Flock Safety bis Ende 2026: Fallnummern und automatische Kontosperren geplant
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Technologieanbieter Flock Safety passt die Vorgaben für Zugriffe auf sein Überwachungssystem an. Nutzer müssen künftige Datenbanksuchen detaillierter begründen. Das bisher genutzte Freitextfeld für Begründungen wird schrittweise durch standardisierte Kategorien ersetzt, die sich am Kriminalitätsmeldesystem der US-Bundespolizei FBI orientieren.
Die Umstellung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Debatten über Bürgerrechte und behördliche Kontrollmechanismen beim Einsatz automatisierter Kennzeichenlesegeräte (ALPR).
Standardisierte Abfragen und kürzere Speicherzeiten
Neben den bundesweit vereinheitlichten Deliktfiltern plant Flock Safety weitere Einschränkungen für den behördlichen Zugriff. Bis Ende 2026 sollen Polizeinutzer zusätzlich verpflichtet werden, bei Abfragen eine konkrete Fallnummer anzugeben, wobei diese Pflicht in akuten Notfällen entfallen kann.
Zudem beabsichtigt das Unternehmen, bis Ende 2026 eine automatische Prüfsoftware für alle Polizeikunden verbindlich vorzuschreiben und Konten bei auffälligen Suchmustern automatisiert zu sperren.
Gleichzeitig verändern sich die Rahmenbedingungen bei der Datenspeicherung: Neukunden erhalten die Speicherung standardmäßig auf sieben statt zuvor 30 Tage verkürzt, während Bestandskunden diese kürzere Frist eigenständig auswählen müssen.
Nach Unternehmensangaben nutzen derzeit rund 3 Prozent der Polizeikunden Speicherfristen von mehr als 30 Tagen; maximal ist eine Aufbewahrung von bis zu einem Jahr möglich.
Flock Safety betont, dass die Behörden die Kontrolle über die Daten behielten und Freigaben standardmäßig deaktiviert seien. Ein unabhängiger Penetrationstest habe laut dem Unternehmen keine größeren Sicherheitslücken aufgezeigt, während kleinere Befunde behoben worden seien.
Massenüberwachung und das Risiko von Fehlidentifikationen
Die Reichweite des Netzwerks ist beträchtlich: Flocks System verarbeitet monatlich rund 20 Milliarden Kennzeichenscans über mehr als 120.000 Kameras in 49 US-Bundesstaaten und bedient rund 7.000 Behördenkunden. Kritiker weisen jedoch auf Risiken hin, die durch fehlerhafte Auswertungen entstehen können.
Der Anbieter ersetzt das Freitextfeld für Suchbegründungen durch standardisierte Deliktkategorien und will Polizeinutzer bis Ende 2026 zusätzlich zu einer konkreten Fallnummer verpflichten — in Notfällen entfällt die Pflicht. Wer heute noch mit pauschalen Suchmustern arbeitet, riskiert automatische Kontosperren. Kostenlosen Compliance-Leitfaden für ALPR-Kunden anfordern
Vor einem Unterausschuss des US-Senats schilderte die Betroffene Lindsey Isaacs die Folgen einer behördlichen Fehlzuordnung. Nach einem tödlichen Verkehrsunfall im Oktober 2025 hatte eine Flock-Kamera ihren schwarzen Dodge Durango etwa 3 Meilen vom Unfallort und rund 2 Minuten vor dem Zusammenstoß erfasst.
Obwohl die Ermittler eigentlich nach einem maronenfarbenen Fahrzeug suchten und Isaacs’ Wagen unbeschädigt war, wurde sie wegen acht Straftaten festgenommen und verbrachte 13 Tage in Haft, ehe die Anklagen im Mai 2026 fallengelassen wurden.
Der Zeuge Alasdair Whitney forderte in der Senatsanhörung richterliche Anordnungen für den Zugriff auf historische Standortdaten sowie strikte Speicherbegrenzungen. Zudem widersprach der Zeuge Benn Jordan der Darstellung von Flock Safety, nie kompromittiert worden zu sein, und gab an, unbefugte Datenzugriffe seien vorgekommen.
Wachsender Regulierungsdruck auf Bundesebene
Im US-Senat geraten automatisierte Kennzeichensysteme zunehmend parteiübergreifend unter Druck. Senatoren kritisierten das Potenzial für anlasslose Überwachungen, Missbrauchsrisiken und lückenhafte Sicherheitsvorkehrungen. Eine Einladung zur Anhörung vor dem Senatsunterausschuss ließen Flock Safety sowie die Branchenunternehmen Axon, Motorola und Verkada ungenutzt verstreichen, was der US-Senator Josh Hawley scharf rügte.
Bestandskunden müssen die verkürzte Speicherfrist von sieben Tagen eigenständig wählen — Neukunden erhalten sie automatisch. Wer die Fristen nicht aktiv nachzieht, arbeitet mit einem Datenbestand, der bei einer Prüfung zum Problem wird. Audit-Vorlage für Speicherfristen jetzt sichern
Flock Safety legte Hawley im Nachgang die neuen Prüf- und Sperrfunktionen dar. Bereits in einem Schreiben vom 8. September 2026 hatte der Chefjustiziar von Flock Safety an Hawley mitgeteilt, Datenschutz dürfe nicht vom individuellen Ermessen oder wirtschaftlichen Interessen eines einzelnen Anbieters abhängen; das Unternehmen begrüße daher einen bundesweiten Rechtsrahmen.
Zusätzliche Initiativen kommen aus dem Senat: Die Senatoren Raphael Warnock und Katie Britt forderten das US-Justizministerium am 21. September 2026 dazu auf, Leitlinien für den Einsatz von ALPR-Systemen festzulegen. Das Ministerium soll bis zum 21. Oktober 2026 offizielle Antworten zu Finanzierung, Schulungsstandards, Datenregeln und Aufsichtsmechanismen vorlegen.
