Fitness-Tracker am Oberarm: Warum der Wechsel genauere Gesundheitsdaten verspricht
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erfassung von Vital- und Fitnessdaten gehört längst zum Alltag vieler Menschen. Bei der Platzierung der Messgeräte zeichnet sich jedoch ein Wandel ab: Fitness-Armbänder werden zunehmend am Oberarm statt am klassischen Handgelenk getragen, um die Genauigkeit der Gesundheitsmessungen zu optimieren.
Zwar liegen für diesen Trend im vorliegenden Branchenbericht von Anfang Oktober 2026 keine konkreten Messreihen oder Studienzahlen vor, die Nachfrage nach alternativen Trageformen spiegelt sich jedoch auch im Marktwachstum wider.
Laut Smart Analytics Global wuchs der Markt für Fitnessbänder ohne Display im zweiten Quartal 2026 um 122 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei der Anbieter Whoop einen Marktanteil von 54 Prozent hält.
Grenzen optischer Sensoren am Handgelenk
Dass Sensoren am Handgelenk nicht immer exakte Ergebnisse liefern, verdeutlichte eine am 29. Juli 2026 im Fachjournal PLOS One veröffentlichte Untersuchung der Florida International University. Bei 58 Erwachsenen auf dem Liegefahrrad wurden vier Smartwatches mit dem Stoffwechselanalysator COSMED K5 verglichen.
Während die Fitbit Sense 2 unbrauchbare Daten mit Fehlern und unrealistisch niedrigen Werten lieferte, überschätzten andere Modelle den Kalorienverbrauch um 15 bis 25 Prozent, wobei die schlechtesten Schätzungen deutlich höher lagen und Apple am besten abschnitt.
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Mit steigendem Körperfettanteil wurden die Werte unpräziser; bei angezeigten 500 Kalorien lag der tatsächliche Verbrauch oft nur bei etwa 350. Studienautor Dr. Jason Kostrna empfahl, die Kalorienangaben lediglich als Obergrenze zu betrachten und eher abzurunden, während die Herzfrequenz und entsprechende Zonen verlässlichere Orientierung böten.
Ein Test des Xiaomi Smart Band 10 zeigte bei der Pulsmessung im Vergleich zu einem Oberarm-Blutdruckmessgerät von Beurer in acht von zehn Fällen etwas höhere Werte mit einer Abweichung von meist ein bis sechs Schlägen pro Minute. Das unter 50 Euro teure Xiaomi-Gerät erzielte 90 von 100 Punkten im Test, wiegt ohne Armband rund 16 Gramm und bietet eine Akkulaufzeit von etwa drei Wochen.
Blutdruckmessung zwischen Manschette und Ring
Besonders bei der Erfassung des Blutdrucks gilt der Oberarm unverändert als Referenz. Um am Handgelenk verlässliche Daten zu liefern, nutzt die Huawei Watch D3 eine Mini-Manschette im Armband, die oszillometrisch wie ein Oberarmgerät arbeitet. Die Uhr ist für Einzelmessungen sowie die ambulante 24-Stunden-Messung zertifiziert und wies im Test eine hohe Ähnlichkeit zu Oberarm-Vergleichsgeräten auf.
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Der Hypertonie-Experte Prof. Dr. Florian P. Limbourg von der Medizinischen Hochschule Hannover ordnete den Nutzen positiv ein. Samsung verlangt für die sensorbasierte Messung der Galaxy Watch hingegen eine regelmäßige Kalibrierung mit einem Oberarmgerät, während aktuelle Apple-Watch-Modelle lediglich Anzeichen für chronischen Bluthochdruck erkennen können, ohne exakte Werte auszugeben.
Neue Wege geht Happy Health: Das Unternehmen erhielt nach einer Entscheidung vom 3. September 2026 die US-Zulassung für einen Smart Ring, der den Blutdruck ohne Manschette und ohne Kalibrierung erfasst. Eine klinische Untersuchung an 85 Personen zeigte geringe Abweichungen im Vergleich zu invasiven Messungen.
Parallel dazu erforscht die Freie Universität Bozen Schweißsensoren auf Basis von Kohlenstoffelektroden zur Erkennung von Entzündungsmarkern, wobei eine breitere diagnostische Nutzung noch Gegenstand weiterer Entwicklung ist. Bereits 2022 hatte die Deutsche Herzstiftung das Potenzial von Wearables betont, jedoch darauf verwiesen, dass diese den Arztbesuch nicht ersetzen.

