FIQR-Test bei Fibromyalgie: Erst über 82 Punkte gibt es Zuzahlungsbefreiung
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 10:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deMonopoli – Die gesundheitspolitische und therapeutische Versorgung von Menschen mit Fibromyalgie steht nach der formellen Aufnahme des Syndroms in den nationalen Leistungskatalog der Grundversorgung (LEA) vor einer Neuausrichtung.
Bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung am 15. Oktober 2026 in der Sala delle Terre Parlanti im süditalienischen Monopoli berichteten Mediziner, Psychologen und Patientenvertreter über die klinischen Herausforderungen und die praktische Umsetzung der neuen Bestimmungen.
Das Treffen, an dem unter anderem die Rheumatologin Livia Albanese, die Psychologin Sara Petrassi und Felice Spaccavento – Anästhesist, Regionalrat und Präsident der dritten regionalen Gesundheitskommission – teilnahmen, beleuchtete die vielschichtige Symptomatik des chronischen Schmerzsyndroms.
Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Bedeutung gezielter Bewegungstherapien, um anhaltende Schmerzen und chronische Erschöpfung bei Betroffenen zu lindern.
Valentina Lippolis von der regionalen Patientenorganisation CFU Puglia betonte als Moderatorin der Runde, dass der Einzug der Erkrankung in die staatlichen Leistungskataloge zwar einen bedeutenden Meilenstein darstelle, jedoch keineswegs als Endpunkt der Reformbemühungen verstanden werden dürfe.
Hohe Hürden für die Befreiung von Zuzahlungen
Hintergrund der Debatten sind die konkreten Vergütungs- und Freistellungskriterien unter dem Leistungscode 068. Das nationale Gesundheitssystem SSN garantiert für Betroffene mit anerkannter schwerer Ausprägung eine jährliche Facharztkontrolle sowie Maßnahmen zur Bewegungsrehabilitation.
Wer sich mit chronischen Beschwerden befasst, sucht oft nach Wegen, die Symptome im Alltag sanft zu lindern. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit nur 3 Minuten täglichem Training Ihre Muskulatur stärken und Schmerzen aktiv vorbeugen können. 17 effektive Übungen jetzt kostenlos herunterladen
Um jedoch das Recht auf Befreiung von Zuzahlungen zu erhalten, müssen Patientinnen und Patienten unter ärztlicher Aufsicht den standardisierten Fragebogen FIQR ausfüllen. Ausschließlich Personen mit einem Schweregradwert von über 82 von 100 möglichen Punkten gelten als schwer erkrankt und erhalten die entsprechende Einstufung.
Dieser strenge Schwellenwert stößt in der Fachwelt auf Vorbehalte. Das Kollegium der italienischen Rheumatologen CReI kündigte anlässlich seines 29. Kongresses in Bologna eine landesweite Initiative an.
Die Fachgesellschaft plant Audienzanfragen bei den Gesundheitskommissionen sämtlicher Regionalräte sowie den zuständigen Regionalassessoren für Gesundheit und Wohlfahrt, um auf Anpassungen bei der Umsetzung des Codes 068 hinzuwirken.
CReI-Vizepräsident Crescenzio Bentivenga und die frühere Präsidentin Daniela Marotto gaben zu bedenken, dass die strikten Kriterien mehr als 80 Prozent der Erkrankten ohne entsprechenden Schutz und ohne Zugang zu den beitragsfreien Leistungen belassen.
Patientenorganisationen fordern einheitliches Rahmengesetz
Auch überregionale Patientenvertretungen fordern weitergehende Maßnahmen. Barbara Suzzi, Präsidentin der Organisation CFU-Italia, erklärte zum LEA-Beschluss, Betroffene seien damit aus der Unsichtbarkeit hervorgetreten, der Schritt bleibe jedoch nur eine Basis. Sie forderte die Zusammenführung mehrerer, bislang im Senat blockierter Gesetzesentwürfe zu einem bundesweiten Rahmengesetz.
Gerade bei chronischen Schmerzbildern ist ein gezielter Muskelaufbau oft eine wichtige Säule der langfristigen Besserung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen PDF-Guide eines renommierten Sportmediziners, wie Sie ein effizientes Heimtraining mit minimalem Aufwand in Ihren Tag integrieren. Gratis-Ratgeber für gezieltes Krafttraining sichern
Nach den derzeitigen Vorgaben umfasst das Leistungspaket neben einer Kontrollvisite alle zwölf Monate einen Zyklus von zehn Gruppensitzungen zur Bewegungserziehung. Bei Vorliegen psychiatrischer Begleiterkrankungen steht den Betroffenen jährlich eine fachärztliche psychiatrische Untersuchung zu.
Thermal- und Kuranwendungen werden unabhängig vom Schweregrad über das staatliche Gesundheitssystem ermöglicht, unterliegen jedoch mitunter einer regulären Ticketbeteiligung.
Multimodale Ansätze zur Schmerzbewältigung
Fibromyalgie zeichnet sich klinisch durch symmetrische, tiefe Muskel- und Skelettschmerzen ohne entzündlichen Gewebecharakter aus, begleitet von chronischer Müdigkeit und Schlafproblemen.
Da bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie, Computertomographie oder Ultraschall ebenso wie Laborparameter typischerweise unauffällig bleiben, setzt die moderne Behandlung vor allem auf multimodale Konzepte.
Neben der medikamentösen Schmerzlinderung – bei der Substanzen wie nichtsteroidale Antirheumatika, Paracetamol oder selektive Hemmer individuell gegen gastrointestinale oder kardiovaskuläre Risiken abgewogen werden müssen – bildet die funktionelle Bewegungstherapie das therapeutische Fundament.
Experten raten hierbei zu moderat dosierten Einheiten, die von sanftem Dehnen über gezieltes Krafttraining bis hin zu bewegungstherapeutischen Einheiten in warmem Wasser reichen, um den Teufelskreis aus Inaktivität und Schmerzverstärkung zu durchbrechen.
