Fodzyme bei Reizdarm: IBS-SSS sinkt in vier Wochen um 102,4 Punkte
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 03:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ernährungsbasierte Behandlung des Reizdarmsyndroms stellt für viele Betroffene eine erhebliche Herausforderung dar, insbesondere bei der Umsetzung einer strengen Diät mit reduzierten fermentierbaren Kohlenhydraten.
Eine am 12. Oktober 2026 auf der Jahrestagung des American College of Gastroenterology (ACG) in Nashville vorgestellte Untersuchung liefert nun neue Daten zum Einsatz gezielter Nahrungsergänzungsmittel.
Im Mittelpunkt der prospektiven Einarm-Studie stand das Präparat Fodzyme des Unternehmens Kiwi Biosciences, eine orale Enzymmischung aus Fructan-Hydrolase, Alpha-Galactosidase und Lactase. Das Supplement setzt spezifisch an drei von fünf bekannten FODMAP-Kategorien an: Fructanen, Galacto-Oligosacchariden und Lactose.
Für die Forschungsarbeit, die im Rahmen der Fachtagung mit dem ACG Outstanding Research Award im Bereich funktioneller Darmerkrankungen ausgezeichnet wurde, wurden 442 Reizdarmpatienten über einen Zeitraum von vier Wochen begleitet. Das mittlere Alter der Probanden betrug 50,3 Jahre, der Frauenanteil lag bei 86,0 Prozent. Zu Beginn sowie nach dem vierwöchigen Verlauf hielten 46,6 Prozent der Teilnehmenden eine Low-FODMAP-Diät ein.
Signifikante Reduktion der klinischen Beschwerden
Der primäre Endpunkt der Untersuchung, gemessen anhand des Reizdarmschweregrad-Scores IBS-SSS auf einer Skala von 0 bis 500 Punkten, verbesserte sich im Studienverlauf deutlich. Der Gesamtwert sank von durchschnittlich 269,7 Punkten vor der Intervention auf 167,3 Punkte nach vier Wochen. Dies entspricht einer mittleren Verringerung um 102,4 Punkte bei hoher statistischer Signifikanz (P<.001).
Dabei erzielten 69,2 Prozent der Teilnehmer eine klinisch relevante Reduktion von mindestens 50 Punkten, während 52,3 Prozent einen Rückgang um mindestens 100 Punkte aufwiesen. Das Ansprechen auf das Präparat zeigte sich über alle drei Reizdarmsubtypen hinweg vergleichbar (p=0,39).
Viele Betroffene kennen das: Die Low-FODMAP-Diät ist streng, der Alltag bleibt trotzdem unruhig. Eine neue Untersuchung mit 442 Reizdarmpatienten zeigt, wie sich der Beschwerde-Score nach vier Wochen verändert hat — von 269,7 auf 167,3 Punkte. Was das für Ihren Alltag bedeuten kann, lesen Sie in unserem kostenlosen Report. Jetzt kostenlosen Reizdarm-Report anfordern
Die Verbesserungen erstreckten sich über sämtliche Einzeldomänen des IBS-SSS:
- Die Schmerzstärke verringerte sich von 50,0 auf 38,3 Punkte.
- Die Schmerzhäufigkeit sank von 5,9 auf 3,9 Punkte.
- Die Werte für abdominale Distension fielen von 61,7 auf 43,2 Punkte.
- Die Unzufriedenheit mit dem Stuhlverhalten ging von 71,2 auf 47,2 Punkte zurück.
- Die wahrgenommene Beeinträchtigung des Lebens verringerte sich von 60,8 auf 38,4 Punkte (jeweils P<.001).
Ergänzende Messungen über das PROMIS-System bestätigten diese Tendenz. Die T-Scores für Bauchschmerzen verbesserten sich von 62,8 auf 57,9, jene für Blähungen von 63,2 auf 58,7 (jeweils P<.001).
Eine Besserung um mindestens fünf Punkte verzeichneten dabei 43,7 Prozent der Teilnehmenden beim Schmerz und 41,0 Prozent bei Blähungen. Parallel dazu stieg die Diätzufriedenheit von einem Ausgangswert von 2,7 auf 3,0 Punkte beziehungsweise 2,70 auf 2,98 Punkte (p<0,001).
Methodische Grenzen und Einordnung
Trotz der deutlichen Verbesserungen weisen Fachberichte auf methodische Einschränkungen des Studiendesigns hin. Da es sich um eine einarmige Vorher-Nachher-Untersuchung ohne separate Kontroll- oder Placebogruppe handelte, lässt die Datenlage keinen formalen Kausalitätsnachweis für die Wirksamkeit der Enzyme zu.
Sie halten die Diät ein und fragen sich trotzdem, ob ein Enzym-Präparat überhaupt etwas bringt? Die aktuelle Datenlage ist ehrlicher als viele Versprechen: Die Studie war einarmig, ohne Kontrollgruppe — ein Placeboeffekt lässt sich nicht ausschließen. Unser Report ordnet ein, was belastbar ist und was nicht. Kostenlose Einordnung jetzt sichern
Ein Placeboeffekt kann bei subjektiven Symptombewertungen einen erheblichen Einfluss haben. Zudem adressiert die Rezeptur des Nahrungsergänzungsmittels mit Fructanen, Galacto-Oligosacchariden und Lactose lediglich drei der fünf FODMAP-Klassen, womit andere fermentierbare Kohlenhydrate wie Polyole unberücksichtigt bleiben.
