Flughafenmalaria, Fälle

Flughafenmalaria: Acht Fälle und drei Tote in Frankfurt 2026

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Frankfurt wurden acht Malariafälle und drei Todesopfer registriert. Die Behörden prüfen weiterhin den möglichen Ursprung eingeschleppter Mücken.
Eine weitläufige Grünfläche nahe einer Flughafeninfrastruktur bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

In Frankfurt am Main ist ein dritter Todesfall infolge einer Infektion mit Malaria tropica bestätigt worden. Wie das Frankfurter Gesundheitsamt mitteilte, verstarb ein Anwohner aus dem Stadtteil Schwanheim nahe dem Flughafen an der durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelösten Erkrankung.

Die betroffene Person hatte zuvor kein Endemiegebiet bereist und war nicht am Flughafen tätig. Damit beläuft sich die Bilanz in Frankfurt auf insgesamt acht nachgewiesene Infektionen und drei Todesfälle im Kontext des Flugverkehrs.

Infektionsfälle im Umfeld des Frankfurter Flughafens

Nach Angaben des Gesundheitsamts Frankfurt wurden am 15. September 2026 zwei Anwohner aus Schwanheim, rund fünf Kilometer vom Flughafen entfernt, als erkrankt festgestellt. Beide Personen lebten in unterschiedlichen Haushalten, hatten keine Risikogebiete bereist und mussten stationär behandelt werden. Einer der beiden Patienten erlag der Infektion. Seit Anfang der Woche wurden nach Behördenangaben keine weiteren Fälle gemeldet.

Bereits im Sommer kam es am Frankfurter Flughafen zu Erkrankungen. Im Juli und August erkrankten sechs Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport an Malaria tropica; zwei von ihnen verstarben. Das Frankfurter Gesundheitsamt verzeichnete Anfang Juli zunächst fünf erkrankte Flughafenmitarbeiter und im August einen weiteren Fall.

Untersuchungen und Maßnahmen zur Mückenüberwachung

Als Ursache vermutet das Gesundheitsamt Frankfurt Anopheles-Mücken aus einem Malariagebiet, die mutmaßlich über den Flugverkehr eingeschleppt wurden. Das Mücken-Monitoring im Stadtteil Schwanheim wurde daraufhin ausgeweitet. Nach Angaben von Gesundheitsamtsleiter Peter Tinnemann ist die Überträgermücke wahrscheinlich mehrere Kilometer geflogen; nach Behördeneinschätzung können Mücken Distanzen von fünf bis zehn Kilometern zurücklegen.

Der genaue Zusammenhang der einzelnen Fälle bleibt derzeit ungeklärt. Eine abschließende behördliche Bewertung wird erst in mehreren Wochen erwartet. Im Tropenlabor des Instituts für Tropenmedizin in Antwerpen laufen derzeit genetische Untersuchungen von Blutproben der Neuerkrankten, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Für Fragen aus der Bevölkerung verzeichnet eine eingerichtete Hotline des Frankfurter Gesundheitsamts fünf bis zehn Anrufe pro Stunde. Die Behörde stuft das Risiko für die Allgemeinbevölkerung weiterhin als sehr gering ein, nachdem sie die Gefahr Ende August bereits als sehr, sehr gering bezeichnet hatte.

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Wissenschaftliche Einordnung der Übertragungsrisiken

Laut Parasitologe Sven Klimpel von der Goethe-Universität Frankfurt kommen acht heimische Anopheles-Arten als potenzielle Überträger in Betracht. Das Auftreten von sogenannter Flughafenmalaria an einem großen Drehkreuz bezeichnete der Experte als nicht überraschend.

Nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts ist Malaria tropica für mehr als 95 Prozent der weltweiten Malaria-Todesfälle verantwortlich. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation gab es im Jahr 2024 weltweit rund 600.000 Malaria-Tote.

Das Frankfurter Gesundheitsamt verweist darauf, dass rund 90 Prozent aller weltweiten Malariafälle auf Afrika südlich der Sahara entfallen. Die Inkubationszeit liegt zwischen 7 und 15 Tagen; eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.

Historischer Kontext der Flughafenmalaria in Europa

Nach Erhebungen des Robert Koch-Instituts wurden seit 2015 in Deutschland 19 Malariafälle mit wahrscheinlicher lokaler Übertragung registriert, darunter 14 Verdachtsfälle auf Flughafenmalaria. Diese verteilen sich auf zwei Fälle im Jahr 2019, drei im Jahr 2022, einen Fall 2023 sowie acht Fälle im laufenden Jahr 2026.

Eine Eurosurveillance-Studie aus dem Jahr 2024 erfasste für den Zeitraum von 1969 bis Anfang 2024 europaweit 145 autochthone Malariafälle, von denen mehr als zwei Drittel auf Flughafenmalaria entfielen. Dabei entfielen 52 Fälle auf Frankreich, 19 auf Belgien und neun auf Deutschland (davon acht in Frankfurt und einer in München).

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Zudem verzeichnete die Studie 32 Fälle sogenannter Koffer-Malaria, davon drei in Deutschland. Im Jahr 2022 waren laut der Studie mehr als 99 Prozent der 6.131 in Europa registrierten Malariafälle importiert.

In anderen Regionen wird das Risiko derweil anders bewertet: Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg und der Tübinger Tropenmediziner Kremsner schätzen das Ansteckungsrisiko in Baden-Württemberg als sehr gering ein. An den Flughäfen in Stuttgart und Baden-Baden gebe es keine Flugverbindungen in Malaria-Endemiegebiete; in den vergangenen Jahrzehnten wurden dort keine entsprechenden Infektionen beobachtet.

Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Flughafen-Malaria in Frankfurt: Weiterer Todesfall gemeldet – News“

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