Finanzinklusion: 11 Millionen Briten brauchen Hilfe beim Banking
05.06.2026 - 10:09:14 | boerse-global.de
Von Indien bis Großbritannien setzen Regierungen und Branchenverbände neue Maßstäbe für den Zugang zu Finanzdienstleistungen. Im Fokus: ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen.
Indien: Gerichtsurteil erzwingt Umdenken
Am 3. Juni 2026 erließ das indische Finanzministerium eine strenge Weisung an Banken, Versicherungen und Pensionsfonds. Die Institute – darunter die State Bank of India (SBI) und die Life Insurance Corporation (LIC) – müssen nun die nationalen Barrierefreiheitsgesetze einhalten. Konkret geht es um das Behindertenschutzgesetz von 2016 sowie die aktualisierten DFS-Standards aus dem Jahr 2024.
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Auslöser war ein Urteil des Delhi High Court. Das Gericht hatte die SBI aufgefordert, ihre Beförderungspolitik für sehbehinderte Mitarbeiter zu überprüfen. Bis September 2025 müssen alle Finanzinstitute nun verbindliche ICT-Barrierefreiheitsstandards umsetzen. Regelmäßige Systemüberprüfungen sollen die dauerhafte Zugänglichkeit sicherstellen.
Großbritannien: Neue Allianz für „Unterstütztes Bezahlen"
Nur einen Tag später, am 4. Juni, startete das britische Centre for Finance, Innovation and Technology (CFIT) eine nationale Koalition für finanzielle Inklusion. Finanziert vom Finanzministerium, soll die Initiative einen Rahmen für „Unterstütztes Bezahlen" entwickeln. Zielgruppe sind Menschen mit Lernbehinderungen und anderen Einschränkungen.
Der Bedarf ist enorm: Rund 11 Millionen Erwachsene in Großbritannien – das sind 19,3 Prozent der Bevölkerung – helfen derzeit anderen bei digitalen Bankgeschäften. CFIT-Chefin Anna Wallace und Wirtschaftsstaatssekretärin Rachel Blake setzen auf Open Banking, um eine vertrauenswürdige Einwilligungsstruktur für Drittanbieter zu schaffen. Ein erster Workshop ist für den 18. Juni geplant.
„Digital nach Wahl, nicht nach Zwang"
Der rasante Trend zu rein digitalen Angeboten stößt zunehmend auf Kritik. Beim parlamentarischen Bankengipfel am 3. Juni warnte die Gruppe Later Life Ambitions (LLA) vor der Ausgrenzung älterer Menschen. Generalsekretärin Sally Tsoukaris forderte eine Strategie des „digital-by-choice" statt „digital-by-default".
Das Problem: Während traditionelle Filialen rasant schließen, entstehen neue Banking-Hubs nur langsam. Besonders schwierig wird es bei komplexen Anliegen wie Betrugsfällen, Vorsorgevollmachten oder Sterbefällen. Marktforschung untermauert die Bedenken: Eine Studie der AARP ergab, dass 64 Prozent der über 50-Jährigen Angst vor Online-Betrug haben – das größte Hindernis für die digitale Nutzung.
Nigeria und Südafrika: Milliardenpläne für Finanzbildung
Auch Schwellenländer treiben die Inklusion voran. Nigerias Zentralbankchef Olayemi Cardoso präsentierte am 3. Juni die „Payments System Vision 2028". Das Ziel: 50 Millionen neue Nutzer in das formale Finanzsystem bringen und eine Inklusionsrate von 95 Prozent erreichen. Die Strategie setzt auf Open Banking, Künstliche Intelligenz und 10 Millionen QR-fähige Bezahlpunkte.
In Südafrika meldet die First National Bank (FNB) Erfolge bei der Integration ausländischer Kunden. Die Kundenzahl in diesem Segment soll bis Ende des Geschäftsjahres auf rund 517.000 steigen. Rund 85 Prozent dieser Kunden nutzen bereits digitale Plattformen für Überweisungen und internationale Zahlungen.
Deutschland: Weniger Surfen, gleiches Banking
Die Postbank Digitalstudie 2026 zeigt einen überraschenden Trend: Die durchschnittliche Internetnutzung in Deutschland sank auf 67,4 Stunden pro Woche – ein Rückgang um fünf Stunden im Vergleich zum Vorjahr. Das digitale Banking blieb davon unbeeindruckt: Über 50 Prozent der Befragten nutzen weiterhin Online-Dienste.
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Nordamerika: Die besten Banking-Apps
Die JD Power 2026-Zufriedenheitsstudien vom 4. Juni küren die Spitzenreiter: Huntington National Bank führt bei den Regionalbanken in den USA – mit speziellen Funktionen für Betreuer und Teenager. In Kanada belegt die TD Bank Group Platz eins bei der Mobile-App-Zufriedenheit. Der Konzern verzeichnete über 2 Milliarden mobile Sitzungen im Geschäftsjahr 2025.
Die wirtschaftlichen Anreize sind enorm. Eine ältere Studie von A.T. Kearney zeigte: Europäische Retailbanken könnten ihre Jahresumsätze durch optimiertes digitales Kundenmanagement um 30 bis 40 Milliarden Euro steigern.
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