First-Party-Fraud: Organisierte Banden zahlen 50 Euro für Betrug
21.06.2026 - 18:44:27 | boerse-global.de
Eine neue Analyse von LexisNexis Risk Solutions auf Basis von 116 Milliarden Transaktionen aus dem Jahr 2025 zeigt: Unehrliche Kunden werden zum größten Risiko für Händler und Finanzdienstleister.
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Kriminelle Netzwerke professionalisieren sich
Die Täter gehen systematisch vor. Sie sprechen gezielt Menschen mit schlechter Bonität oder Studenten an und bieten ihnen rund 50 Euro für die Teilnahme an betrügerischen Aktionen. Die Masche ist simpel: Die rekrutierten Kunden bestellen Waren über „Kauf auf Rechnung" oder „Buy now, pay later"-Angebote – und bezahlen nie.
Besonders betroffen sind Finanzdienstleister, die Kreditverträge und Zahlungsaufschübe anbieten. Die Zahlen sind alarmierend: 2025 entfielen 38,8 Prozent aller weltweiten Betrugsfälle auf sogenannten First-Party-Fraud – ein Anstieg um zwei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
In Europa ist die Lage noch dramatischer. Hier sind unehrliche Kunden an fast 52 Prozent der gemeldeten Fälle beteiligt. Experten beobachten zudem einen spezifischen Anstieg von Angriffen über Desktop-Geräte. Für Händler wird die Lage dadurch besonders heikel: Sie müssen im Streitfall die betrügerische Absicht des Kunden nachweisen – eine oft schwierige Beweislast.
Minister fordern schärfere Regeln gegen Fake-Shops
Parallel zur wachsenden Bedrohung durch betrügerische Kunden haben die Verbraucherschutzminister der Länder am 20. Juni 2026 in Potsdam ein Maßnahmenpaket gegen Online-Betrug gefordert. Auf ihrer 22. Jahrestagung verlangten sie einen nationalen Aktionsplan, der die Zuständigkeiten von Polizei, Justiz, Bundesnetzagentur und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik besser koordiniert.
Ein Kernpunkt: ein „Notice and Action"-Verfahren für .de-Domains, das sich am belgischen Vorbild orientiert. Damit könnten betrügerische Websites schneller vom Netz genommen werden. Darüber hinaus fordern die Minister:
- Leichtere Löschung von Anzeigen für Fake-Shops in Suchmaschinen und sozialen Netzwerken
- Höhere Haftung für Plattformbetreiber
- Strengere Regulierung von KI-Agenten im E-Commerce
- Verschärfte Kontrollen für online verkaufte Lebensmittel
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Die Minister griffen auch das Thema Preistransparenz an E-Ladesäulen auf – ein weiteres Signal für verbraucherfreundlichere Regeln in der digitalen Infrastruktur. Die Forderungen zeigen: Der Kampf gegen Betrug im Netz muss auf mehreren Ebenen geführt werden – gegen kriminelle Verkäufer ebenso wie gegen die organisierte Rekrutierung unehrlicher Kunden.
