Fledermaus-Stoffwechsel, Fettsäure-Transport

Fledermaus-Stoffwechsel: 70% mehr Fettsäure-Transport wie Zugvögel

27.05.2026 - 10:00:08 | boerse-global.de

Neue Studie belegt: Rauhautfledermäuse nutzen während der Migration effiziente Fettverbrennung wie Vögel.

Fledermaus-Stoffwechsel: 70% mehr Fettsäure-Transport wie Zugvögel - Foto: über boerse-global.de
Fledermaus-Stoffwechsel: 70% mehr Fettsäure-Transport wie Zugvögel - Foto: über boerse-global.de

Rauhautfledermäuse nutzen während ihrer Migration Fettsäureoxidation – genau wie Zugvögel.

Überraschende Parallele zwischen Fledermaus und Vogel

Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und von Helmholtz Munich haben am Mittwoch im „FASEB Journal“ eine Entdeckung veröffentlicht: Die Konzentration von Acylcarnitinen im Blut ziehender Fledermäuse ist um 70 Prozent erhöht. Diese Moleküle transportieren Fettsäuren in die Mitochondrien, wo sie zu Energie verbrannt werden.

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Bislang galt: Säugetiere können bei Höchstleistungen nur begrenzt auf Fettverbrennung zurückgreifen. Vögel hingegen sind bekannte Spezialisten dafür. Die Studie zeigt nun: Rauhautfledermäuse (Pipistrellus nathusii) sind es auch. Fett liefert mehr Energie pro Gramm als Kohlenhydrate oder Proteine – ideal für Langstreckenflüge.

„Die Tiere haben ihren Stoffwechsel so optimiert, dass sie Fettdepots effizient nutzen können“, erklären die Forscher Alesia Walker, Shannon Currie und Christian Voigt. Das ermöglicht hohe Fluggeschwindigkeiten über lange Zeiträume.

Bedrohte Quartiere trotz perfekter Physiologie

Doch selbst der beste Stoffwechsel nützt wenig, wenn die Lebensräume schwinden. Der NABU meldet: In Rheinland-Pfalz suchen Helfer aktuell intensiv nach dem Grauen Langohr – einer vom Aussterben bedrohten Art. Von 50 ehemaligen Quartieren an der Mosel waren nur 30 noch bewohnt.

Ein kleiner Lichtblick: In einer Kirche entdeckten die Experten zwei Weibchen in einer Wochenstube. Das macht Hoffnung auf Nachwuchs. Hauptursachen für den Rückgang sind akuter Insektenmangel und die Zerstörung von Quartieren durch Bauarbeiten.

Bei einer öffentlichen Führung im Benrather Schlosspark in Düsseldorf informierte die Organisation „Fledermaus NRW“ am Samstag rund 40 Teilnehmer. In Düsseldorf allein sind 17 Fledermausarten heimisch – darunter die Zwergfledermaus mit gerade mal fünf Gramm Gewicht. Ihr Lebenspotenzial: bis zu 40 Jahre.

Migrationsrekorde und besorgniserregende Trends

Die Fledermaus-Forschung fügt sich in ein größeres Bild aktueller Migrationsstudien ein. In Hessen wurde am Montag ein massenhaftes Auftreten des Distelfalters beobachtet. Diese Schmetterlinge legen über 3.000 Kilometer zurück – der aktuelle Einflug ist so stark wie zuletzt 2009 und 2019.

Ein Weißstorch namens „Danilo“ kehrte im Mai nach 18.000 Kilometern Gesamtstrecke nach Kalabrien zurück. Das Projekt „Cicogna bianca Calabria“ dokumentierte die Rekordreise.

Dagegen zeigen heimische Vogelarten besorgniserregende Rückgänge. Die NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“ Anfang Mai verzeichnete:
- Haussperling: minus 9 Prozent
- Mehlschwalbe: minus 12 Prozent
- Mauersegler: minus 25 Prozent (in Mecklenburg-Vorpommern sogar minus 45 Prozent)

Positive Ausnahmen: Die Amsel erholte sich um 6 Prozent, der Buchfink legte 14 Prozent zu, der Grünfink 3 Prozent.

Evolutionäre Parallelen in der Forschung

Die Anpassungsfähigkeit von Organismen beschäftigt auch andere Forschungszweige. Eine am Dienstag in „Nature“ veröffentlichte Studie der Universität Basel untersuchte Buntbarsche im Tanganjikasee. Fleischfressende Arten entwickeln demnach mehr Zellen für die Fettaufnahme – ein weiteres Beispiel für effiziente Energienutzung über verschiedene Gattungen hinweg.

Eine Metaanalyse der Universitäten Salzburg und Auckland, veröffentlicht am Montag im „Psychological Bulletin“, zeigt: Bei über 3.400 Teilnehmern hat ein durchschnittliches Fasten von zwölf Stunden keinen signifikanten Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit. Erst bei längeren Perioden zeigten sich leichte Einbußen – besonders bei Kindern.

Konvergente Evolution als Schlüssel

Die vogelähnliche Fettverbrennung der Fledermäuse ist ein Paradebeispiel für konvergente Evolution: Unterschiedliche Tiergruppen entwickeln ähnliche Lösungen für dieselbe Herausforderung – hier den energieintensiven Langstreckenflug.

Die Forscher betonen: Die Grenzen zwischen Vogel- und Säugetierstoffwechsel sind fließender als gedacht. Diese metabolische Flexibilität ermöglicht die Besetzung ökologischer Nischen, die weite Wanderungen erfordern.

Schutzmaßnahmen als Überlebensfrage

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Die NABU-Daten zeigen jedoch: Physiologische Perfektion nützt wenig, wenn die Rahmenbedingungen fehlen. Ein effizienter Fettstoffwechsel setzt voraus, dass die Tiere in Brut- und Rastgebieten genügend Nahrung finden, um Reserven anzulegen. Der Rückgang bei Insektenfressern ist ein Warnsignal.

Künftige Forschung muss klären, wie klimatische Veränderungen die Migrationsfähigkeit beeinflussen. Wenn Fledermäuse punktgenau Fettreserven mobilisieren müssen, könnten zeitliche Verschiebungen im Insektenaufkommen fatale Folgen haben.

Vor Ort bleibt der Schutz der Quartiere die dringlichste Aufgabe. Die nächste bundesweite Bestandsaufnahme im Rahmen der „Stunde der Wintervögel“ ist für den 8. bis 10. Januar 2027 geplant.

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