Figure AI: 250.000 Pakete in 200 Stunden – Humanoiden gelingt der Durchbruch
23.05.2026 - 17:57:12 | boerse-global.de
Gleich mehrere Entwicklungen der vergangenen Tage zeigen, dass humanoide Maschinen das Zeug haben, den Arbeitsmarkt nachhaltig zu verändern. Besonders ein Unternehmen sorgt für Aufsehen.
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Humanoiden schlagen menschliche Praktikanten
Figure AI hat in einem Live-Streaming-Test eindrucksvoll bewiesen, dass humanoide Roboter in der Logistik mit Menschen mithalten können. Über einen Zeitraum von 200 Stunden sortierte die Roboterflotte, darunter Modelle der Baureihe F.03, rund 250.000 Pakete. Die Maschinen erkannten die Barcodes eigenständig und drehten die Pakete in die korrekte Position.
Besonders aufschlussreich war der direkte Vergleich: Ein menschlicher Praktikant schaffte in zehn Stunden 12.924 Pakete – das sind 2,79 Sekunden pro Stück. Der humanoide Roboter kam auf 12.732 Pakete, benötigte mit 2,83 Sekunden nur geringfügig länger. Der entscheidende Vorteil: Roboter arbeiten rund um die Uhr. Sobald der Akku zur Neige geht, rückt einfach das nächste Modell nach.
Dieser Test ist kein Einzelfall. Bereits zuvor lief ein elfmonatiges Pilotprojekt im BMW-Werk Spartanburg, bei dem Figure-Roboter Komponenten für über 30.000 Fahrzeuge verarbeiteten.
Software-Revolution: Neuronale Netze ersetzen C++
Doch Figure AI ruht sich nicht auf diesen Erfolgen aus. Das Unternehmen hat seine Software-Architektur grundlegend umgekrempelt. Rund 109.504 Zeilen traditionellen C++-Codes wurden durch ein neuronales Netz mit zehn Millionen Parametern ersetzt. Das „Helix 02“-System setzt auf „End-to-End“-KI-Modelle, die deutlich flexibler sind.
Ein Beispiel: In einer Demonstration absolvierte ein humanoider Roboter eine 61-Schritte-Aufgabe – das Einräumen einer Spülmaschine – in nur vier Minuten.
CEO Brett Adcock treibt die Entwicklung parallel voran. Für sein neues Venture Hark, das personalisierte KI-Hardware entwickeln soll, sicherte er sich 700 Millionen US-Dollar in einer Serie-A-Finanzierungsrunde. Das Labor wird damit mit sechs Milliarden Dollar bewertet. Zu den Investoren zählen Schwergewichte wie Nvidia, AMD Ventures und Salesforce Ventures.
Festo-Chef fordert: „Weg vom Perfektionismus“
Während im Silicon Valley an der Geschicklichkeit von Humanoiden gefeilt wird, schlägt die europäische Industrie einen anderen Ton an. Thomas Böck, Chef des deutschen Automatisierungsspezialisten Festo, fordert ein radikales Umdenken. Die Branche müsse Geschwindigkeit und Pragmatismus über traditionellen Perfektionismus stellen.
Hintergrund: Festo durchläuft einen massiven Umbau. 1.300 Stellen in Deutschland stehen auf der Streichliste. Der Umsatz sank 2025 um 3,7 Prozent. Dennoch hält das Unternehmen an einer Forschungsquote von über acht Prozent für 2026 fest. Das Ziel: Weltmarktführer in der physischen und digitalen Automatisierung werden.
Die Industrie kritisiert zudem bürokratische Hürden wie die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten (EUDR). Statt direkter Subventionen fordern die Unternehmen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen – vor allem mit Blick auf die rasante Entwicklung in der chinesischen Auto- und Roboterbranche.
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Nischenplayer fordern die Großen heraus
Auch kleinere Innovatoren mischen kräftig mit. Die KLAG Robotics, ein Startup aus einer Abschlussarbeit an der THM Friedberg, hat ein „Fast-Feeder“-System entwickelt, das bis zu 120 Bauteile pro Minute verarbeiten kann. Nach anfänglichen Rückschlägen durch gestiegene Kosten infolge des Ukraine-Kriegs hat sich das Unternehmen als GmbH etabliert und Fördermittel unter anderem durch das EXIST-Stipendium gesichert.
Pflegenotstand: Roboter als Rettung?
Der Fachkräftemangel treibt den Robotereinsatz im Dienstleistungssektor voran. Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland bis 2029 rund 440.000 Arbeitskräfte. Forscher der TH Mannheim untersuchen daher den Einsatz des humanoiden Roboters „Florence“ in der Pflege. Ziel ist es, das Personal zu entlasten – nicht zu ersetzen.
