Finanzsektor, Druck

Finanzsektor unter Druck: 89% berichten von KI-Cyberattacken

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 17:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

TrendAI-Studie zeigt: 89% der Finanzinstitute melden mehr KI-Angriffe. EZB fordert bis Oktober 2026 konkrete Abwehrpläne.

KI-gestützte Cyberattacken: Bedrohung für Finanzinstitute steigt rasant
Cyber-Sicherheitsanalyst in einem modernen Kontrollzentrum mit digitalen Datenvisualisierungen und Warnsignalen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bedrohungslage für internationale Finanzinstitute hat sich in den vergangenen Monaten durch den Einsatz künstlicher Intelligenz seitens der Angreifer drastisch verschärft. Laut der im Juli veröffentlichten Studie „The Modern Bank Heist“ des IT-Sicherheitsunternehmens TrendAI berichten 89 % der befragten Finanzinstitute von einer deutlichen Zunahme KI-gestützter Cyberattacken. Für die Erhebung wurden die Einschätzungen von 48 IT-Sicherheitsverantwortlichen (CISOs) ausgewertet, die ein besorgniserregendes Bild der aktuellen Sicherheitslage zeichnen.

Zerstörerische Angriffe und neue Taktiken

Die Untersuchung verdeutlicht, dass Cyberkriminelle zunehmend aggressive Methoden anwenden. Demnach erlebten 67 % der befragten Institute sogenannte „Counter Incident Response“-Maßnahmen. Dabei gehen die Angreifer aktiv gegen die Abwehrmechanismen der Unternehmen vor, um deren Sicherheitsmaßnahmen zu neutralisieren oder zu umgehen. Besonders kritisch bewerten Experten die Tatsache, dass 41 % der Finanzinstitute bereits Opfer zerstörerischer Angriffe wurden, die darauf abzielen, Daten oder Infrastrukturen dauerhaft unbrauchbar zu machen.

Ein deutlicher Schwerpunkt der kriminellen Aktivitäten liegt auf den Schnittstellen der Institute. Die Studie verzeichnete einen Anstieg der gemeldeten API-Angriffe um 55 %. Zudem rückt der Diebstahl von Marktinformationen verstärkt in den Fokus der Täter: 46 % der Teilnehmer gaben an, dass Versuche unternommen wurden, sensible Marktdaten zu entwenden, was über den klassischen Diebstahl von Kundendaten hinausgeht und die Stabilität der Finanzmärkte gefährden könnte.

Technologische Aufrüstung aufseiten der Angreifer

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Die technische Komplexität der Attacken nimmt laut TrendAI stetig zu. Die Angreifer setzen verstärkt auf agentische KI, also Systeme, die eigenständig Ziele verfolgen und ihre Strategien an die jeweilige Verteidigung anpassen können. Darüber hinaus werde vermehrt Steganografie eingesetzt, um schädlichen Code in scheinbar harmlosen Dateien zu verbergen und so herkömmliche Sicherheitsscanner zu umgehen.

Trotz dieser technologischen Herausforderungen klafft bei der Ausstattung der Sicherheitsabteilungen eine Lücke. Die Studie zeigt auf, dass 54 % der befragten Finanzinstitute keinen Anstieg ihrer Budgets für Cybersicherheit verzeichnen konnten. Angesichts der rasanten Entwicklung der Angriffsmethoden warnt die Branche vor einer wachsenden Diskrepanz zwischen der Schlagkraft der Angreifer und den Verteidigungsmöglichkeiten der Institute.

Regulierungsbehörden fordern striktes Handeln

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Die zunehmende Professionalisierung der Cyberkriminalität hat auch die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits auf die veränderte Bedrohungslage reagiert. Die Behörde fordert von den Finanzinstituten die Ausarbeitung und Vorlage detaillierter Aktionspläne zur Stärkung der Resilienz gegenüber Cyberrisiken. Diese Pläne müssen laut den aktuellen Vorgaben bis Oktober 2026 eingereicht werden.

Experten sehen in dieser Frist ein deutliches Signal, dass die Sicherung der digitalen Infrastruktur im Finanzwesen oberste Priorität genießt. Die Institute stehen nun vor der Aufgabe, trotz teilweise stagnierender Budgets ihre Abwehrstrategien grundlegend zu modernisieren, um den neuen, KI-getriebenen Bedrohungsszenarien effektiv begegnen zu können. Die Ergebnisse der TrendAI-Studie unterstreichen, dass die Zeit für eine rein reaktive Sicherheitspolitik abgelaufen ist und proaktive Schutzmaßnahmen für die Stabilität des Sektors unerlässlich sind.

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