Fitness-Studie: Kombination aus Kraft und Ausdauer senkt Sterblichkeit um 45%
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der professionellen Fitnessberatung und Sportwissenschaft rückt die Bedeutung einfacher Alltagsaktivitäten zunehmend gegenüber komplexen physiologischen Messwerten in den Vordergrund.
Wie aktuelle Analysen und Expertenmeinungen zeigen, ist für die breite Bevölkerung die tägliche Schrittzahl oft ein relevanterer Indikator für die Gesundheit als spezialisierte Metriken wie die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) oder das sogenannte Zone-2-Training.
Priorisierung von Alltagsbewegung gegenüber Leistungsdaten
Der Fitness-Experte Harley Pasternak, der unter anderem für die Betreuung von Persönlichkeiten wie Rihanna bekannt ist, betonte in einer aktuellen Stellungnahme die übergeordnete Bedeutung der täglichen Bewegung.
Pasternak definiert das Zone-2-Training als eine Belastung bei 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz, während die VO2max als Maßstab für die Effizienz der Sauerstoffverwertung im Körper dient. Nach Einschätzung des Experten seien diese Werte jedoch primär für Spitzensportler oder Personen in der Rehabilitation nach einem Herzinfarkt von Relevanz.
Für die Allgemeinheit empfiehlt der Trainer eine Rückbesinnung auf einfache Aktivitäten statt einer übermäßigen Datenoptimierung. Zur Senkung des Risikos für chronische Krankheiten verweist er auf allgemeine Richtlinien, die eine wöchentliche Aktivität von 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Bewegung vorsehen.
Langfristige Effekte auf Organfunktion und Sterblichkeit
Wissenschaftliche Untersuchungen stützen die Relevanz körperlicher Fitness für verschiedene Organsysteme. Eine japanische Beobachtungsstudie, die in der Fachzeitschrift „Medicine & Science in Sports & Exercise“ veröffentlicht wurde, untersuchte über einen Zeitraum von fünf Jahren 198 Erwachsene mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren.
Die Forscher stellten fest, dass eine höhere Herz-Lungen-Fitness mit einem langsameren altersbedingten Rückgang der Nierenfunktion verbunden ist. Bei fitteren Teilnehmern trat eine Verschlechterung der Nierenfunktion um 20 Prozent oder mehr deutlich seltener auf.
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Ergänzend dazu liefert eine langfristige Harvard-Studie mit knapp 150.000 Probanden und einem Beobachtungszeitraum von bis zu 30 Jahren detaillierte Daten zum Nutzen von Krafttraining.
Den Ergebnissen zufolge senken 90 bis 119 Minuten Krafttraining pro Woche das allgemeine Sterberisiko um 13 Prozent. Speziell das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringerte sich um 19 Prozent, während das Demenzrisiko um 27 Prozent sank.
Ein Zeitaufwand von mehr als 120 Minuten pro Woche erbrachte laut der Studie keinen zusätzlichen Nutzen. Die effektivste Prävention bot die Kombination aus 60 bis 119 Minuten Krafttraining und zusätzlichem Ausdauertraining, wodurch das Sterberisiko um 45 Prozent gesenkt werden konnte.
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Alltagsintegration und technologische Hilfsmittel
Neben gezielten Trainingseinheiten wird die Bedeutung kleinerer Belastungen im Alltag oft unterschätzt. Eine Meta-Analyse von neun Studien mit insgesamt 480.479 Teilnehmern ergab, dass regelmäßiges Treppensteigen das Risiko eines Todes durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 39 Prozent reduziert. Die Gesamtsterblichkeit sank in diesem Zusammenhang um 24 Prozent. Als Richtwert gelten hier etwa sechs Stockwerke pro Tag.
Kritisch wird hingegen der Einsatz bestimmter Hilfsmittel und Substanzen bewertet:
- E-Bikes: Der Salzburger Kardiologe Josef Niebauer warnt davor, das E-Bike lediglich als bequemen Ersatz für Training zu nutzen. Wer einen echten Trainingseffekt erzielen wolle, müsse das Herz-Kreislauf-System fordern. Er rät dazu, den Motor so wenig wie möglich einzusetzen.
- Kompressionskleidung: Laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es keine Belege für eine Leistungssteigerung oder eine verringerte Muskelermüdung durch Kompressionstextilien. Sie können zwar ein subjektives Gefühl der Stabilität vermitteln, helfen jedoch nicht gegen Muskelkater und können bei bestehenden Gefäßerkrankungen wie der pAVK gefährlich sein.
- Pharmakologische Substanzen: Im Kontext des Kraftsports wird teils Testosteron-Enantat zur Leistungssteigerung genutzt. Dies kann zwar die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöhen, führt jedoch nicht automatisch zu einer verbesserten VO2max. Stattdessen steigen die Risiken für Bluthochdruck und Gefäßkomplikationen erheblich.
Zusammenfassend weisen Experten und Studien darauf hin, dass eine kontinuierliche Alltagsaktivität und ein moderates, kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining die stabilste Basis für eine langfristige Gesundheit bilden. Die Konzentration auf hochspezialisierte Fitness-Metriken bleibt hingegen weitgehend dem Leistungssport vorbehalten.
