Fiskalerbschaften: Hamburg erbt 291 Mal und streicht 1,4 Mio. ein
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 10:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Hamburg ist die Zahl der Fiskalerbschaften im ersten Halbjahr 2026 sprunghaft angestiegen. 291 Mal trat der Staat als gesetzlicher Erbe ein – und strich dafür mehr als 1,4 Millionen Euro ein.
Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Menschen sterben ohne Testament oder auffindbare Erben. Die Finanzbehörde verbuchte davon rund 1,29 Millionen Euro, der Landesbetrieb für Immobilienmanagement (LIG) weitere 149.000 Euro. Die Zahlen stammen aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten David Stoop.
Einnahmen steigen kontinuierlich
Der Vergleich mit den Vorjahren zeigt eine klare Entwicklung. 2024 lagen die Erlöse aus herrenlosen Nachlässen in Hamburg noch bei rund 850.000 Euro. 2025 kletterten sie auf 1,19 Millionen Euro. Die Linke fordert vor diesem Hintergrund eine konsequentere Besteuerung großer Erbschaften.
Doch nicht nur der Staat erbt per Gesetz. Auch gezielte testamentarische Verfügungen bescheren Kommunen unerwartete Millionen.
1,8 Millionen für eine kleine Gemeinde
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Ein Beispiel aus Baden-Württemberg zeigt, welche Summen plötzlich auf dem Tisch landen können. Ein 83-jähriger Bürger aus Auggen verstarb und hinterließ seiner Gemeinde ein Barvermögen von 1,8 Millionen Euro – plus ein Grundstück im Wert von 449.000 Euro.
Die Gemeindeverwaltung will das Geld zweckgebunden einsetzen. Geplant sind die Förderung der örtlichen Grundschule und eine Einlage in die Bürgerstiftung. Für kleine Gemeinden sind solche Nachlässe ein finanzieller Glücksfall, der weit über den regulären Haushalt hinausgeht.
Rekord bei der Erbschaftsteuer
Bundesweit erreichten die Erbschaften neue Höhen. 2024 verzeichnete die Erbschaft- und Schenkungsteuer mit 13,3 Milliarden Euro einen Rekordwert – ein Plus von 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das vererbte Grundvermögen bezifferten Experten auf rund 27,4 Milliarden Euro.
Die regionalen Unterschiede sind dabei enorm:
- Hessen: Rund 9,6 Milliarden Euro wurden 2024 vererbt oder verschenkt. Der durchschnittliche Steuersatz lag bei 20,2 Prozent.
- Rheinland-Pfalz: Hier wurde die festgesetzte Steuer auf 1,75 Milliarden Euro beziffert.
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Bayern erlässt Milliarden – und die Kritik wächst
Während die Einnahmen aus Fiskalerbschaften steigen, sorgt die Handhabung der Erbschaftsteuer bei sehr großen Vermögen für politischen Zündstoff. In Bayern explodierten die Steuererlässe im Rahmen der sogenannten Verschonungsbedarfsprüfung regelrecht.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von 25,31 Millionen Euro im Jahr 2019 stieg die Summe der Verschonungen auf über 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2023. 2024 wurden weitere 806 Millionen Euro erlassen. Prognosen für 2025 deuten auf bis zu 2,4 Milliarden Euro hin.
Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag kritisierte scharf: Eine Gruppe von 45 Großerben habe lediglich einen effektiven Steuersatz von 1,5 Prozent gezahlt. Der Landtag fordert eine parlamentarische Aufarbeitung der Praxis.
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