlen sich 30 % der Menschen in Deutschland zwei- bis dreimal pro Woche müde und schläfrig, während 18 % täglich von Müdigkeit betroffen sind.

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Für mehrere Nährstoffe existiert eine offizielle Bestätigung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Demnach tragen die Vitamine B2, B3, B5, B9, B12 und Vitamin C zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.

Nach Angaben des MSD Manuals und des Bundesministeriums für Gesundheit kann eine Unterversorgung mit den Vitaminen B1, B3, B9, B12 oder C direkt zu Müdigkeitserscheinungen führen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass bei 80 bis 90 % der Bevölkerung eine unzureichende Versorgung mit Folsäure (Vitamin B9) vorliegt.

Neben allgemeiner Abgeschlagenheit kann auch das Phänomen des sogenannten Brain Fog auftreten. Nach Angaben der Internistin Dr. med. Dorothea Leinung kann diese Benommenheit durch eine Schilddrüsenunterfunktion verursacht werden, häufig infolge einer Hashimoto-Thyreoiditis.

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Bei anhaltenden Konzentrationsproblemen sollten daher auch die Eisen- und Vitamin-B12-Werte überprüft werden, da ein B12-Mangel bei Hashimoto häufiger vorkommt. Eine Besserung nach einer Dosisanpassung benötigt in der Regel einige Wochen. Als weitere Ursachen für geistige Erschöpfung gelten Schlafmangel, Stress und die Wechseljahre.

Risiken von Überdosierungen und Expertenempfehlungen

Vor einer unbedachten Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wird von Verbraucherschützern gewarnt. Sabine Holzäpfel von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät primär zu einer gesunden Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten.

Ein zusätzlicher Bedarf besteht vor allem in bestimmten Lebensphasen, etwa an Vitamin D bei Schwangeren und Stillenden oder an Vitamin B12 bei rein veganer Ernährung. Entsprechende Blutuntersuchungen auf einen Mangel werden von den gesetzlichen Krankenkassen allerdings meist nicht übernommen.

Am Beispiel von Vitamin D betonen Fachleute die Notwendigkeit differenzierter Diagnosen. Laut Stiftung Warentest lässt sich ein tatsächlicher Mangel ausschließlich über eine Blutanalyse feststellen, da Symptome wie Müdigkeit, Infektanfälligkeit oder Haarausfall auch andere Ursachen haben können.

Sofern die Speicher im Frühjahr und Sommer gut gefüllt wurden, reicht der Vorrat oft ohne zusätzliche Präparate durch den Winter. Bei nachgewiesen unzureichender Versorgung können in den Wintermonaten 20 Mikrogramm pro Tag ergänzt werden.

Das BfR warnt vor Überdosierungen: Hochdosierte Präparate mit 100 Mikrogramm (entsprechend 4.000 Internationalen Einheiten) oder mehr pro Tagesdosis seien nicht nötig. Langfristig exzessive Mengen an Vitamin D können selbst Müdigkeit sowie Übelkeit hervorrufen.

Dennoch greift ein Großteil der Bevölkerung zu Zusatzpräparaten: Laut einer Erhebung im Auftrag des Bfraus dem Jahr 2024 nehmen 62 % der Menschen in Deutschland mindestens einmal pro Woche Nahrungsergänzungsmittel ein.

Da diese rechtlich als Lebensmittel eingestuft sind und keiner Vorabkontrolle durch die Lebensmittelüberwachung unterliegen, fordern Fachleute eine verbindliche behördliche Zulassung.

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