Im bayerischen Pocking hat ein Baumarkt den Serviceroboter „Schotti“ eingeführt. Das Modell Unitree G1 EDU U4 kostet rund 80.000 Euro und arbeitet zu effektiven Kosten von 1,70 Euro pro Stunde. Eine technische Besonderheit: Weil der Roboter den bayerischen Dialekt nicht beherrscht, wurde kurzerhand ein österreichisches Sprachmodell installiert.
Auch die Reinigungsbranche – mit 660.000 Beschäftigten und 27,5 Milliarden Euro Umsatz – setzt zunehmend auf Automatisierung. In Ziegeleien übernimmt der autonome Roboter „Kehrbert“ monotone Bodenreinigungsarbeiten. Branchenexperten schätzen, dass rund 30 Prozent der Reinigungstätigkeiten bereits heute automatisierbar sind.
Teslas FSD startet in China – Waymo bremst
Der Wettlauf um autonomes Fahren wird zunehmend global ausgetragen. Am 23. Mai 2026 gab Tesla bekannt, dass sein „Full Self-Driving“-System (Supervised) nun auch in China verfügbar ist. Der Preis liegt bei umgerechnet rund 64.000 Yuan (etwa 8.200 Euro). Damit tritt Tesla direkt gegen chinesische Hersteller wie Changan Auto und BAIC Motor an, die bereits Ende 2025 Level-3-Zertifizierungen erhielten.
Auch Xpeng rollt in Guangzhou die ersten serienmäßigen Robotaxis vom Band. Sie verfügen über eine Rechenleistung von 3.000 TOPS und setzen auf eine „Pure-Vision“-Strategie – ganz ohne LiDAR oder hochauflösende Karten.
Doch der Weg zur vollständigen Autonomie bleibt steinig. In den USA musste Waymo am 21. und 22. Mai 2026 seinen Autobahnbetrieb einstellen. Grund waren Sicherheitsbedenken in Baustellen und überschwemmten Gebieten. Betroffen sind die Märkte in San Francisco, Los Angeles, Phoenix und Miami.
Großbritannien hingegen treibt die Entwicklung voran: Die Regierung hat Antragsverfahren für fahrerlose Taxi- und Busdienste eröffnet. Erste Pilotprojekte sollen noch 2026 starten. Das Marktpotenzial wird auf umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro jährlich bis 2040 geschätzt.
Wirtschaftlichkeit wird zum entscheidenden Faktor
Der aktuelle Boom in der Robotik hat zwei Treiber: leistungsfähige KI-Modelle und der wirtschaftliche Druck durch Arbeitskräftemangel. Der Umstieg von klassischer C++-Logik auf neuronale Netze, wie bei Figure AI, ermöglicht es Robotern, sogenannte „Edge Cases“ zu bewältigen – unvorhergesehene Situationen im Lager oder Zuhause – ohne für jedes Szenario einzeln programmiert werden zu müssen.
Die Wirtschaftlichkeit wird für Unternehmen zunehmend schwer zu ignorieren. Zwar erfordert ein humanoider Roboter eine hohe Anfangsinvestition – oft im sechsstelligen Bereich. Doch die langfristigen Stundensätze liegen deutlich unter denen menschlicher Arbeitskräfte.
Allerdings bremst das Fehlen eines umfassenden Rechtsrahmens für Serviceroboter in Deutschland die Verbreitung. Auch Umweltauflagen wirken sich aus: Mehrere Gemeinden in Südwestdeutschland haben kürzlich Nachtfahrverbote für Mähroboter erlassen – zum Schutz von Igeln, die seit Oktober 2024 als potenziell gefährdet gelten.
Ausblick: Mercedes plant fahrerloses Fahren in deutschen Städten
Die zweite Jahreshälfte 2026 wird eine weitere Beschleunigung bringen. Mercedes-Benz hat angekündigt, noch in diesem Jahr „Point-to-Point“-Systeme für freihändiges Fahren in deutschen Städten einzuführen. Ein bundesweiter Rollout ist für Anfang 2027 geplant.
In der Logistik und Industrie wird der Trend zur vertikalen Integration anhalten: Unternehmen wie Hark und Figure AI kombinieren eigene Hardware mit maßgeschneiderten KI-Modelle und streben die Massenproduktion an. Wenn die ersten serienmäßigen Robotaxis von Xpeng in der zweiten Jahreshälfte 2026 in den Pilotbetrieb gehen, wird die Branche gespannt darauf achten, ob die technischen und sicherheitstechnischen Herausforderungen gelöst werden können, die derzeit noch den Autobahnbetrieb in westlichen Märkten behindern.
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