Flexible Arbeitszeiten: 76% der Unternehmen setzen auf Flexibilität
27.05.2026 - 07:30:11 | boerse-global.deDie Randstad-ifo-HR-Befragung für das erste Quartal 2026 zeigt: Flexibilität ist längst kein Nice-to-have mehr, sondern entscheidender Wettbewerbsfaktor im Kampf um Fachkräfte.
Verena Menne von Randstad erklärte am Montag, dass flexible Arbeitszeiten seit der Pandemie eine feste Erwartung der Arbeitnehmer seien. 66 Prozent der Betriebe investieren zudem in Weiterbildungsangebote – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (68 Prozent).
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Überraschend: Die überdurchschnittliche Bezahlung rangiert mit 30 Prozent deutlich hinter flexiblen Arbeitsorten (31 Prozent) oder allgemeinen Zusatzangeboten (57 Prozent).
Grenzen der Flexibilisierung
Spezielle Modelle bleiben die Ausnahme. Die Vier-Tage-Woche bieten nur 10 Prozent der Unternehmen an, Sabbaticals 9 Prozent und Workations gerade einmal 4 Prozent.
Gleichzeitig sorgt die Debatte um extreme Arbeitszeiten für Diskussionen. Caspar Coppetti, Co-CEO des Sportartikelherstellers On, sprach am Dienstag von einer 80-Stunden-Woche. Das Unternehmen relativierte später: überspitzt, aber mit wahrem Kern.
On meldete für das erste Quartal 2026 ein Umsatzwachstum von 15 Prozent auf 832 Millionen Franken – währungsbereinigt ein Plus von 26 Prozent.
Das „Strategic Life Portfolio“
Arbeitspsychologen warnen vor Überlastung. Rainer Strack von der Boston Consulting Group stellte heute das Modell des „Strategic Life Portfolio“ vor. Seine Botschaft: Zeit ist begrenzt. Eine mangelhafte Work-Life-Balance führt unweigerlich zu Krankheit und Fluktuation.
Die Methode bewertet sechs Lebensbereiche auf einer Skala von eins bis zehn – nach Bedeutung und aktueller Zufriedenheit. Das Ergebnis: eine Visualisierung der eigenen Lebenssituation.
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Benefits wie Fitnessangebote oder Mobilitätslösungen sollen die Arbeitgeberattraktivität steigern. Sandra Strauss vom Urban Sports Club warnte jedoch am Dienstag beim New Work Summit: Benefits sind kein Gehaltsersatz. Sie dürften nicht dazu dienen, Mitarbeiter fit für weitere Überstunden zu machen.
Entscheidend sei, dass Führungskräfte diese Angebote selbst vorleben. Eine Stepstone-Umfrage bestätigt: Flexible Arbeitszeiten, zusätzlicher Urlaub und Gesundheitsangebote gehören zu den häufigsten Wünschen der Belegschaft.
Bewegung am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen
Die Forschung liefert präzise Daten zur Gesundheitsvorsorge. Eine am Dienstag veröffentlichte chinesische Studie zeigt: Zehn Stunden Sport pro Woche senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 30 Prozent.
Die WHO empfiehlt mindestens 1,5 Stunden moderate Aktivität pro Woche – das reduziert das Risiko lediglich um 9 Prozent. In Deutschland bewegen sich derzeit etwa 12 Prozent der Erwachsenen zu wenig.
Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Eine Bostoner Studie, über die am Montag berichtet wurde, deutet darauf hin: Bewegung zwischen 7:00 und 8:00 Uhr morgens ist besonders effektiv gegen Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Probleme.
Glück ist machbar
Die Glücksforschung rückt verstärkt in den Fokus. Psychologin Judith Mangelsdorf von der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport erklärte am Montag: 36 Prozent des subjektiven Glücksempfindens sind genetisch bedingt. Die verbleibenden 64 Prozent hängen von Lebensumständen und individueller Gestaltung ab.
Stabile Bezugspersonen und die Nutzung digitaler Medien spielen eine entscheidende Rolle. Passives Scrollen in sozialen Netzwerken gilt als destruktiv. Kommunikationsdienste wie WhatsApp können dagegen positive soziale Effekte erzielen.
Elterngeld: Prien stellt die Weichen
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kündigte am Dienstag an: Die Einkommensgrenze beim Elterngeld bleibt bei 175.000 Euro. Stattdessen sprach sie sich für eine Anhebung der Mindest- und Höchstbeträge aus – um der Inflation Rechnung zu tragen.
Einsparungen sollen durch Anpassungen bei der Bezugsdauer und der Förderung der Partnerschaftlichkeit erzielt werden. Ein Kabinettsbeschluss wird für den 7. Juli erwartet. Der Bund stellt 2026 rund 7,5 Milliarden Euro für das Elterngeld bereit.
Wertguthaben: Die Rente früher genießen
Betriebliche Vorsorgemodelle wie Wertguthaben gewinnen an Bedeutung. Beschäftigte sparen Überstunden, Urlaubstage oder Sonderzahlungen an – für eine bezahlte Freistellung vor dem Renteneintritt.
Am Montag wurden Details bekannt: Bei einem Jobwechsel muss der neue Arbeitgeber das Guthaben übernehmen. Geschieht das nicht, übernimmt die Deutsche Rentenversicherung das Guthaben treuhänderisch – sofern 2026 eine Mindesthöhe von 23.730 Euro erreicht wird.
In der Freistellungsphase werden monatlich zwischen 70 und 130 Prozent des früheren Durchschnittsverdienstes ausgezahlt. Steuern und Sozialabgaben fallen erst bei der Auszahlung an.
Ausblick: Depression als globale Herausforderung
Die Weltgesundheitsorganisation prognostiziert: Depressionen werden bis 2030 weltweit die zweithäufigste Ursache für gesundheitliche Belastungen sein. Das erhöht den Druck auf Unternehmen, eine Kultur der Achtsamkeit und Prävention zu etablieren.
Die AOK rät Beschäftigten bereits heute zu mehr Selbstbewusstsein bei der Einforderung von Ruhephasen. Dass ein langes und erfülltes Leben jenseits starrer Regeln gelingen kann, zeigen Beispiele wie der 102-jährige Franz, der in aktuellen Longevity-Berichten als Beleg für gelungenes Altern angeführt wird.
Soziologin Eva-Marie Kessler betont: Die innere Einstellung zum Altern und zur Lebensgestaltung spielt eine wesentliche Rolle für die langfristige Vitalität. Ob die eingeleiteten Reformen ausreichen, um den prognostizierten Belastungen zu begegnen, werden die kommenden Jahre zeigen.
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